Schanzenfest und die zu erwartenden Schanzenkrawalle

Warum rechnet eigentlich niemand vor, was die bevorstehenden Krawalle zum sogenannten Schanzenfest unserer Stadt, die bekanntlich 500 Millionen Euro im Jahr sparen muss, kosten wird? Einschließlich der medizinischen Kosten für die Betreuung der verletzen Polizisten. Die Angst ihrer Angehörigen und Kinder lässt sich natürlich nicht in Geld bemessen.

Doch es sind gerade die, die der Stadt in Sachen Elbphilharmonie bitter Verschwendung vorwerfen, die diese überflüssigen Kosten für den Polizeieinsatz nicht anmahnen … Ich jedenfalls sehe HINTERHER immer nur Youtube-Videos, die schuldige, brutale, ungerechte Polizisten zeigen.

Gewisse Charaktere brauchen ein stabiles Welt- und Feindbild um mit der Wirklichkeit einigermaßen auf Du zu kommen. Vor allem junge Erwachsene in den postindustriellen Gesellschaften haben einen hohen Bedarf an griffigen und gleichsam abgelutschten Orientierungsmarken, an denen sie sich abarbeiten können. Hamburg ist an dieser Stelle für viele ein Glücksfall.

HafenCity und vor allem die Elbphilharmonie, haben nicht nur Signalkraft und einen hohen Symbolwert, sondern ragen mit ihren wuchernden Kosten zum Unkraut der Gerechten, zum Apfelbaum des staatsgelenkten Paradieses, zum Wegweiser der Denkungsart, zur offensichtlichen Bestätigung einer verachtenswerten Bourgeoisie (orwiegend abschätzig genutzter Begriff zur Bezeichnung der gehobenen sozialen Klasse der Gesellschaft, die der Klasse des Proletariats gegenübersteht).

Die Elbphilharmonie ist ein gefundenes Fressen für die alle “Widerständler”, ist Wasser auf die Mühlen jedweden Schreis nach mehr Demokratie, mehr Staat, mehr Geld, mehr Gerechtigkeit, mehr Kulturförderung, mehr billigem Wohnraum, Butter, Reis, Obst, Kartoffeln und Graubrot mit hellroter Tomantenpaste.

Die Aktionisten, die bei jeder sich nur bietenen Gelegenheit, das Beispiel der Elbphilharmonie und deren freudig anerkannten Kostenexplosion anführen, um für ihre Sache zu werben. Manchmal scheint es auch so, als sei gerade dies ihr einziges und damit bestens Argument, dies und jenes vom Vater Staat und in diesem Falle der Stadt Hamburg zu fordern. Ich finde das nicht recht, aber sehr, sehr billig.

Aber so kommt es doch zustande: Wir brauchen dringend etwas, an dem wir uns reiben können, von dem wir uns abgrenzen können und das gleichsam als Stecken und Stab unserer Orientierung, die in genau der gegenläufigen Richtung ihr Ziel sucht, dient. Was würde das Gute ohne das Böse machen? Was würde Kunst sein, ohne den Kommerz? Was wäre die Oberfläche wert, wenn es innen anfängt zu faulen? Nichts. Deshalb.

Höhepunkt der Jugendkultur - Shopping in der Schanze
Höhepunkt der Jugendkultur – Shopping in der Schanze

Mich erinnert nun die Haltung zur erwarteten Fight Night zum Schanzenfest ein wenig an viele muslimische Gemeinden. Man beeilte sich ein Statement gegen die Gewalt abzugegen, aber es scheint an verschiedenen Stellen nicht recht glaubwürdig. Denn am Ende sind es immer entweder Israel oder die USA, die schuld haben an Krieg und Gewalt. Ihre eigenen Leute sind niemals die Ursache und man hat kaum je Demonstrationszüge gegen die “andere Seite” gesehen.

So geschieht dies auch in Hamburg in der Sternschanze. Es ist immer die Polizei, die eskaliert, die provoziert. Stets sind es gewisse dunkle Kräfte des Staates, die ein Interesse daran haben, das Feuer zu schüren, die wollen, das es schief geht, die Chaos und Gewalt im Geheimen fördern und anstacheln.

Der Kampf um den MontBlanc Komplex in Hamburg
Der Kampf um den MontBlanc Komplex in der Sternschanze

Aber meinst du die friedliebenden Schanzensympathisanten, die im Zweifel GEGEN die Polizei das Wort ergreifen, rechnen mal nach, was uns diese Scheiße kostet? Das geht in die Millionen. Aber Elbphilharmonie. Bei den Schanzenkrawallen hat die gesamte Bereitschaftspolizei Hamburg Dienst. Und noch viele hundert andere Familienväter mit relativ geringem Einkommen, die hier Kopf und Kragen riskieren, um sich hinterher anhören zu müssen, sie hätten provoziert und des drauf ankommen lassen.

Wenn die Welt nur immer so klar und einfach wäre! Es gibt sogar einen Namen dafür: Schanzenkrawalle.

Die Schanze ist der Bruch in der Stadt. Hier verläuft die rauhe Narbenkante zwischen den Wohlhabenden Eigentümlern und den Alteingesessenen zusammen mit den kreativ-alternativen Linksoptimisten aus Sozialarbeit und Kunst. Die Bessergestellten haben sich im Laufe der Jahrzehnte schon Eppendorf, Winterhude und Eimsbüttel unter den Nagel gerissen. Was früher verpönter billiger Arbeiterwohnraum war, in heute schick und micki, kühl und charmant und arschteuer geworden. Man ist mit dem Geld bis tief in die Schanze vorgedrungen und nun flieg einem jedes Jahr zweimal die ganze Scheiße um die Ohren. Medienereignis. Hamburg.

Wen wundert das noch?

Ich mag die Schanze nicht. Mir ist sie zu eng, zu laut, zu banal, zu kommerziell, zu verkifft und zu besoffen. Hamburg hat spannendere Stadtteile, bessere Orte und bessere Buden!

Hinterlasse eine Antwort

*