- Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
Harbour Front Literaturfestival 2026: Hamburg liest die Zukunft
19. September 2026 – 11. Oktober 2026
Harbour FrontHamburg wird wieder zur großen Bühne für Bücher, Gespräche und gesellschaftliche Fragen. Noch bis zum 11. Oktober bringt das 17. Harbour Front Literaturfestival bedeutende Autorinnen und Autoren, politische Stimmen, Wissenschaft, Musik und ein neugieriges Publikum zusammen. Mehr als 70 Veranstaltungen verteilen sich auf 20 Spielorte in der ganzen Stadt.
Dabei will das Festival ausdrücklich mehr sein als eine lange Reihe klassischer Lesungen. Gespräche, Performances, Buchpremieren, Live-Podcasts, Musikabende und interaktive Experimente sollen Literatur aus dem stillen Kämmerlein holen und zu einer öffentlichen Angelegenheit machen. Im besten Sinne: Menschen begegnen einander, Gedanken geraten in Bewegung und scheinbar feste Gewissheiten bekommen Risse.
Ein Festival gegen die politische Verdunkelung
Über dem Programm steht die Frage, wie wir über Zukunft sprechen. Nicht als Drohung, die unaufhaltsam auf uns zukommt, sondern als etwas, das gesellschaftlich gestaltet werden kann. Festivalleiter Joachim Lux setzt dabei auf einen reflektierten Optimismus: Die Gegenwart soll weder beschönigt noch resigniert hingenommen werden.
Dieser Ansatz zeigt sich in vielen Veranstaltungen. Literatur trifft auf Politik, persönliche Erfahrung auf wissenschaftliche Perspektiven und große Weltlage auf konkrete Lebenswirklichkeit. Demokratie, internationale Konflikte, Klimakrise, Macht, gesellschaftliche Teilhabe und Geschlechterverhältnisse ziehen sich durch das Programm.
Mehr als in früheren Jahren stehen Frauen und ihre Geschichten im Mittelpunkt. Sie schreiben über Krieg und Frieden, Familie und Identität, Gewalt gegen Frauen, Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Veränderung.
Amerika zwischen Freiheitsversprechen und Krise
Ein zentraler Schwerpunkt des Festivals ist Amerika. Im Jahr des 250. Jubiläums der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung richtet Harbour Front den Blick auf ein Land, das Politik, Kultur und Literatur der westlichen Welt wie kaum ein anderes geprägt hat.
Dabei geht es nicht um ein nostalgisches Amerika aus Hollywood, Woodstock und grenzenloser Freiheit. Das Festival betrachtet ebenso die gesellschaftliche Polarisierung, den Einfluss von Donald Trump und der MAGA-Bewegung sowie die Frage, was vom American Dream geblieben ist.
Eröffnet wurde das Festival am 19. September im Thalia Theater mit „Hamburg liest Amerika – The American Dream: eine verlorene Liebe?“. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda schlugen gemeinsam mit Stimmen aus Kultur, Medien, Politik und Stadtgesellschaft den Bogen von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bis zu den aktuellen Auseinandersetzungen um Demokratie und gesellschaftliche Zuversicht.
Am Abend wurde das Publikum beim interaktiven Think Tank „SZENARIO – Die Zukunft steht auf dem Spiel“ selbst Teil des Geschehens. Zukunftsforscherin Florence Gaub und Bundesaußenminister Johann Wadephul entwickelten ausgehend von einer Schiffshavarie in der Arktis ein geopolitisches Krisenszenario für das Jahr 2030. Die Besucherinnen und Besucher mussten Entscheidungen treffen und unmittelbar mit deren möglichen Folgen umgehen.
Knapp 4.000 Menschen kamen zum ersten Festivalwochenende.
Der Debütpreis geht 2026 an zwei Stimmen
Eine Besonderheit gab es bei der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Harbour Front Debütpreises. Im ausverkauften NICA Jazz Club entschied sich die Jury erstmals dafür, zwei Auszeichnungen zu vergeben.
Oliwia Hälterlein wurde für ihren Roman „Wir Töchter“ geehrt, Martin Piekar für „Vom Fällen eines Stammbaums“. Beide teilen sich den Preis und das Preisgeld. Die Entscheidung passt zu einem Festival, das neue literarische Stimmen nicht bloß als Nachwuchs betrachtet, sondern als wichtigen Teil der Gegenwartsliteratur.
Internationale Literatur und ungewöhnliche Begegnungen
Zur besonderen Stärke des Harbour Front Literaturfestivals gehören Begegnungen, die eigens für Hamburg entwickelt wurden. Bei den Harbour Front Dialogen treffen Autorinnen und Autoren aufeinander, die sonst nicht gemeinsam auf einer Bühne zu sehen sind.
