Dein Sommer in Hamburg. Event- und Geheimtipps von einem Insider der schönsten Stadt der Welt in diesem Hamburg-Blog seit 2008.
Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

HASTAM Festival 2026: Kunst wird zur Stimme des Widerstands

4. September 2026 @ 08:00 6. September 2026 @ 17:00

Plakat: HASTAM Festival 2026

Drei Tage lang wird das Bürgerhaus Wilhelmsburg zu einem Ort für Kunst, die nicht an der Oberfläche bleibt. Unter dem Titel „HASTAM – Just Because I Am“ treffen Künstlerinnen und Künstler aus Iran, Afghanistan und der Diaspora auf ein Hamburger Publikum, das sich auf eindringliche Musik, bewegende Filme, politische Debatten und ungewöhnliche Bühnenarbeiten einlassen möchte.

Die Ausgabe 2026 trägt den Schwerpunkt „In Focus Afghanistan“. Sie richtet den Blick besonders auf die Lebenswirklichkeit afghanischer Frauen, verbindet diese Perspektive jedoch mit den Erfahrungen iranischer Kunstschaffender. Beide Gesellschaften sind von autoritärer Herrschaft, patriarchalen Strukturen, Zensur und Vertreibung geprägt. HASTAM setzt dem keine politischen Parolen entgegen, sondern Stimmen, Körper, Bilder und Klänge.

Eine Bühne für Stimmen aus der Diaspora

Ins Leben gerufen wurde HASTAM 2024 von der iranischen Komponistin und Cellistin Atena Eshtiaghi. Gemeinsam mit dem Bürgerhaus Wilhelmsburg schuf sie ein Festival, das Kunstschaffenden in der Diaspora den öffentlichen Raum bietet, der ihnen in ihren Herkunftsländern häufig verwehrt wird.

Die erste Ausgabe widmete sich vor allem Künstlerinnen aus Iran und ihren Perspektiven auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frauenrechte. 2026 wird das Spektrum um Afghanistan erweitert. Mehr als 20 Acts zeigen, wie vielfältig politische Kunst sein kann: leise und poetisch, wütend und unbequem, tanzbar, experimentell oder von großer erzählerischer Klarheit.

HASTAM versteht Widerstand nicht nur als Protest. Auch das Bewahren von Erinnerungen, die Suche nach einer eigenen Sprache, gemeinsames Musizieren und die Rückeroberung des eigenen Körpers können widerständige Handlungen sein.

Feierliche Eröffnung mit Parastou Forouhar

Eröffnet wird das Festival am Freitag mit einer Keynote der international bekannten Künstlerin und Aktivistin Parastou Forouhar. Ihre Arbeiten beschäftigen sich seit vielen Jahren mit politischer Gewalt, Erinnerung und der Situation von Frauen in Iran.

Musikalisch beginnt der Abend mit Evgeniya Kleyn und Atena Eshtiaghi. Ihr Duo für Klavier und Kontrabass ist den Menschen gewidmet, die während der Proteste und des Krieges in Iran getötet wurden. Anschließend setzen die Sängerin Golnar Shahyar und Atena Eshtiaghi am Cello ein musikalisches Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Afghanistan.

Zu den weiteren Höhepunkten des Freitags gehört das Konzert von Kefaya und Elaha Soroor. Das Ensemble verbindet afghanische Folktraditionen mit Jazz, elektronischer Musik und Psychedelic Rock. Seine Lieder handeln von Exil, Widerstand und dem Überleben in patriarchalen Gesellschaften.

Die Choreografin Mon? Farivar bringt mit „Tikké Tikké“ ein Tanzsolo auf die Bühne, in dem Hip-Hop und persische Tanzformen aufeinandertreffen. Booty Carrell beschließt den Abend mit einem DJ-Set aus persischer Popmusik der 1960er- und 1970er-Jahre.

Afghanische Frauen schreiben ihre Geschichte selbst

Der Samstag richtet den Blick besonders auf Afghanistan. Im Dokumentarfilm „Writing Hawa“ erzählt Regisseurin Najiba Noori die Geschichte dreier Frauen aus ihrer eigenen Familie.

Im Mittelpunkt steht Hawa, die als Kind zwangsverheiratet wurde und erst mit 52 Jahren lesen und schreiben lernt. Später baut sie ein kleines Unternehmen auf. Nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 wird ihre Tochter Najiba zur Flucht gezwungen. Trotz aller Brüche gibt Hawa ihre Pläne nicht auf.

