Die Zahl der Insolvenzen in Habmurg und Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Auch in Hamburg geraten immer mehr Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zuletzt sorgten unter anderem die Insolvenz der MVZ-Kette Miamedes, die finanziellen Probleme der Marsbar in Hoheluft und das Insolvenzverfahren des früheren Universum-Boxstalls für Aufmerksamkeit.
Eine Auswertung des Personaldienstleisters Teamed auf Grundlage amtlicher Daten zeigt nun, wie stark Hamburg im Vergleich zu den anderen Bundesländern betroffen ist.
Hamburg erreicht bei Insolvenzen im Bundesvergleich Rang sieben
Für Hamburg weist die Untersuchung 4.058 beantragte Insolvenzverfahren aus. Betroffen waren insgesamt 4.199 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger beliefen sich auf rund 1,09 Milliarden Euro.
Auf jeweils 100 Unternehmensniederlassungen kamen in Hamburg 3,766 Insolvenzverfahren. Der Anteil der von einer Insolvenz betroffenen Beschäftigten lag bei 0,344 Prozent.
Aus diesen Angaben errechneten die Verfasser der Studie einen Indexwert von 7,14 von zehn möglichen Punkten. Damit belegt Hamburg gemeinsam mit Rheinland-Pfalz den siebten Rang.
Viele Verfahren, aber vergleichsweise moderater Beschäftigtenanteil
Hamburg fällt vor allem durch die Zahl der Insolvenzverfahren im Verhältnis zu seinen Unternehmensniederlassungen auf. Mit 3,766 Verfahren pro 100 Niederlassungen liegt die Hansestadt über mehreren wirtschaftlich großen Bundesländern.
In Bayern waren es beispielsweise 1,905 Verfahren, in Baden-Württemberg 2,570 und in Hessen 2,912 Verfahren pro 100 Niederlassungen.
Beim Anteil der betroffenen Beschäftigten liegt Hamburg dagegen im Mittelfeld. In Mecklenburg-Vorpommern waren 0,654 Prozent aller Beschäftigten betroffen, in Nordrhein-Westfalen 0,637 Prozent und in Berlin 0,594 Prozent. Hamburg kam auf 0,344 Prozent.
Das deutet darauf hin, dass in der Hansestadt zwar vergleichsweise viele Verfahren beantragt wurden, darunter jedoch zahlreiche kleinere Unternehmen waren.
Kleine Unternehmen tragen einen großen Teil der Insolvenzen
Nach den der Untersuchung zugrunde liegenden Angaben entfallen deutschlandweit 81 Prozent der Insolvenzen auf Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.
Gerade kleine Betriebe verfügen häufig nur über begrenzte finanzielle Rücklagen. Steigende Kosten, eine schwache Auftragslage, zurückhaltender Konsum oder unerwartete Zahlungsausfälle können deshalb schnell existenzbedrohend werden.
Für eine Stadt wie Hamburg ist das besonders bedeutsam. Die lokale Wirtschaft besteht nicht nur aus Konzernen, Hafenunternehmen und großen Handelsbetrieben. Sie wird ebenso von Restaurants, Bars, Einzelhandelsgeschäften, Handwerksbetrieben, Agenturen, Praxen und vielen kleinen Dienstleistungsunternehmen geprägt.
Wenn diese Betriebe verschwinden, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren. Auch Stadtviertel verändern sich – oft leise, Geschäft für Geschäft durch die vielen Insolvenzen.
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an der Spitze
Im bundesweiten Vergleich erreichten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 8,74 Punkten den höchsten Indexwert. Berlin folgte mit 8,52 Punkten auf Rang drei. Schleswig-Holstein belegte mit 8,05 Punkten den vierten Platz.
Die geringste Belastung ergab die Auswertung für Thüringen. Dort wurden 2,624 Insolvenzverfahren pro 100 Unternehmensniederlassungen verzeichnet. Thüringen erreichte einen Indexwert von 4,42 Punkten.
Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2024
Bei der Einordnung ist ein wichtiger Punkt zu beachten: Die Untersuchung wurde zwar im Juli 2026 veröffentlicht, verwendet aber Daten aus dem Jahr 2024. Dabei handelt es sich laut den Verfassern um das zum Zeitpunkt der Auswertung aktuellste vollständig verfügbare Datenjahr.
In den Index flossen drei Faktoren mit gleicher Gewichtung ein:
- Die Zahl der Insolvenzverfahren pro 100 Unternehmensniederlassungen
- Der Anteil der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an allen Beschäftigten
- Die Höhe der voraussichtlichen Forderungen
Der Index beschreibt damit nicht allein die Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Er verbindet die Häufigkeit der Verfahren mit ihren Auswirkungen auf Beschäftigte und Gläubiger. Die Platzierung Hamburgs sollte deshalb als vergleichende Momentaufnahme gelesen werden – nicht als Prognose für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

