Demo gegen die Schulbehörde: Das muss anders gehen! Gegenaufruf zur Altonaer Schuldemo

Demo gegen die Schulbehörde: Das muss anders gehen! Gegenaufruf zur Altonaer Schuldemo

Einige Eltern und Elternräte wenden sich gegen die Lösungsvorschläge der Schulbehörde und hauen ordentlich auf den Putz? Das muss anders gehen!

Als Elternrat einer Ottenser Grundschule und Mitglied des Kreiselternrats Altona (21) distanziere ich mich von der Initiative und widerspreche den Organisatioren der Demo Altona wehrt sich immer noch!. Es ist eine politische Sache und eine der Stadtentwicklung. Und damit nicht allein Sache von besorgten Eltern der Kreativviertel.

Bildung braucht Platz! Natürlich. Menschen brauchen Platz. Alle, nicht nur Kinder. Dieser Platz existiert in unserem Viertel aber nicht. Ohne die entsprechenden Konsequenzen, wie Bürgerausgrenzung, Enteigung, jahrelange, den Steuerzahler extrem belastenden Prozessen und Erhöhung der Abgaben.

Wenn man einen Aufruf macht, sollte man seine Forderungen sehr konkret begründen. Wenn es Probleme wegen der Erweiterungen der Grundschulen Mendelsohnstraße und Max-Brauer-Schule gibt, dann müssen die konkret benannt werden. Nicht jede Erhöhung der Zügigkeit ist automatisch schlecht oder kritisch oder nachteilig. Sportflächen wurde nicht ausverkauft und existieren in Gebieten wir Ottensen, St. Pauli und Eimsbüttel viel zu wenig. Schulhof-Flächen wurden nicht geklaut ohne Sinn und Verstand. Eltern, die das nicht akzeptieren mögen, sollten den Wohnort wechseln.

Das kann, das Das muss anders gehen. Es gibt auch andere Wege, beispielsweise die Aufhebung des Denkmalschutzes bestimmter Schulen oder den Tausch von Berufsschulen und Grundschulen. Ein Vorschlag, der noch gar nicht auf dem Tisch liegt, ist der einer schwimmenden Schule am Elbufer. Das ginge schnell und hätte Platz. Aber kreative Ansätze, Witz und wohlwollende Kooperation scheint nicht die Sache der Anti-Schulbehörde-Initiatoren zu sein. Ich mag das nicht und wie gesagt, distanziere mich von ihr und ihren Forderungen.

Als Vorbild finde ich diese Eltern auch nicht in Ordnung. Kinder sollten an Beispielen lernen, wie man mit Konflikten – also unterschiedlichen Interessen – umgeht. Nämlich dass man sich in die Lage des … Verhandlungspartners versetzt und ihn versucht zu verstehen. Das ist eigentlich das Standard-Vorgehen für erfolgreiche Verhandlung mit Ziel einer Win-Win-Situation. Stattdessen wird die politische Kultur weiter trumpisiert: Er am lautesten Krakeelt und den Teufel an die Wand malt, meint, Gehör und Berücksichtung zu finden. Ich lehne dieses Vorgehen besondern im Fall von Schule ab und möchte ruhig, vertrauensvoll und kreativ an die Sache herangehen. Aber doch nicht so, wie die Macher von dasmussandersgehen.de.

Ich schäme mich angesichts dieser Vorgänge, dieses Demo-Aufrufs zu den Altonaer Eltern zu gehören.

Natürlich wünschen wir uns mehr Platz – und zwar nicht nur für unsere Kinder. Auch wir Erwachsenen drehen ja durch in den derart beengten Stadtteilen. Siehste ja. Aber ich will nicht noch teurere Mieten, ich will nicht noch mehr Steuern bezahlen und ich will nicht noch mal zur Volkszählung gezwungen werden. Der Weg, den die Initiative aber hier geht, läuft genau darauf hinaus.

Die Forderungen der Anti-SEPL-Initiative im Umkehrschluss

Die Initiative nimmt sich selber ziemlich ernst und lässt sich zu folgender Anmaßung hinreißen, die sie nicht begründet, sonder wild behauptet, dass „80 neue Schulen in Hamburg“ dringend gebraucht, aber nur „39 neu gebaut werden“. Vom Stil her sehr ähnlich der gerade modernen populistischen Rechten. Kein Wort von Finanzierung oder den Möglichkeiten oder wie es überhaupt zu diesen 39 Schulen kommte. Also richtig schlecht, das alles. Das muss anders gehen, aber die ziehen diese Arroganz konsequent durch. Wohlgemerkt, es sind Eltern, vielleicht professionelle Polit-Aktivisten, aber es sind keine Fachleute, die mit einer beängstigenden Selbstgewissheit „eine nachhaltige und sozial verträgliche Schulpolitik, die die Interessen und Bedürfnisse der Kinder im Blick hat und Bildung und Entwicklung Raum gibt“ fordern. Was ja im Umkehrschluss eine tiefe Verachtung für die Arbeite der Schulbehörde und der Verantwortung ihrer Mitarbeiter erkennen lässt. Ja, eine solche Behauptung beleidigt die vielen Lehrer und Schulleitungen, die zusammen mit der Schulbehörde weder die Interessen und Bedürfnisse der Kinder im Blick haben, sondern sich sogar zu Handlangern einer nicht nachhaltigen und sozial unverträglichen Schulpolitik herabstufen lassen und den insbesondere Bildung und Entwicklung keinen Raum zugesteht. Was für eine Verachtung, was für eine Anmaßung der Autoren dieses Aufrufs.