Im anschließenden englischsprachigen Panel „Afghanistan – Seen/Unseen, Heard/Unheard“ sprechen Najiba Noori, der Filmproduzent und Journalist Ilyas Yourish sowie die Kommunikationsexpertin Zohra Mousavi über Frauenrechte, gesellschaftlichen Wandel und die Bedeutung dokumentarischer Filme für die afghanische Geschichtsschreibung. Das Gespräch wird ins Deutsche übersetzt.

Musikalisch reicht der Samstag von Simin Tander und ihrem Quartett The Wind bis zum Trio um Elshan Ghasimi, Philipp Püschel und Joss Turnbull. Persische Literatur, Jazz, freie Improvisation, elektronische Klangflächen und experimentelle Rhythmen verbinden sich dabei zu einer Musik, die kulturelle Grenzen nicht als Mauern versteht.

Workshops, die musikalische Lesung „At the Water’s Edge“, das audiovisuelle Werk „Vocabulary of Darkness“ sowie DJ-Sets von PAYDAR und Mansor ergänzen das Programm.

Filme, Körperarbeit und persische Poesie am Sonntag

Der Sonntag beginnt unter anderem mit „Painscriptions“, einem Workshop des Choreografen Sina Saberi. Mit einfachen somatischen Anleitungen und gemeinsamer Bewegung nähert sich der Workshop dem menschlichen Schmerz als körperlicher und sozialer Erfahrung. Teilnehmen können Menschen mit und ohne Tanzerfahrung.

Im Filmprogramm laufen „Love your Nails!“ von Narges Kalhor und „My Stolen Planet“ von Farahnaz Sharifi. Beide Regisseurinnen arbeiten mit Archivbildern, Erinnerungen und erfundenen Gegenwelten. Sie hinterfragen, wer Geschichte festhält, wessen Bilder fehlen und wie Frauen ihre eigene Wirklichkeit sichtbar machen können.

Das Panel „Iran – Between Archive, Imagination and Resistance“ führt diese Fragen weiter. Künstlerinnen, Filmemacherinnen und Aktivistinnen sprechen darüber, wie feministische Bewegungen unter staatlicher Überwachung und Repression bestehen können.

Einen poetischen Akzent setzt die musikalische Lesung von Shabnam Parvaresh und Neda Rahmanian. Mit Bassklarinette, Schauspiel und zeitgenössischer Musik interpretieren sie das mehr als 800 Jahre alte persische Epos „Die Konferenz der Vögel“ neu. Den musikalischen Abschluss gestaltet das Golnar & Mahan Trio mit zeitgenössischem Jazz, mikrotonalen Modi, polyrhythmischen Grooves und experimenteller Kammermusik.

„baraye – dafür.“ im Foyer

Während des gesamten Festivals ist im Foyer die Fotoausstellung „baraye – dafür.“ von Mina Esfandiari zu sehen. Der Titel bezieht sich auf den Protestsong „Baraye“ von Shervin Hajipour, der zu einer Hymne der iranischen Bewegung „Woman, Life, Freedom“ wurde.

Die Fotografin porträtiert Frauen mit iranischen Wurzeln, die sich in Deutschland politisch engagieren. Sie geben jenen Menschen ein Gesicht, die in Iran wegen ihres Einsatzes für Freiheit und Selbstbestimmung Verfolgung, Gefängnis oder den Tod riskieren.

HASTAM Festival 2026 auf einen Blick

Termin: Freitag, 4. September, bis Sonntag, 6. September 2026

Ort: Bürgerhaus Wilhelmsburg
Adresse: Mengestraße 20, 21107 Hamburg

Eintritt: Tagestickets ab 18 Euro
Festivalpass: ab 35 Euro
Die aktuellen Preise und verfügbaren Ticketkategorien stehen im Ticketshop.

Das vollständige Programm, mögliche kurzfristige Änderungen und Tickets gibt es auf der offiziellen Seite weiter unten.

18€ Tagesticket

Bürgerhaus Wilhelmsburg

Mengestraße 20
Hamburg, 21107 Germany
Google Karte anzeigen

Visited 9 times, 1 visit(s) today
×