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JAZZ OPEN Hamburg 2026: Zwei Tage Jazz unter freiem Himmel
29. August 2026 @ 15:00 – 30. August 2026 @ 22:00

Es gibt Festivals, für die man Tickets kaufen, Hotels buchen und Wochen vorher einen minutiösen Zeitplan erstellen muss. Und dann gibt es das JAZZ OPEN Hamburg.
Decke einpacken, in den Park gehen, Musik hören. Oder sich einen Platz im Musikpavillon suchen und den Konzerten konzentriert lauschen. Genau diese Mischung aus hochwertigem Jazz und entspannter Hamburger Parkatmosphäre gehört seit Jahrzehnten zum Charakter des Festivals.
2026 findet das JAZZ OPEN bereits zum 31. Mal statt. Veranstaltet wird es vom Jazzbüro Hamburg. Seit 1995 beziehungsweise 1996 – je nach Zählweise des Festivals – gehört die Veranstaltung fest zum Hamburger Jazzsommer. Bei gutem Wetter kommen bis zu 10.000 Menschen nach Planten un Blomen.
Jazz für alle – und das kostenlos
Das Prinzip ist angenehm unkompliziert: Das JAZZ OPEN Hamburg ist „umsonst & draußen“.
Am Samstag, 29. August, und Sonntag, 30. August 2026, beginnen die Konzerte jeweils um 15 Uhr. Das Programm läuft bis ungefähr 22 Uhr. Gespielt wird im Musikpavillon in Planten un Blomen.
Dabei muss niemand Jazzexperte sein. Das Festival präsentiert bewusst unterschiedliche Spielarten des modernen Jazz und setzt auf eine Mischung aus etablierten Musikerinnen und Musikern, jungen Formationen und besonderen Projekten aus Hamburg.
Zehn Bands stehen an den beiden Tagen auf dem Programm – vom kleinen Duo bis zur Bigband, von Brass über JazzRock bis zu Crossover-Projekten mit klassischen Instrumenten.
Samstag: Haltung, Groove und die NDR Bigband
Der Samstag beginnt um 15 Uhr mit Sir Bradley. Die queerfeministische Band verbindet Modern Jazz, Free Jazz, Avantgarde und Indiepop. Ihre Musik ist entsprechend nicht unbedingt das, was man sich unter gepflegtem Hintergrund-Jazz im Park vorstellen könnte. Und das ist auch gut so.
Sir Bradley verbindet musikalische Experimentierfreude mit einer klaren Haltung. Die siebenköpfige Formation besteht aus Maria Rothfuchs, Samantha Wright, Doro Offermann, Rainer Sell, Catharina Boutari, Danica Hobden und Annette Kayser.
Um 16.30 Uhr folgt das Olesch Duo. Vibraphon und Posaune sind dabei die ungewöhnliche Kombination, mit der Christopher Olesch und Erik Konertz zwischen Modern Jazz, Groove, freien Passagen und avantgardistischen Einflüssen unterwegs sind.
Danach wird es deutlich größer und rauer: Um 18 Uhr kommt die Insomnia Brass Band aus Berlin. Die einzige auswärtige Formation des diesjährigen Festivals verbindet Free Jazz, Funk, Punkrock und New Orleans Brass. 2023 wurde das Trio mit dem Deutschen Jazzpreis als „Band des Jahres“ ausgezeichnet.
Um 19.30 Uhr übernimmt das Hamburger Fusion-Trio Cosmic Latte. Ruben Roeh an der Gitarre, Tim Steiner am Bass und Burkard Ruppaner am Schlagzeug stehen für einen ausgesprochen groovigen, experimentierfreudigen Sound, der sich nicht besonders um Genregrenzen kümmert.
Der große Samstagabend: NDR Bigband feat. Evi Filippou
Um 21 Uhr folgt der musikalische Höhepunkt des ersten Tages: die NDR Bigband mit Evi Filippou.
Die griechische Vibraphonistin und Perkussionistin hat gemeinsam mit dem Trompeter und Arrangeur Tim Hagans ein neues Konzertprogramm entwickelt. Darin treffen Jazz, klassische und improvisierte Musik sowie musikalische Einflüsse aus Griechenland und Mitteleuropa aufeinander.
Für ein kostenloses Open-Air-Konzert im Park ist das schon eine ziemlich luxuriöse Besetzung.
Sonntag: Junge Talente treffen auf internationale Klangwelten
Der Sonntag beginnt um 15 Uhr mit dem Aslan Quartett feat. Ingolf Burkhardt.
Die junge Formation um den Pianisten Lorant Aktan verbindet Jazz mit Weltmusik und Fusion. Kurdische und türkische Klangtraditionen treffen auf Latin-Einflüsse und moderne Jazzkompositionen. Als Gast ist der NDR-Trompeter Ingolf Burkhardt dabei. Das Aslan Quartett ist die Gewinnerformation des Wettbewerbs Jugend Jazzt 2025.
Um 16 Uhr folgt peace, ein junges internationales Trio aus Hamburg. Jiuning Liu, Lucas Etcheverria und Lennart Meyer verbinden Jazz mit brasilianischer und chinesischer Musik. Mehrstimmiger Gesang, Gitarre und Kontrabass schaffen dabei einen ausgesprochen intimen Sound. Die Formation entstand 2023 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.