Ildikó von Kürthy und Daniel Schreiber eröffneten diese Reihe mit einer „Carte Blanche“, die bewusst keinen gewöhnlichen Leseabend bieten wollte. Weitere Dialoge bringen Saša Staniši? mit Kristine Bilkau sowie Christiane Hoffmann mit Nino Haratischwili zusammen.
Auch international ist das Programm prominent besetzt. Nach der Deutschlandpremiere von Han Kangs „Der goldene Faden“ kommen mit Jenny Erpenbeck, Banu Mushtaq und Yáng Shu?ng-z? drei aufeinanderfolgende Gewinnerinnen des International Booker Prize im Festivalprogramm zusammen.
Die kommenden Höhepunkte
In den verbleibenden Festivalwochen stehen zahlreiche große Namen und besondere Kombinationen auf dem Programm.
Banu Mushtaq präsentiert ihre Erzählungen „Meistens bleibt ja die Frau übrig“. Cornelia Funke kommt mit „Emma glaubt nicht an Feen“ ins St. Pauli Theater. Joschka Fischer spricht über deutsche Identität, während Philipp Oehmke und Campino den Roman „Papenburg“ vorstellen.
Irvine Welsh und Thorsten Nagelschmidt begegnen sich mit ihren Büchern „Men in Love“ und „Nur für Mitglieder“. Rocko Schamoni erhebt bei der zweiten „Gala des Scheiterns“ gemeinsam mit Christiane Rösinger, Thomas von Steinaecker, Fritzi Ernst und Gereon Klug das Misslingen zur Kunstform.
Charlotte Link spricht in einem exklusiven True-Crime-Abend darüber, wie viel Wirklichkeit ein Thriller verträgt. Maria Schrader und Jens Harzer erinnern zehn Jahre nach seinem Tod an Roger Willemsen. Béla B Felsenheimer widmet sich dem Dracula-Mythos, Francis Fukuyama fragt nach der Zukunft der liberalen Demokratie.
Dörte Hansen stellt ihren neuen Roman „Broder“ vor. Charly Hübner und Caren Miosga widmen sich Uwe Johnsons „Jahrestagen“. Ulrich Tukur nähert sich Mark Twain, während Jenny Erpenbeck und Martina Gedeck den Roman „Heimsuchung“ auf die Bühne bringen.
Robert Habeck richtet mit „Arctic Meltdown“ den Blick auf die geopolitische Bedeutung der Arktis. Manon Garcia nimmt den Pelicot-Prozess zum Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt, Macht und Männlichkeit. Kristina Lunz und Düzen Tekkal fragen, weshalb Frauenhass gesellschaftlich weiterhin so wirksam ist.
Wenn Literatur Musik bekommt
Die Programmlinie SOUNDS zeigt, wie selbstverständlich sich Sprache und Musik verbinden können. Texte werden gesprochen, gesungen, vertont und neu interpretiert.
Betterov stellt mit „Goldener Retriever“ seinen Debütroman vor und verbindet literarisches Erzählen mit dem melancholischen Ton seiner Musik. Corinna Harfouch bringt gemeinsam mit der Band Die Tentakel von Delphi Brechts Exillyrik zwischen Jazz, Rock und Improvisation auf die Bühne.
Beim Writers’ Thursday treffen unter anderem Judith Holofernes, Alexa Hennig von Lange und Mille Petrozza aufeinander. Omer Meir Wellber spricht in der Staatsoper über sein Leben zwischen Musik und Literatur.
Bücher für Kinder und Familien
Mit FAMILY & KIDS erhält das junge Publikum erstmals eine eigene Programmlinie. Margit Auer stellt den 17. Band der „Schule der magischen Tiere“ vor. Maria und Marc-Uwe Kling bringen „Die Nervknödel“ sowie „Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen“ gemeinsam auf die Bühne.
Ralph Caspers erzählt von „Lumpi, dem Katzenretter“, während Bodo Wartke mit seinen Sprachspielen rund um „Barbaras Rhabarberbar“ zeigt, wie viel Rhythmus, Unsinn und Vergnügen in deutscher Sprache stecken können.
Die Familienveranstaltungen sind kein angehängtes Begleitprogramm. Sie gehören zum Anspruch des Festivals, Literatur für unterschiedliche Generationen und möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.