Übrigens auf der Website der Initiative kein Verantwortlicher im Sinne des Presserechts ausgeweisen. Auch im Impressum fehlen die entsprechenden Angaben zu einer konkreten Person. Offenbar will dich niemand mit seinem Namen, für die teilweise hanebüchenen Behauptungen und Angriffe den Kopf hinhalten.

Eins ist noch sehr, sehr wichtig: Diese Eltern sind nicht befugt, für alle Eltern in Altona zu sprechen! Das muss anders gehen – sie sind im Drama- und Alarm-Modus und könnten, wenn man es genau nimmt, auch das Folgende fordern:

  • Keinen Zuzug mehr ins Kerngebiet Altona. Familien oder Bürger, die eine Familie planen, sollte der Zuzug zum Kerngebiet Altona verwehrt werden. Die vorhanden Bürger sind ganz besondere Eltern, die ihren Kindern keine weitere Zumutungen aufbürden lassen. Die Kinder, die hier zur Schule gehen müssen, habe das Recht auf viel Platz und größzügige Schulhöfe, sonst gehen sie kaputt. Da es aber keinen Platz gibt in diesem Stadtteil, dürfen keine neuen Familien mehr hierher ziehen.
  • Es tut uns Leid, aber es können nicht alle Kinder beschult werden. Die Eltern der Initiative überbringen persönlich die Nachricht an die betroffenen Familien.
  • Um Flächen zu schonen – die hier gar nicht vorhanden sind – sollten Hochhäuser nach dem Vorbild moderner kanadischer Metropolen gebaut werden.
  • Die Stadtentwicklung in diesem Gebiet wird für viele Abermillionen Euro rückabgewickelt und gestoppt. Im Zweifel wird geklagt. Die Kosten dafür werden dem Steuerzahler aufgelastet. Da Eltern für diese Kosten nicht verantwortlich sind und auch keine Verantwortung für die Beschulung aller Kinder tragen, sind uns diese Fragen und vor allem die Kosten vollkommen scheißegal.

Das muss anders gehen – denn nicht alle Eltern in Altona misstrauen der BSB (Schulbehörde)

Da ich das auf keinen Fall tolerieren kann und als Altonaer Bürger und Elternteil wie viele andere Miteltern eine ganz andere Meinung habe, will ich diese hier kundtun.

    Ich vertraue der BSB. Dort arbeiten Mitbürger und Eltern, die eine große Verantwortung haben und das beste für alle zu erreichen versuchen. Sie sind dafür verantwortlich, dass alle Kinder vernünftig beschult werden. Dies wird gewährleistet.

  1. Die Verlegung des Kopfbahnhofs Altona und der Beginn der 2. Phase des Baus der Neuen Mitte Altona ist noch in der Schwebe. Protest gibt es, Gerichte werden bemüht, Gutachten werden erstellt. Es ist zu früh, hier zu krakeelen, wenn noch gar nichts rechtssicher entschieden werden kann.
  2. Der SEPL bzw. der Referentenentwurf des Schulentwicklungsplans bietet komplexe Lösungswege und -Möglichkeiten an, auch wenn er aus nachvollziehbaren Gründen nicht sehr konkret ist (es ist ein Entwurf). Das ist eine gute Sache, die man auch mal loben kann. Um diesen Entwurf aber ernsthaft beurteilen zu können, braucht es sehr viel Hintergrundwissen, das bei vielen Eltern naturgemäß nicht vorhanden sein kann. Diese notwendigen Informationen werden weder von den Elternräten, noch von bestimmten Verbände, die sich ebenfalls über den Untergang der Schulsystems in Altona beschweren, leider nicht mitgeliefert. Das bedeutet: Es wird mehr polemisiert und geschrien, als ruhig und sachlich mit etwas Distanz und Wohlwollen auf die Sache geschaut. Und das ist es, das viele Elternräte vermissen lassen: Das Wohlwollen!

