17 Jahre Gängeviertel: Hamburgs widerspenstiges Kulturquartier feiert Geburtstag
21. August 2026 – 23. August 2026
Vier Tage, zahlreiche Räume und mehr als 100 Programmpunkte: Zum 17. Geburtstag zeigt das Gängeviertel noch einmal mit großer Wucht, was diesen besonderen Ort mitten in Hamburg ausmacht. Zwischen Ateliers, Höfen, Galerien, Werkstätten und Bühnen treffen Kunst und Musik auf politische Auseinandersetzung, gemeinsames Feiern und selbstorganisierte Stadtkultur.
Das Festival hat bereits am Donnerstag begonnen. Der größte Teil des Programms konzentriert sich jedoch auf das Wochenende vom 21. bis 23. August. Dann öffnen sich die Türen der Fabrique, der Jupibar, der Farbfabrique, der Fotofabrique, des Glubscherhofs, der Brache sowie zahlreicher Ateliers und Galerien.
Kunst, Musik und ein ganzes Viertel als Bühne
Auf den Außenbühnen, in den Clubs und Veranstaltungsräumen spielen Bands, Live-Acts und DJs. Am Freitagabend stehen unter anderem Digital Norman, HOERZU, Qute und Meraque auf dem Programm. In der Druckerei beginnt später die Clubnacht „Step Into Bass“, während Saal, Keller, Weltchen und Glubscherhof bis tief in die Nacht hinein bespielt werden.
Am Samstag geht es bereits mittags weiter. Auf der Brache, im Weltchen und in der Fabrique wechseln sich Konzerte, DJ-Sets, Performances und Workshops ab. Zu den angekündigten Acts gehören unter anderem HVDN, Lila Veil, El Inti, TELL A VISION und GiF.
Daneben gibt es Techno-Folklore, Tanzkaraoke, Facepainting und einen Workshop unter dem Titel „Bounce & Groove“. Die Grenzen zwischen Konzert, Performance und gemeinsamer Aktion bleiben dabei angenehm unscharf. Im Gängeviertel steht das Publikum traditionell nicht nur davor – es wird schnell selbst zum Teil des Geschehens.
Offene Ateliers und Ausstellungen
Auch die Kunst gehört zu den tragenden Säulen des Geburtstagsfestivals. In der Butze in Schiers Passage öffnen die Ateliers ihre Türen. Besucher können Räume, Materialien und aktuelle Arbeiten kennenlernen.
Die Ausstellung „EPIC FAIL“ in der Galerie Speckstraße beschäftigt sich mit Überforderung, Kontrollverlust und dem Scheitern als Teil des gegenwärtigen Lebensgefühls. In der Galerie Raum linksrechts untersucht „MASKED ENCOUNTERS“ die Spannung zwischen persönlichem Schutz und offener Begegnung.
Im MOM art space setzen sich Kunstschaffende und Denker mit Vorstellungen von Zuhause, Schutzräumen und gemeinschaftlichem Leben auseinander. Die Ausstellung „Loops“ von Sabin Bodmer und Nova Sprrrk ist von Freitag bis Sonntag in der Galerie LADØNS zu sehen.
Ergänzt wird das Kunstprogramm durch offene Siebdruckwerkstätten, Tiny Talks mit Kunstschaffenden, begleitetes Töpfern, Performances und eine solidarische Tattooaktion.
Workshops und politische Debatten
Das Gängeviertel versteht seinen Geburtstag nicht als reine Party. Unter dem Motto „Trick 17: Besetzen. Sanieren. Selbstverwalten.“ geht es auch um die Frage, wie selbstorganisierte Freiräume in einer zunehmend kommerzialisierten Stadt bestehen können.
Am Samstag stehen unter anderem Workshops zu interkultureller Aufmerksamkeit sowie zu Hormonen, Nervensystem und mentaler Gesundheit auf dem Programm. Beim „Treffen der Mikropolitiken“ werden selbstorganisierte Projekte und aktuelle stadtpolitische Entwicklungen diskutiert.
Am Sonntag beschäftigt sich das Panel „WEITER!MACHEN – How to Widerstand in autoritären Zeiten“ mit der Frage, wie solidarische Strukturen geschützt und politische Handlungsfähigkeit bewahrt werden können. Dazu kommen Lesungen, Gespräche und künstlerische Formate, die politische Themen nicht als trockenen Vortrag behandeln, sondern mitten in das Festivalleben holen.
Human Synthesizer: Ein Klangkörper aus Menschen
Zu den ungewöhnlichsten Programmpunkten gehört der „Human Synthesizer“ am Freitagabend im Glubscherhof. Dabei entsteht aus einer Gruppe von Menschen eine gemeinsame Soundmaschine. Atem, Stimme, Rhythmus und Resonanz verschmelzen zu einem kollektiven Klangkörper.
Das klingt ein wenig nach elektronischer Musik ohne Elektronik – und zugleich nach einer sehr körperlichen Erfahrung von Gemeinschaft. Gerade in einem Viertel, das seit 17 Jahren vom gemeinsamen Handeln lebt, könnte es kaum ein passenderes Bild geben.
Familienprogramm am Sonntag
Am Sonntag wird das Gängeviertel auch zum Ausflugsziel für Familien. Ab 13 Uhr öffnet im Glubscherhof ein Kids Space zum Basteln und Spielen. Auf der Brache beginnt um 14 Uhr die Familien-Disco „My Little Underground“.
Hinzu kommen Miniaturtheater, Geschichten, kreative Angebote und offene Werkstätten. Erwachsene können währenddessen Ausstellungen besuchen, an Workshops teilnehmen oder einfach durch das Viertel ziehen. Später schließen sich Performances, eine Buchvorstellung und das politische Abschlusspanel an.
Eintritt nach dem Prinzip „Zahle, was Du kannst“
Für die Innenräume und Clubnächte gibt es ein begrenztes Kontingent an Vorverkaufstickets sowie eine Abendkasse. Bezahlt wird nach dem Prinzip „Pay what you can“: Wer mehr geben kann, unterstützt damit das selbstverwaltete Kulturzentrum und ermöglicht anderen Menschen einen günstigeren Zugang.
Die Außenflächen können kostenlos besucht werden. Das Gängeviertel freut sich jedoch auch dort über freiwillige Beiträge. Schließlich soll aus dem 17. Geburtstag irgendwann auch ein 18. werden.
17 Jahre Gängeviertel auf einen Blick
- Termin: Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 23. August 2026
- Ort: Gängeviertel, Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße, Hamburg-Neustadt
- Programm: Kunst, Konzerte, DJs, Clubnächte, Ausstellungen, Workshops, Theater, Lesungen und Diskussionen
- Eintritt Außenflächen: kostenlos, freiwillige Beiträge willkommen
- Innenräume und Clubprogramm: Pay what you can, Vorverkauf und Abendkasse
- Vollständiges Programm: 17 Jahre Gängeviertel
- Veranstaltungsinformationen: Das Gängeviertel