Ein erstes Buch ist immer ein aufregendes Wagnis. Es erzählt nicht nur eine bisher unentdeckte Geschichte, sondern markiert den Aufbruch einer neuen literarischen Stimme, einer eigenen Haltung, eines unverwechselbaren Tons. Debütromane überraschen, fordern heraus und eröffnen frische Perspektiven. Hier entstehen Autorinnen und Autoren, die die Literatur von morgen prägen.
Harbour Front Debütpreis 2026
Mit dem Harbour Front Debütpreis zeichnet das Harbour Front Literaturfestival herausragende deutschsprachige, belletristische Romandebüts aus dem Frühjahr und Herbst 2026 aus. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt Autorinnen und Autoren, deren erste Romane durch sprachliche Kraft, erzählerische Eigenständigkeit und literarische Qualität überzeugen.
Die Debütpreisjury hat aus zahlreichen Einsendungen diese sechs Romane auf die die Shortlist des Harbour Front Debütpreises 2026 gewählt:
· Katrin Zipse:„Moosland“ (ET: 10.03.2026, DuMont)
· Martin Piekar:„Vom Fällen eines Stammbaums“ (ET: 15.05.2026, Rowohlt Hundert Augen)
· Oliwia Hälterlein: „Wir Töchter“ (ET: 20.02.2026, C.H. Beck)
· Son Lewandowski: „Die Routinen“ (ET: 17.01.2026, Klett-Cotta)
· David Vajda: „Diamanten“ (ET: 17.02.2026, Hanser Berlin)
· Maja Zade: „Wand an Wand“ (ET: 03.09.2026, Matthes & Seitz)
Am 20. September präsentieren diese sechs Nominierten im Rahmen des next.gen: new voices Programm ihre Debüts im NICA Jazz Club Hamburg. Begleitet von anregenden Gesprächen und Diskussionen trifft die Jury vor Ort ihre finale Entscheidung und ehrt am Ende des Abends feierlich die Preisträgerin oder den Preisträger. Tickets gibt es im Harbour Front Ticketshop.
Die Debütpreisjury besteht aus folgenden Hamburger Buchhändlerinnen und Buchhändler:
· Pascal Mathéus– Buchhandlung Wassermann
· Can Mayaoglu – Buchhandlung im Literaturhaus Hamburg
· Melanie Winkler – Buchhandlung Thalia Norderstedt
· Julia Kemp – Buchhandlung & Antiquariat Lüders
Die Rathauspassage als offenes Festivalzentrum
Das Herz des Festivals schlägt 2026 in der Rathauspassage. Zehn Veranstaltungen machen den zentral gelegenen Ort zu einem niedrigschwelligen Raum für Literatur, Gespräche und neue Bühnenformate.
Bei „Nah am Wasser“ geht es um Liebe, Sexualität, Beziehungen, Macht und Scham. „Rising Tide“ bietet jungen Stimmen, Poetry, Spoken Word und Battlerap eine Bühne. Die „Freche Möwe“ verbindet Comedy, Literatur und Performance.
Damit verlässt Harbour Front bewusst die vertrauten Wege des Literaturbetriebs. Nicht jede Veranstaltung verlangt Vorwissen, einen feierlichen Theatersaal oder die stille Ehrfurcht vor einem gedruckten Buch.
Große Abschlussabende im Oktober
Am letzten Festivalwochenende stehen noch einmal mehrere Generationen und Kunstformen nebeneinander. Leonie Swann kehrt mit einem neuen Glennkill-Roman zurück. Ronja von Rönne präsentiert „Alles Liebe“, und die Thalbachs machen Shakespeares „Macbeth“ zu einem generationenübergreifenden Familienprojekt.
Den Schlusspunkt setzt Juli Zeh am 11. Oktober in der Elbphilharmonie mit der Premiere ihres neuen Romans „Pony Show“. Ein passender Abschluss für ein Festival, das Literatur nicht als Dekoration versteht, sondern als lebendigen Ort für Widerspruch, Fantasie und gesellschaftliche Verständigung.
Harbour Front Literaturfestival 2026 im Überblick
- Abschluss: Juli Zeh mit „Pony Show“ am 11. Oktober in der Elbphilharmonie
- Festivalzeitraum: 19. September bis 11. Oktober 2026
- Ausgabe: 17. Harbour Front Literaturfestival
- Umfang: mehr als 70 Veranstaltungen
- Spielorte: 20 Orte in Hamburg
- Festivalzentrum: Rathauspassage Hamburg
- Programmlinien: NOW, FUTURE, SOUNDS, NEXT.GEN, FOREVER sowie FAMILY & KIDS
- Schwerpunkte: Amerika, Zukunft, Demokratie, internationale Literatur, Frauenstimmen, Musik und neue Bühnenformate
- Website: https://harbourfront-hamburg.com/