Expressiver Jazz mit dem Dirk Dhonau Quartett
Um 17.30 Uhr übernimmt das Dirk Dhonau Quartett.
Der Hamburger Schlagzeuger Dirk Achim Dhonau verbindet komplexe Kompositionen mit spontaner Interaktion. Mit dabei sind Anna-Lena Schnabel an Saxofon und Flöte, Lukas Klapp am Piano und Giorgi Kiknadze am Kontrabass.
Das Interessante: Nicht nur Dhonau liefert Kompositionen. Auch die anderen Musiker steuern eigene Stücke bei. Dadurch entsteht ein ausgesprochen eigenständiger Bandsound zwischen lyrischen Passagen, expressiver Improvisation und komplexen rhythmischen Strukturen.
16 Musiker, Jazz und klassische Klangfarben
Um 19 Uhr wird es richtig groß: Das Michel Schroeder Ensemble bringt 16 Musikerinnen und Musiker auf die Bühne.
Die Besetzung ist ungewöhnlich. Neben einer Rhythmusgruppe und sechs Bläsern gehören ein Streichquartett, Harfe und Gesang zum Ensemble. Das aktuelle Programm „Songs of the Sea“ verbindet Jazz und klassische Musik und stammt vollständig aus der Feder des Bandleaders Michel Schroeder.
Gerade solche Formationen machen das JAZZ OPEN interessant. Hier geht es nicht darum, ein bestimmtes Jazzbild zu konservieren. Stattdessen zeigt das Festival, wie offen das Genre mittlerweile geworden ist.
Latin Jazz zum Abschluss
Den Abschluss des JAZZ OPEN Hamburg übernimmt um 20.30 Uhr das Leandro Saint-Hill Quartett feat. Myra Maud.
Leandro Saint-Hill an Saxofon und Querflöte, Omar Rodríguez Calvo am Kontrabass, Marta Winnitzki am Piano und Ricardo „Chicho“ Castillo am Schlagzeug verbinden Latin Jazz mit afro-kubanischen Traditionen. Die Sängerin Myra Maud ergänzt das Quartett als Special Guest.
Chachachá, Rumba, Danzón und Son treffen auf Zouk aus Martinique und freie Jazzimprovisation. Ein ziemlich guter Soundtrack also, um einen langen Jazzsonntag langsam ausklingen zu lassen.
Picknickdecke statt Konzertsaal
Das vielleicht Schönste am JAZZ OPEN ist die besondere Situation des Festivals.
Du kannst dich direkt vor die Bühne setzen und den Konzerten aufmerksam folgen. Oder Du legst Dich mit Deiner Picknickdecke ein Stück weiter hinten ins Gras und lässt die Musik einfach über den Park hinweg zu Dir kommen.
Das Jazzbüro beschreibt genau diese Offenheit als wesentlichen Teil des Festivalcharakters: Es gibt keine abgeschirmten Security-Zonen, der Park bleibt offen und die Besucher können selbst entscheiden, wie intensiv sie das Konzert erleben möchten.
Das macht das JAZZ OPEN auch für Menschen interessant, die normalerweise nicht unbedingt auf ein Jazzfestival gehen würden. Wer zufällig durch Planten un Blomen spaziert, kann genauso bleiben wie der eingefleischte Jazzfan.
Und vielleicht ist das sogar die beste Form, Jazz in einer Stadt zu präsentieren: nicht als elitäres Spezialprogramm hinter verschlossenen Türen, sondern mitten im öffentlichen Raum.
JAZZ OPEN Hamburg 2026: Termin, Ort und Eintritt

JAZZ OPEN Hamburg 2026
Samstag, 29. August 2026
Sonntag, 30. August 2026
Beginn: jeweils 15 Uhr
Ende: etwa 22 Uhr
Musikpavillon
Planten un Blomen
Jungiusstraße 1
20355 Hamburg
Eintritt: frei
Das Festival findet bei freiem Eintritt statt. Das Jazzbüro bittet allerdings um Spenden, damit das kostenlose Kulturangebot auch künftig möglich bleibt.
Jazz mitten in Hamburg – genau so muss das sein
Das JAZZ OPEN Hamburg ist für mich eines dieser Festivals, die zeigen, was eine Stadt kulturell leisten kann, wenn man Kultur nicht unnötig kompliziert macht.
Ein schöner Park. Eine Bühne. Gute Musiker. Ein vielfältiges Publikum. Zwei Sommertage. Und keine Eintrittskarte nötig.
Dazu kommt ein Programm, das tatsächlich neugierig macht: Sir Bradley und die Insomnia Brass Band stehen für experimentierfreudige und kraftvolle Sounds, die NDR Bigband bringt große Klangkunst in den Park, junge Hamburger Formationen wie peace und das Aslan Quartett bekommen eine Bühne und mit Michel Schroeder Ensemble sowie Leandro Saint-Hill Quartett endet das Wochenende ausgesprochen vielseitig.
Wer am letzten Augustwochenende in Hamburg unterwegs ist, sollte deshalb ruhig einmal die Picknickdecke einpacken.
Vielleicht wird daraus ein ganzer Jazznachmittag. Vielleicht nur ein Konzert.
Und vielleicht bleibt man am Ende bis 22 Uhr.

