Alternative Lesetage in Hamburg: Lesen ohne Atomstrom

Alternative Lesetage in Hamburg: Lesen ohne Atomstrom

Bei „Lesen ohne Atomstrom“ muss ich immer an einen Loriot-Sketch denken: „Otto Mohl fühlt sich unwohl am Pol ohne Atomstrom“. Warum die „erneuerbaren Lesetage“ nicht einfach „Lesen ohne Strom“ heißen, liegt auf der Hand: Da würde man ja nicht für eine bessere Welt lesen. Und so finden diese alternativen Lesetage vom 21. bis 26 April 2013 als Gegenveranstaltung der Vattenfall Lesetage in Hamburg statt.

Und wieder finden sich die üblichen Exzentriker zur anti-atomaren Leseorgie zu Hamburgs unabhängigem Literaturfestival ein: Exzess-Ikone Ben Becker, Verschwörungstheoretiker Jakob Augstein, Freidenkerin Iris Berben, der Sachbuch-Aktivist und einer der bekanntesten Globalisierungskritiker Jean Ziegler, sowie der Gutmenschen-Barde Wolfgang Niedecken. Insgesamt haben wir ein Übergewicht an Schauspielern bei den Lesungen in der Zentralbibliothek, den Kammerspielen und im Hamburger Schauspielhaus. Liegt das an den Locations? Daran, dass gerade Schauspieler besser vorlesen, weil sie geübt und als Sprecher ausgebildet sind? Oder sind sie besonders sensible Zeitgenossen, die neben großen Gefühlen auch große Ängste beherrschen?

Die Diskussion im Rahmen der „erneuerbaren Lesetage“ am UN-Welttag des Buches lässt sich aufgrund des Themas und der Gäste bereist vorausahnen. Kapitalismus- und Wachstumsgegner, Umwelt-Aktivisten und Globaliserungshysteriker dürften voll auf ihre Kosten kommen. Denn die Namen der Diskussionsteilnehmer sind die Donnerschall im untergehenden Abendlande: Jakob von Uexküll, Jakob Augstein, Anders Wijkman (Vizepräsident des „Club of Rome“, für den der Weltuntergang nur noch eine Frage der Zeit ist).

Programm der erneuerbaren Lesentage „Lesen ohne Atomstrom“ 2013 in Hamburg

Ich weiß: Meine Haltung ist nicht populär. Zynisch vielleicht. Aber ich will mich von der „German Angst“, von Ideolologie und „politischer Korrektheit“ nicht vorschreiben zu lassen, was gefälligst gewünscht und angenehm ist. Eine solche Veranstaltung, wie aufrecht und engagiert sie auch gemeint ist, darf nicht ohne Humor und Widerspruch stehen gelassen werden. Was natürlich auch für die Vattenfall Lesetage gilt, die aus meiner Sicht die spannenderen Autoren und Themen haben.

Die wirklich gute Nachricht wie die, die den Wucher der Energiewende ausgleichen wollen: Alle Lesungen sind kostenlos!
Aber ACHTUNG: In den letzten Jahren waren alle Häuser immer bis auf nden letzten Platz besetzt, nicht alle Interessierten konnten Einlass finden. Platzreservierungen sind nicht möglich. Bitte rechtzeitig kommen.

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