Alles im Lack?

Alles im Lack?

Hier in Ottensen bebauen Sie jetzt endlich einen Parkplatz, der gerne für einige Verkehrsbehinderungen sorgte. Obs Wohnungen werden – was eine Bürgerinitative will – oder ein Büro-Gebäude wird – was eine Werbeagentur will – das weiß man noch nicht. Aber Tiefgaragen kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Abgesehen davon, dass ich nicht nachvollziehen kann, weshalb man mit dem Auto in Ottensen einfällt, ist so ein Garagenplatz von großem Vorteil. Keine Kastanie kann im Herbst das Autodach betrümmern, keine Möwe den Lack düngen, kein Vandale ohne weiteres die Karosserie eindellen. Reicht das zum Aufatmen? Nein, natürlich nicht. Denn ein Auto ist nicht nur für den Hafen da, es muss hinaus auf hohe See. Also in den harten Winter in diesem Fall.

Der Winter hat deutlich mehr Einfluss auf den Wert eines Autos und bringt mehr Ärgernisse als jede andere Jahreszeit. Das beginnt nicht erst mit dem ersten Schnee. Sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, fangen besonders ältere Gebrauchtwagen an zu stottern: Die Batterie will nicht mehr. Da reicht auch keine Kurzstrecke zu Ikea in Altona oder zum Spaziergang im Öjendorfer Park, um sie wieder aufzuladen. Doch nicht nur die hustende Batterie wird im Winter zum Problem. Gummidichtungen werden durch die Kälte porös, Feuchtigkeit dringt in den Innenraum und spätestens, wenn der Hintern auf dem Ausflug mit der Familie zum Planetarium oder zum Tierpark Hagenbeck nass wird, weil die Kälte in die Sitze kriecht, sollte man die Dichtungen überprüfen.

Die Unannehmlichkeiten und Schäden am Auto selbst sind eine Sache. Die kann man ja noch beeinflussen, reparieren und vorbeugend vermeiden. Oder immer ein Handtuch für die Sitze dabei haben. Ärgerlicher wird’s dann im Straßenverkehr: Die Glätte kommt mal wieder über Nacht und ganz überraschend, der Winterdienst pennt noch und schon rutscht ein anderes Auto vorbei – natürlich nicht, ohne einen Kratzer im eigenen Lack zu hinterlassen. Klar zahlt die Versicherung. Aber zur Reparatur muss der Wagen trotzdem und mit ein bisschen weniger Glück zählt er von nun an zu den als „Unfallwagen“ deklarierten Autos. Und wenn der Winterdienst nun doch durchgerollert ist, kämpfen Fahrzeugbesitzer mit dem Dreck am Auto. Salz, Splitt, Schneematsch – überall klebt das Zeug an der Karosserie. Sind die Bürsten in der Waschanlage nicht die besten, sinkt der Wert weiter: Nämlich durch kleine Kratzer im Lack, verursacht durch altes Splitt, die schnell mal zu größeren Korrosionsschäden führen können.

Man kann natürlich das Auto so oft wie möglich stehen lassen und mit der (wenn auch nicht immer pünktlichen) HVV fahren. Doch wenn im Frühjahr Steuern, Versicherungen sowie Instandsetzungen fällig werden und das nachfolgende Modell angekündigt wird, sinkt der Wert zusätzlich ein Stück nach unten. Die Frage ist, ob es sich noch lohnt, es zu behalten und ein weiteres Jahr durchzubringen oder ob man das Auto in Hamburg verkaufen sollte.

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