Anfang Januar 2026 hat Hamburg etwas erlebt, das hier fast schon selten geworden ist: richtig viel, liegenbleibenden Schnee. Die Stadt reagierte darauf mit Fantasie, Humor und erstaunlich viel Zusammenhalt – besonders sichtbar an einem Ort: im Wohlerspark.
Ein Winterwunder im Wohlerspark
Der Wohlerspark, sonst ein ruhiger grüner Rückzugsort mitten in Altona, verwandelte sich innerhalb weniger Tage in eine kleine Freiluft-Galerie aus Schnee. Wo normalerweise Jogger, Hundebesitzer und Spaziergänger unterwegs sind, standen plötzlich ganze Reihen von Schneemännern – groß, klein, schief, verspielt.
Es waren keine perfekten Katalog-Schneemänner, sondern liebevoll improvisierte Figuren:
- Stöcke als Arme
- Blätter, Beeren oder Steinchen als Augen und Knöpfe
- Tannenzweige, Schals oder Mützen als kleine Accessoires
Wer durch den Park ging, hatte das Gefühl, mitten in einem stummen Dialog dieser Schneecharaktere zu stehen. Manche wirkten fröhlich, andere nachdenklich, einige fast ein bisschen verschmitzt. Aus ein paar Handvoll Schnee entstand so eine ganz eigene, stille Poesie.
Wer baut solche Schneemänner – und warum?
Gebaut wurden diese Figuren von ganz normalen Hamburgerinnen und Hamburgern, die unterwegs im Park einfach stehen geblieben sind, sich gebückt, Schnee geknetet und losgelegt haben. Keine offizielle Aktion, keine Kampagne, kein Verein – sondern spontane Kreativität.
Dahinter steckt ein einfacher, menschlicher Impuls:
- Den seltenen Schnee nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu gestalten
- Fremden ein Lächeln zu schenken
- Den Alltag für einen Moment zu unterbrechen und etwas Spielerisches zurückzugewinnen
In sozialen Netzwerken tauchten bald Fotos und kleine Videos aus dem Wohlerspark auf. Manche stellten die Schneemänner als „Skala der Gefühle“ dar – vom skeptischen Schneemann bis zum euphorischen. So wurde aus einem kurzen Wintermoment ein Stück gelebter Stadtkultur.
Wenn ein Schneemann-Massaker eine Stadt wachrüttelt
Während im Wohlerspark fröhlich gebaut wurde, sorgte an einem anderen Ort ein Vorfall für Aufregung: An der Krugkoppelbrücke an der Außenalster wurde eine ganze Schneemann-Parade mutwillig umgetreten. Die liebevoll gestalteten Figuren lagen zerstört am Boden – für viele Menschen in der Stadt ein Symbol für respektlosen Umgang mit dem, was andere mit Herz gebaut hatten.
Doch Hamburg reagierte anders, als es vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Statt Frust und Resignation folgte ein Schneemob: Über Social Media verabredeten sich Menschen, um zur Alster zu kommen und neue Schneemänner zu bauen. Am Ende standen dort nicht nur wieder Schneemänner, sondern sogar mehr und kreativere als zuvor.
Die Botschaft dahinter war klar:
- Ihr könnt Schneemänner zerstören, aber nicht unsere Lust, neue zu bauen.
- Ihr könnt Figuren umwerfen, aber nicht unseren Gemeinschaftssinn.
Selbst Polizei und Passantinnen machten mit, bauten eigene Figuren und setzten damit ein stilles, aber deutliches Zeichen: Hier ging es längst nicht mehr nur um Schnee, sondern um Haltung.
Schneemänner als vergängliche Stadtpoesie
Aus Kinderspiel wurde plötzlich ein Symbol. Die Schneemänner in Hamburg wurden zu kleinen, vergänglichen Botschaften – Stadtpoesie aus Schnee. Sie waren nur für kurze Zeit sichtbar, doch die Geschichten dahinter bleiben.
Der Winter 2026 zeigte an vielen Ecken der Stadt:
- Im Wohlerspark, wie leise und verspielt Gemeinschaft aussehen kann
- An der Alster, wie aus Zerstörung kreative Gegenwehr entstehen kann
- In den Parks und auf Plätzen, wie schnell Fremde durch ein gemeinsames Tun verbunden sind
Jede Schneefigur war ein kleines Statement: Jemand hat sich Zeit genommen, etwas Schönes zu gestalten, ohne dafür etwas zu erwarten.
Was von den Schneemännern bleibt
Inzwischen sind die Schneemänner wieder geschmolzen. Was bleibt, sind Bilder, Erinnerungen und eine Erkenntnis: Aus einem einfachen Wetterereignis kann ein echtes Gemeinschaftserlebnis werden.
Dieser Hamburger Winter erzählt eine größere Geschichte:
- Schönheit ist zerbrechlich – und gerade deshalb wertvoll
- Spontane Kreativität kann eine Stadt verbinden
- Auf Zerstörung kann man mit Humor und Zusammenhalt antworten statt mit Resignation
Die Schneemänner vom Wohlerspark sind in dieser Geschichte die leisen, charmanten Nebenfiguren. Vielleicht liegt genau darin ihr Zauber: Sie zeigen, dass echte Magie oft dort entsteht, wo niemand ein Event geplant hat – sondern Menschen einfach anfangen, etwas Schönes zu machen, nur weil es möglich ist.

