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Kruder & Dorfmeister im Sommer in Hamburg 2021

Kruder & Dorfmeister im Sommer in Hamburg

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Kruder & Dorfmeister gehörten zu den bekanntesten österreichischen Musikern. Die Musik des Duos war auch außerhalb Europaserfolgreich. Der Stil reicht von Downtemmpo und Dub über Electronica bis Trip-Hop. K&D haben zahlreiche Remixe veröffentlicht, unter anderem für Madonna und Depeche Mode, das Trüby Trio, Lamp und Roni Size. K&D gründeten zusammen das Plattenlabel G-Steone Recordings, über das sie ihre Musik veröffentlichen. Im Jahr 1998 erschien auf G-Stone das K&D-Album The K&D Sessions, veröffentlicht als Doppel-CD und als vierfach-LP. Die seltene Vinylausgabe wurde unter Liebhabern zu einer gesuchten Platte.

Später gingen Peter Kruder und Richard Dorfmeister künstlerisch des Öfteren getrennte Wege und waren auch mit ihren Solo-Projekten Peace Orchestra (Peter-Kruder-Soloprojekt) und Voom:Voom (Peter Kruder mit Fauna Flash) sowie mitTosca (Richard Dorfmeister mit Robert Huber) und Richard Dorfmeister con Madrid de los Austrias erfolgreich.

Im November 2007 stellte das finnische Unternehmen Nokia seine neuen Mobiltelefon-Modelle 8800 Arte und Sapphire vor. Dazu komponierten die beiden Österreicher einen Soundtrack, und ein dazugehöriges Video wurde von Fritz Fitzke gestaltet.Im Jahr 2010 waren K&D anlässlich des 16-jährigen Bestehens ihres Labels G-Stone Recordings mit einem zweistündigen Konzert-Set auf Tournee im Februar 2011 traten sie im Wioeber Burgtheater auf.

Kruder & Dorfmeister – Johnson (Official Video)

High Noon wurde im Jahr 2020 vom Popkulturmagazin The Gap im Rahmen des AustroTOP-Rankings auf Platz 7 der „100 wichtigsten österreichischen Popsongs“ gewählt.

Im November 2020 veröffentlichten Kruder & Dorfmeister das Album 1995, das noch vor The K&D Sessions entstanden ist. Lange vergessen und 25 Jahre später wieder entdeckt und nachträglich veröffentlicht.

Kruder & Dorfmeister – 1995

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Es gibt die geologische Zeit und die Raumzeit. Es gibt die Zeit der natürlichen Welt und die Quantenzeit. Die Menschen begannen, die Zeit anhand von Sternen und Jahreszeiten zu messen. Dann kamen Sanduhren und Sonnenuhren. Die ersten mechanischen Uhren gab es in Europa erst Ende des 13. Jahrhunderts.

Dann kam die industrielle Zeit, eine Armbanduhr für alle, und dann hatte alles eine Zeit. Eine Zeit für alles. Alles fließt in unserer jüngst digitalisierten Zeit und ihren marschierenden Nanosekunden zusammen. Vergessen wir aber nicht eine andere Art der Zeitmessung: Das wäre die K&D-Zeit.

Ja, man kann sich beeilen, aber ist es nicht viel schöner, zu schlendern?

Diese Zeitvorstellung mag ihre Wurzeln in den Rauchschwaden haben, die leise durch die Vorgeschichte von 1995 wehen, und wenn das Zeit war – dann brauchen wir Raum.

Insbesondere ein Wiener Wohnzimmer, das seine Bassboxen in Richtung Kosmos ausgerichtet hat. Dieser süße Rauch, der das Mischpult und den Sampler umhüllt. Ein paar alte Keyboard (wie ein Freund, der im Hintergrund dreht) – unbemerkt auf der Couch – nur auf der Durchreise…

Diese Zeit der K&D-Zeit galt als vorbei. Aber einer der Tricks ist es, sich in der Musik zu verstecken.

Vor nicht allzu langer Zeit (nachdem eine Schachtel DATs gefunden worden war und ein DAT-Player wieder in Betrieb genommen wurde) fielen unsere Helden durch das Musik- Wurmloch zurück in diesen rauchgeschwängerten Raum von 1995.

Die Zeit für den Remix war noch nicht da, ebenso wenig wie der intensive Tourplan. Es war vor der Veröffentlichung der K&D-Sessions und allem, was damit einherging, vor den Soloprojekten des Peace Orchestra und Tosca. Dies war eine Zeit vor all dem. Eine Zeit, in der man buchstäblich im Studio leben und die Freude erleben konnte, eine Melodie nach der anderen zu kreieren. Nur der Klang und der Rauch und keine Grenzen.

Das war, bevor die Leute anfingen, danach zu fragen, wann das Album herauskommen würde. Was zu ganz eigenen zeitspezifischen Antworten führte. Die Antwort der 90er Jahre war: bald, die Antwort der 00er Jahre war: noch nicht ganz sicher und dann, ab 2010: nie!

Die Wahrheit war, dass im Frühjahr ’95 ein Album fertiggestellt war und alles auf DAT aufgenommen und in eine Box gelegt wurde. K&D pressten zehn Exemplare und verschenkten vier davon an einige entsprechend exzentrische Menschen.

Dann öffneten sich die Türen des Raumes, und in einer ungeheuer großen Rauchwolke stürmte die Zeit herein, K&D stürmten hinaus und die Jahre vergingen wie im Flug. Die Tage waren gefüllt mit Remixen, Tourneen und dem Leben.

Schließlich, Anfang 2020, legte das zufällige Bewegen einer Kiste im hinteren Teil eines Raumes die DATs und deren Fähigkeit, einen auf eine Reise zu schicken, frei. Als K&D sie durchgingen, landeten sie sanft wieder in dem Raum und dessen wunderbaren Dunst von 1995.

Die Musik wurde von den DATs übertragen und K&D rekonstruierten jedes Molekül, aus dem die ursprünglichen 10 Kopien bestanden, in mühevoller Kleinarbeit. Von den allerersten Takes der Mixes auf Band über die Platte aus schwarzem, jungfräulichem Vinyl bis hin zu den vom vielen Abspielen abgenutzten, weißen Cover. Bis hin zu den Labels, auf denen “Unverkäufliche Musterplatte“ in ziemlich unhöflichem Deutsch steht.

Sie sieht jetzt ziemlich genau so aus, fühlt sich so an und klingt auch so wie die 10 Originalkopien von 1995. Das einzige, was fehlt, sind die Rauchschwaden in die die zehn Originalkopien getaucht worden waren. Es bleibt dem Hörer überlassen, sie in die frische Ernte des Jahres 2020 einzuwickeln.

In gewisser Weise ist es eine musikalische Zeitschleifen-Weltraumreise. Andererseits, wenn die Musik klassisch und zeitlos wird, dann ist sie aus ihrer jeweiligen Zeit – egal welche dies gerade ist. So sind die Bassboxen also wieder gen Kosmos ausgerichtet und K&D glücklich und stolz, verloren geglaubte Momente veröffentlichen zu können. Lassen Sie sich durch das Wurmloch fallen, nehmen Sie Platz auf der Couch. Der Freund, der gerade dreht und immer nur auf der Durchreise ist, hört sich ein Album für die Zukunft an, das 1995 heißt. Es ergibt alles Sinn, wenn man in K&D-Zeit misst.

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