Hauptsache besoffen: Der ganze Kiez ein Kiosk – Club-Betreiber gegen Kiosk-Besitzer

Hauptsache besoffen: Der ganze Kiez ein Kiosk – Club-Betreiber gegen Kiosk-Besitzer

Der ganze Kiez ein Kiosk? Bitte nicht billig kaputtsaufen, sondern nur zu den unverschämten Fuselpreise in den Bars an der Reeperbahn. Deren Wirte wollen auch ein gutes Leben leben, nicht nur die Kiosk-Besitzer.

Es ist ja keine Inititative, die die Leute auffordert, ihr Leben nicht zu zerstören nach dem Motto: „Leute, ihr braucht euch Samstagnacht gar nicht besaufen!“ Nein, es geht offenbar darum, wenn, sie teuer zu besaufen. Kann aber kaum noch jemand bezahlen, sich zügig und bezahlbar die Leber zu zersaufen. Wobei, das was als erstes dran glauben muss, das zentrale Nervensystem ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Fusel überteuert ist, wie in den allermeisten Kiezläden oder etwas billiger aus den Kiosken kommt. Hauptsache die Massen trockeln besoffen die Reeperbahn rauf und runter und beschäftigen die Polizei.

Der ganze Kiez ein Kiosk

Am Freitag, den 23. März, 2018 verkauften viele Bars und Clubs zwischen 18 Uhr und 19.00 Uhr, am Spielbudenplatz sogar bis 23.00 Uhr Alkohol unter dem Motto der ganze Kiez ein Kiosk nur über die Fenster. Die Läden selbst und auch die Toiletten blieben jedoch geschlossen. Hintergrund ist der Protest gegen die mittlerweile 60 Kioske im Viertel rund um die Reeperbahn, die Alkohl viel billiger verkaufen können, was die Club-Betreiber naturgemäß um Umsatz bringt. Ein Kiosk unterliegt naturgemäß nicht den Auflagen von Kneipen und Bars und muss beispielsweise keine Toiletten vorhalten.

Das Gesicht der Kampagne ist die Dschungel-Diva Olivia Jones, die vom Alkoholismus ihrer Mitbürger ganz gut leben kann. Oder etwa nicht? Auch der trinkfeste Corny Littmann blickt in die Kamera um gegen Sauf-Kioske zu protestieren. Ist ja deren gutes Recht.

Wer aber mal über die Reeperbahn nachts um halb eins spaziert ist, der weiß Bescheid. Alles voller Besoffener, die Atmosphäre latent gewalttätig, also mit einer gehörigen Prise Unberechenbarkeit, und eklig. Es sinkt nach Essen, Pisse und Alkohol. Dazwischen die jungen Abzocker-Nutten und sehr junge Menschen, die sicher auch andere Subtanzen als das Nervengift Alkohol intus haben. Es ist, als begänne genau hier der Highway to Hell, als wäre die Reeperbahn die Endstation unserer Zivilisation. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie widerlich ich das Gesaufe und die Zehntausend Besoffenen dort finde.

SPIEGEL TV hat umfangreichen Reportagen den Zustand der Stadt und die Polizeiarbeit im Alkoholsumpf rund um die Reeperbahn dokumentiert. Ich hoffe inständig, dass meine Tochter einstmals kein Interesse an diesem Wahnsinn findet, dieses exzessive Gesaufe und Gefeier, das einfach nur schrecklich und entwürdigend ist.

Esso-Tankstelle auf dem Kiez in Hamburg 2009

Esso-Tankstelle „Kieztanke“ am Spielbudenplatz in Hamburg 2009

Dass diese furchtbare und verachtenswerte „Kultur“ auf dem Kiez etwas mit den Kiosken zu tun hat, ist zu bezweifeln. Denn die Scheiße war dort schon immer am Dampfen. Früher hatte man sich an der legendären Esso-Tankstelle mit Sprit (und allen möglichen Alkoholika) günstig eingedeckte. Heute sind es die Kioske. Selbst wenn die weg wären, behaupe ich, würde es weder etwas an der Situation, noch groß am Verdienst der Club-Betreiber ändern. Die Feier-Piepel würden einfach ihren Alk selber mitbringen oder schon hacke anreisen. Was sie ja oft genug eh schon tun.

Eine etwas andere, aber nicht minder kritische Sicht auf den Protest, lesen wir auf Facebook.

Die Club-Besitzer regen sich aus meiner Sicht über etwas auf, was grundsätzlich Scheiße ist. Und anstatt über den Missbrauch von Drogen und Alkohol aufzuklären, vielleicht sogar eine Kampagne zur Rettung von Menschenleben zu starten, wollen sie einfach nur, dass sich die Leute in ihren Clubs statt auf der Straße totsaufen. Was für ein Irrsinn!

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