Sind Flüsse Lebewesen? Mit dieser Frage greift Robert Macfarlane ein uraltes Thema auf, das in unserer modernen Welt fast verloren gegangen ist: die Seele der Natur. Seit Jahrhunderten sehen Menschen in Flüssen etwas Heiliges – Wesen mit Geist und Charakter. Heute dagegen gelten sie oft als Energiequelle, Wasserstraße oder Müllkippe. Macfarlane will das ändern.
Sein neues Buch Sind Flüsse Lebewesen?, in England unter dem Titel Are Rivers Alive? erschienen, steht auf Platz eins der Sunday Times-Bestsellerliste – zu Recht. Denn selten hat jemand so eindrucksvoll beschrieben, wie eng Leben, Sprache und Landschaft miteinander verflochten sind.
Flüsse, so Macfarlane, sind nicht einfach Materie, sondern Teil eines lebendigen Organismus. Sie verdienen Rechte – das Recht auf Reinheit, auf freien Lauf, auf ökologische Selbstbestimmung. Ein Gedanke, der zunächst utopisch klingt, in vielen Teilen der Welt aber bereits Realität wird: In Neuseeland etwa besitzt der Whanganui River juristisch anerkannte Rechte wie ein Mensch.
Können wir also umdenken? Die Welt anders wahrnehmen, wie unsere Ahnen, sie als belebt … erkennen und mit ihnen in eine echte Beziehung zu treten?
Eine poetische Verteidigung der Welt
In einer Zeit, in der Klimakrise und Naturzerstörung zu abstrakten Zahlen verkommen, schreibt Macfarlane wieder vom Staunen. Seine Sprache ist leuchtend, klar, manchmal zärtlich. Jeder Satz scheint von Wasser durchzogen, rhythmisch, atmend.
Der Observer schreibt über das Buch Sind Flüsse Lebewesen?: “Eine kraftvolle Synthese aus Literatur, Aktivismus und Ethik” – und genau das ist es.
Wie schon in Im Unterland oder Die alten Wege gelingt ihm, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Seine Flüsse sind Metaphern für das Leben selbst: Sie graben sich ein, finden neue Wege, tragen Erinnerung, erodieren Grenzen. Und sie zeigen, dass alles Leben miteinander verbunden ist.
Eine Einladung zum Umdenken
Macfarlane verbindet Wissenschaft, Mythos und Philosophie. Er erzählt von Flüssen in Europa, Asien, Amerika – und von den Menschen, die sie verteidigen. Sein Ansatz ist radikal und zugleich zutiefst menschlich: Er will uns dazu bringen, wieder Beziehung aufzunehmen – nicht Besitz zu ergreifen.
Der Evening Standard schrieb: „Ich war traurig, als es endete. Es ist in meine Gedanken geflossen wie ein Fluss ins Meer.“ Und der Economist nannte es schlicht, Sind Flüsse Lebewesen? wäre „ein Meisterwerk“.
Beide haben recht. Dieses Buch fließt weiter, lange, nachdem man es zugeschlagen hat. Es verändert den Blick auf die Welt – und vielleicht auch den auf uns selbst.
Warum dieses Buch bleiben wird
Weil es uns an etwas erinnert, das wir längst vergessen haben: dass wir Teil eines großen lebendigen Ganzen sind. Macfarlane gelingt, was kaum einem Naturautor gelingt – er verbindet Poesie und Politik, Bewusstsein und Bewegung. Dieses Buch ist kein Essayband, sondern eine innere Reise, die lehrt, wieder zu fühlen, zu staunen und Verantwortung zu übernehmen.
Man spürt beim Lesen den Atem der Erde, das Rauschen der Strömung, das stille Gespräch zwischen Wasser, Licht und Sprache. Sind Flüsse Lebewesen ist mehr als ein Plädoyer für Umweltschutz – es ist ein Weckruf, zärtlich und radikal zugleich. Wer dieses Buch liest, wird die Welt nicht mehr als Kulisse sehen, sondern als Mitgeschöpf. Und das bleibt. Schau mal, was du bei deinem nächsten Spaziergang an der Elbe jetzt wahrnimmst …
Sind Flüsse Lebewesen?
Autor: Robert Macfarlane
Originaltitel: Are Rivers Alive?
Verlag: Penguin / Ullstein (deutsche Ausgabe 2025)
Umfang: ca. 320 Seiten
ISBN: wird noch bekanntgegeben
Erscheinungstermin: Frühjahr 2025
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Der Autor
Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, gilt als bedeutendster Naturschriftsteller unserer Zeit. Seine Bücher Berge im Kopf, Karte der Wildnis und Alte Wege wurden internationale Bestseller. Für Im Unterland erhielt er 2019 den NDR-Kultur-Sachbuchpreis. Die American Academy of Arts and Letters zeichnete ihn 2017 mit dem E.M. Forster Prize aus, 2022 folgte der Weston International Award in Toronto. Macfarlane ist Fellow des Emmanuel College in Cambridge und schreibt regelmäßig für The Guardian, The Sunday Times und The New York Times über Natur, Sprache und Ethik.

