Hamburg und seine Boxlegenden

Hamburg und seine Boxlegenden

Boxlegenden. Boxen hat eine lange Tradition. Bereits in der Antike wurde der bis heute beliebte Faustkampf in den Arenen ausgetragen, 1904 wurde er zur olympischen Disziplin. In den 90ern gehörte Deutschland mit zur Boxelite, eines der Zentren liegt dabei für Boxen in Hamburg, wo mit Universum einer der beiden großen Boxställe Deutschlands sein Zuhause hat.

Universum Box-Promotion – eine Legende kehrt zurück

Universum Box-Promotion wurde 1984 von dem Unternehmer Klaus-Peter Kohl gegründet. Mit dem ersten von ihm ausgerichteten Boxkampf machte er noch 150.000 Mark Verlust. Mit der Zeit verpflichtete er jedoch weitere Boxer, unter anderem die Klitschko-Brüder und Regina Halmich. Vor allem durch die Siege und WM-Titel der Klitschkos war ganz Deutschland im Boxfieber und Universum konnte sich einen lukrativen TV-Vertrag mit dem ZDF sichern. Der Sender übertrug die Kampfabende an etwa 15 Samstagen im Jahr live und konnte sich dadurch gute Quoten sichern. Die Klitschkos gründeten 2005 jedoch mit K2 Promotions ihren eigenen Veranstalter und auch andere Boxergrößen wie Felix Sturm verließen UBP. Nachdem der Vertrag mit dem ZDF 2010 nicht mehr verlängert wurde, geriet der Boxstall in große finanzielle Schwierigkeiten. Durch den Einstieg des Unternehmers Waldemar Kluch 2011 kam noch einmal frischer Wind in das Unternehmen, doch das reichte nicht. 2013 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet und der Betrieb eingestellt.

Sieben Jahre später, Anfang 2019, verkündete Universum Box-Promotion, der einstmals größte Boxstall Europas, sein Comeback. Abermals sollen zwei Brüder, Robert und Artem Harutyunyan, zu Bekanntheit und Weltmeistertiteln verhelfen. Wie damals bei den Klitschkos haben sie zum Start bei Universum vom Amateur- in den Profisport gewechselt. Ob sie sich beweisen können, bleibt abzuwarten. Der Auftakt am 15. Juni verlief schon einmal vielversprechend: Die Boxer von Universum konnten vier Titelkämpfe für sich entscheiden und nennen nun dreimal den IBO Continental-Titel und einmal den IBO Juniorenweltmeistertitel ihr Eigen. Die nächste Veranstaltung soll am 7. September 2019 im Hamburg Gruise Center Altona stattfinden.

Boxlegenden – Boxen hat in Hamburg Tradition

Nicht nur im Bereich der Profis, sondern auch beim Amateurboxen erlebte Hamburg in den 90ern seine Blütezeit. Hier sorgten zuletzt die Boxlegenden und Cousins Christian und Raiko Morales für Aufsehen, als sie 2016 die Hamburg Giants gründeten. Das Team boxte schon zum Einstieg in der deutschen Bundesliga und konnte dort den zweiten Platz in der Gruppe Nord erringen. Nach einem weiterem Jahr in der Bundesliga mussten die Giants ihr drittes Jahr in der zweiten Bundesliga boxen, konnten sich dort mit dem ersten Tabellenplatz aber für die Saison 19/20 wieder in die erste Bundesliga aufsteigen.

Im Hamburger Amateurboxverband (HABV) sind insgesamt 29 Boxvereine in und um Hamburg organisiert. Die besten Boxer unter ihnen dürfen für die Hamburg Giants antreten oder mit Hilfe von Boxpromotern wie Universum Box-Promotion oder ECBoxing in den gut bezahlten Profisport wechseln und um Weltmeistertitel kämpfen. Zuletzt eroberte am 6. Juli der Hamburger Hafenarbeiter Sebastian Formella einen solchen Titel im Weltergewicht. Durch die Zusammenarbeit von Vereinen, Verband, dem Bundesliga-Team und den Promotern soll das Boxen in Hamburg wieder zu seiner alten Größe zurückfinden.

Boxen und Kultur – in Hamburg kein Widerspruch

Ein wichtiger Schauplatz der Hamburger Boxszene ist zweifellos das Ritze. Die 1974 gegründete Kultkneipe in St. Pauli unterstreicht ihren Namen wenig subtil durch zwei nackte Frauenschenkel zu beiden Seiten der Tür. Sie ist nicht nur eine Bar, sondern hat im Keller auch einen Boxraum. In diesem haben bereits zahlreiche bekannte Größen wie Muhammed Ali, die Klitschko Brüder, Henry Maske oder Ben Becker gekämpft. Nach dem Tod des Pächters und Betreibers Hanne Klein übernahm zuerst seine Witwe den Betrieb. Seit 2015 hat sie mit Carsten Marek einen Mit-Pächter. Bis heute finden regelmäßig Boxevents und Trainings im Keller der Location statt. Waren diese früher noch eher Insider-Veranstaltungen, werden Sie heute öffentlich auf der Homepage der Ritze bekanntgegeben. Die Kneipe ist ebenfalls jeden Tag geöffnet und kann für private Feiern und Veranstaltungen gebucht werden. Neben dem regulären Training für den ortsansässigen Boxnachwuchs und Gäste veranstalten die Trainer der Ritze auch exklusive Workshops und Boxtrainings.

Zum legendären Ruf der Boxerkneipe haben nicht nur die zahlreichen Weltmeister, Boxlegenden und Profisportler, die dort trainierten, beigetragen. Zu ihrer Anfangszeit war die Ritze Treffpunkt zwielichtiger Gestalten aus dem Kiez, die hier ihre Muskeln stählten. 1981 war die Kneipe Schauplatz eines Auftragmordes im Kampf um die Oberhand im Viertel, der nie ganz aufgeklärt werden konnte. Wahrscheinlich ließ „Wiener Peter“ seinen Partner „Chinesen Fritz“ aus dem Weg räumen, weil dieser aus dem Geschäft aussteigen wollte. 2006 nahm sich Stefan Hentschel, als Boxer und Bordellbesitzer ebenfalls eine Größe auf dem Kiez, in der Ritze das Leben. Er hatte zwar den Kiez-Krieg Mitte der 80er überstanden, war aber später aus dem Geschäft ausgestiegen. Abseits des Rotlichtmilieus lief es für ihn aber nicht gut und er erhängte sich in dem legendären Boxkeller.

Neben der Ritze gab es lange Zeit ein weiteres Highlight für Boxfans in Hamburg: Am 18. November 2012 feierte Rocky – Das Musical im TUI Operettenhaus Premiere. Bis 2015 begeisterte es in mehr als 1000 Aufführungen über eine Millionen Box- und Musicalfans. Die Produktion erhielt zahlreiche Auszeichnungen und schaffte es als erste deutsche Musical-Produktion sogar an den New Yorker Broadway, wo sie ebenfalls zahlreiche Preise abräumte. Die Geschichte basiert auf dem ersten Rocky-Film mit Sylvester Stallone, der auch bei der Produktion der Musical-Adaption mitwirkte. Besonders bekannt wurde sie auch für ihr fulminantes Finale. Dabei fährt der Boxring von der Bühne in den Zuschauerraum. Gäste, die vorher ein „Golden-Circle“-Ticket erhalten haben, dürfen dann die Tribünenplätze dort einnehmen und den Kampf von der Bühne aus beobachten.

Titelbild by rauter25 © CC BY-SA 2.0

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