    Das eigentliche Problem ist ein politisches und das Thema ist Stadtentwicklung. Als erwachsener Bürger und Demokrat ist mir bewusst, dass viele unterschiedliche Interessen in der Stadt ausgeglichen werden müssen und Eltern nicht per se die erste Geige spielen können. Das Konfliktfeld ist demnach nicht die Schule oder die BSB, sondern auf der politischen Ebene angesiedelt. Dies verhandeln die Parteien. Als Elternrat habe ich eine andere Funktion, als mich mit der BSB und der Politik anzulegen.

    Im Gegensatz zu den Pödel-Eltern der Initiative „Das muss anders gehen“ vertraue ich auch unseren Schulleitungen, die seit vielen Jahren im Einvernehmen mit der BSB die Probleme im Sinne ALLER Schüler versuchen lösen. Sie tragen die Verantwortung und nicht die Eltern, die außer für ihre Kinder für gar nix verantwortlich sind und bestimmte Zusammenhänge, Gesetze und Bedingungen auch nicht kennen (können).

    Auch Kindern darf man etwas zumuten. Es handelt sich hier um Luxusprobleme und ich fordere sehr besorgte Eltern, die Angst um das Wohl ihrer Kinder haben, auf, den Stadtteil zu verlassen, um in eine Gegend mit größeren Schulhöfen und Sportplätzen zu ziehen, damit andere Bürger konstruktiv und wohlwollend zusammen mit der Behörde und den Schulleitungen an der Lösung der Probleme unter den gegebenen Bedingungen arbeiten können.

    Meinem Kind geht es sehr gut in der Schule, mir geht es gut, anderen Kindern geht es gut, anderen Eltern und Lehrern auch. Es ist nicht einzusehen, warum sich durch eine Entwicklung, in der es in unserem engen Stadtteil mehr Kinder als Schulplätze zu geben scheint, daran etwas ändern sollte. Wir sind sollidarisch mit den zu beschulenden Kindern und den Familien, und rücken vorübergehend enger zusammen. Es kommen auch wieder andere Zeiten, wie schon nachgewiesen wurde (Siehe: Selbst wenn die Geburtenrate langfristig weiter ansteigen sollte, wird die tatsächliche Anzahl an Geburten in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich wieder zurückgehen).

    Die aktuelle Entwicklung war nicht unbedingt klar vorauszusehen. Vor allem, weil in den letzen Jahren die Mietpreise die Debatten bestimmten. Und selbst wenn es Versäumnisse seitens der Stadt gab, so kann man durch Protestnoten bei seinem Abgeordneten seinen Unmut erklären und nicht andere Eltern zu Misstrauen, Drama und Alarmismus anstacheln.

Es ist ja durchaus legitim als Eltern zu sagen, wir wollen mehr Platz für unsere Kinder, großere Schulhöfe und mehr Sportflächen. Aber was hier geschieht, ist der übliche Politzirkus, ganz vermutlich von der LINKEN gesteuert, ist marktschreierisch und abwertend. Der Protest diskreditiert die Verantwortlichen in Behörde und Stadt und ist offensichtlich schon Wahlkampf. Die Eltern werden instrumentalisiert und sollen glauben, ihre Kinder vorm Elend und vor der Schulbehörde retten zu müssen. Andere Interessen in der Stadt werden ausgeblendet, ignoriert. Eine typisch politisierte Arroganz engagierter Eltern aus dem linksgrünen Spektrum. Das Engagement hat oft etwas Irrationales und speist sich nicht selten aus neurotischen Ängsten und anderen unreflektierten Kränkungen. Ich kann da nicht mitmachen, der Widerstand gegen Schulbehörde und Schulsenator – und nicht selten gegen jede Vernunft – widerspricht meinen persönlichen demokratisch-menschlichen Werten.

Daher distanziere ich mich klar und mit aller Schärfte von diesem Protest der Eltern in Altona. Nicht aller Eltern in Altona. Lange nicht aller Eltern in Altona. Man mag ja kaum den Mund aufmachen und sagen, hey, ich finde eure Haltung nicht in Ordnung und finde, dass die Schulbehörde die Sache im Rahmen der Umstände gut machen wird. Also eine andere Meinung zu haben, als die ProtestführerInnen. Denn solch ein emotional von Politprofis im Hintergrund geführter Protest reißt natürlich mit, es ist wie „Die Welle“, und entfaltet eine sehr ungesunde Dynamik, die in dieser Form ganz sicher allen schadet. Jedenfalls ist das MEINE Befürchtung, dass viele Kinder und Eltern durch diesen vollkommen übertrieben Protest subtilen Schaden nehmen, in dem sie nicht nur schlechte Beispiele für einen politischen Diskurs zur Nachahmung vor Augen haben, sondern dass sie am Ende selber glauben, unsere Schulen seien schlecht und würden ihnen etwas Wichtiges vorenthalten oder nehmen.
Da steige ich aus!

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