Herbst ist Hörbuch-Zeit. Zum Beispiel ‚Mit der Flut‘

Herbst ist Hörbuch-Zeit. Zum Beispiel ‚Mit der Flut‘

Gerade nach dem Herbststurm Herwart, gab es wider Flut unten am Fischmarkt. Flut, das kennen wir in Hamburg gut. Aber wir sind auch gut geschützt. Diese Stürme gehören zum Herbst, wie die guten Bücher. Gerade so ein schönes Hörbuch ist in dieser ekligen Jahreszeit etwas Wunderbares. Wie zum Beispiel „Mit der Flut“ von Agnes Krup.

In dem Debut-Roman von Agnes Krup begleiten wir den jungen Paul, wie er 1923, nach dem großen Krieg, von einem Obsthof in Finkenwerder als blinder Passagier nach New York aufbricht. „ort findet er, was ihm bei seiner Familie in Finkenwerder unmöglich war: eine gute Schulbildung, eine vielversprechende Anstellung und alle Chancen, etwas aus sich zu machen. Als er Antonina begegnet, scheint sein Leben perfekt. Aber Paul hat einen Traum: Er möchte Arzt werden und nur in Deutschland kann er sich diesen Wunsch erfüllen. Ein zweites Mal wagt er einen Neuanfang – und kommt im Jahr 1937 in ein Land, das er kaum wiedererkennt. Je länger er dort bleibt, desto unüberwindlicher werden die Grenzen zwischen seinem neuen und seinem alten Leben. Doch Antonina ist entschlossen und nicht bereit, Paul aufzugeben …“

Nina Petri

Schauspielerin Nina Petri

Das Hörbuch Mit der Flut (audible) wird gesprochen von der bekannten Hamburger Schauspielerin Nina Petri. Sie wohnt bei mir hier in Ottensen am Fischi – so nennen wir den Fischerspark – und ist in unserem Stadtteil eine ganze normale Bürgerin. Außerdem ist sie mein Jahrgang, aber das ist ja nicht so wichtig. Ihr Stimme ist aus meiner Sicht, wie geschaffen für ein Hörbuch. Ihr Ton ist eine seltsame Mischung aus Neutralität und präziser Erzählkunst. Ihr dunkle Weiblichkeit drängt sich nicht auf, sondern erzählt uns eine spannende Geschichte. Petris Stimme drängt sich nicht auf, sondern lässt die Geschichte sprechen. Perfekt, wie ich meine.

Bei der Geschichte dieses Romans handelt es sich tatsächlich um die Lebensgeschichte des Großonkels der Autorin. Agnes Krup hatte also tatsächlich einen reichen Onkel in Amerika, der nicht nur mit allerhand Geschichten regelmäßig nach Finkenwerder kam, um seine Familie zu besuchen. Mehr dazu erfährt man im Interview mit Agnes Krup im Buchblog des Piper-Verlags über die Familiensaga zwischen Hamburg und Brooklyn. Sie selbst lebt seit 1994 drüben in New York und kennt sich daher bestens aus.

Buch-Cover MIT DER FLUTDer Roman lässt die Fantasie und die Erinnerung sprühen. Überall stehen noch die Gedenksteine des 1. Weltkriegs, nach dem der Roman ja beginnt. Finkenwerder ist zudem ein ganz besonderer Hamburger Stadtteil, der tief Verwurzelt mit der Elbe, dem alten Land, dem Hamburger Platt und den Hamburger Traditionen ist. Und etwas weiter östlich davon befindet sich denn auch das große Auswandermuseum, die Balinstadt, aus der seinerzeit viele Tausend Menschen in die neue Welt, nach Amerika, ausgewandert sind. Und so auch der Held des Romans Paul.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass mein „Opa“, der 1903 in Ostpreußen geborgen wurde, ebenfalls nach Amerika auswandern wollte. Aber es kam nie dazu, er ist in Hamburg geblieben. Und ich liebe diese Stadt. Für mich gehört dieser Roman deshalb mehr nach Hamburg, obwohl er hauptsächlich in Amerika spielt. Aber es geht um einen alten Hamburger, der drüben sein Glück macht. Und um die Hamburger Familie, die in Finkenwerder lebt und den Großonkel, der es geschafft hat, gebührend bewundert. Das Buch zeigt einen Teil von Hamburgs Geschichte und ist auf jeden Fall ein toller Buchtipp und sicher auch ein Weihnachtsgeschenk für jeden Hamburg-Liebhaber und Abenteuerlustige ob mit audible-Abo oder ohne.

Herbst-Hörbuch-Tipp:

Mit der Flut

Roman von Agnes Krup
Piper-Verlag, 2017

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