Live-Art-Festival 2011 auf Kampnagel

Im letzten Jahr hieß es „EveryBody AnyBody NoBody“. Diesmal lautet das Motto des Live Art Festivals 2011 auf Kampnagel: „Kollektive aller Länder!“ Performt euch, möchte man anfügen. In unser Protest- und Feierkultur greift gerade Kampnagel die abgetreten Jugendpfade auf. Hauptsache jemand mit Bezug zur Hochschule nennt es Kunst.

„Die Produktion, so viel lässt sich vorab vermuten, fragt nach der Authentizität ach so authentischer Feierkulturen. Und sie zeigt, was jeder gute politische Protest auch ist: großes Theater.“ Meint SPIEGEL Online großmütig. Na gut. Dann muss ich zugeben, dass ich Kampnagel nicht mehr so ganz über den Weg traue. Vielleicht zu viel zu großes Theater … am Ende um nichts. Vielleicht immer dieselbe provokante, betont junge Haltung? Man weiß es nicht.

Oder besucht man in diesen Zeit die Performances eines Kunst-Festivals um Medienereignisse und Werbeerlebnisse zu reflektieren? So könnte man meinen, wenn man sich die Titel der Darbietungen anliest: Sasa Asentic – My Private Bio-Politics (Nachhaltig Öko kaufen) oder Sixty Minutes of Opportunism (Anti-Atom-Kraft-Haltung).

WIE WIR UNS AUFFÜHREN heißt die dritte Ausgabe des LIVE ART FESTIVALS. Internationale Künstler präsentieren in Tanz- und Performance Produktionen ihre Positionen zum Thema „Herstellung des Realen“ und bieten alternative Wirklichkeitsbeschreibungen an. Befinden wir uns in einer Fiktionalität des Realen oder in einer Realität des Fiktionalen? Die eingeladenen Arbeiten untersuchen, wie Mensch und Körper – die kleinste wirtschaftliche Einheit von Heute – inmitten dieser Frage agieren und Kunsträume schaffen für andere Realitäten. Mit einem Parcours durch die heutige Erzählweise des Theaters werden die Besucher dazu eingeladen, sich der Frage zu widmen, wie man heute seiner Zeit angehören kann und will.

Ja, genau. Wenn man seiner Zeit angehören kann und … will. Sag ich ja: Konformität tarnt sich heute äußerst geschickt.

Live-Art-Festival 2011 auf Kampnagel- Flyer als PDF

Kampnagel, Jarrestraße 22, 22303 Hamburg – Map

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