ELBJAZZ Festival Hamburg 2011

Das Elbjazz Festival in Hamburg scheint dermaßen angesagt zu sein, dass sich in den Konzerten rund um den Hamburger Hafen auch Publikum wiederfindet, das denkt, Jazz sei ein Parfum. Ist es aber nicht. Jazz ist ein Sammelbecken sehr unterschiedlicher Stile. Vom gefälligen Bar-Jazz, den man trunken in einer kühlen Ledercouch absitzt oder den eher lebensbejahenden Free-Jazz, der auch schwache Gemüter zu Raserei treibt. 2011 am 27. und 28. Mai.

Wer hätte das gedacht: Dort wo einst streng riechende, schmutzige Kerle riesige Pötte zusammennietetten spielt heute seichter Jazz vor zahlendem Publikum. Dort wo mal geackert wurde, bis die Schwarte kracht sitzt man nun gemächlich in einem international renommierten Jazzfestival und lässt sich von elektrischen Beats umsäuseln. So ist das. Wir sind jetzt eine hochwertige Kultur Kultur. Breitschultige Hafenarbeit findet sich beinahe nur noch im Museum. Es hämmert sich mehr ohrenbetäubend, es grooved herzbewegend:


ELBJAZZ Impressionen. Hamburger Hafen, Jazz und Groove.

In Hamburg ist es leicht, etwas groß auszuziehen. Der Hafen ist magischen, überall lauern solvente Sponsoren, Presse gibt es im Überfluss und ein Name für ein Event ist schnell gefunden. Einfach etwas mit Elbe, Hafen oder Hanse an ein Wort hängen und fertig ist der Lack. Aber wir wollen nicht so streng sein. Hamburg ist Musikstadt seit eh und je. Dies ist ein Grund für den Bau der Elbphilharmonie, der sich am Ende schon rechnen wird. Bach, Brahms und Mahler haben hier gelebt und gearbeitet, heute heißt der Musikus in der Hansestadt Lindenberg, Delay, Tomte. Wir haben das mit dem Reeperbahn-Festival eines der größten internationalen Musikfestivals weltweit, mit Dockville eines der charmantesten und mit Stamp (Straßenkunst-Festival) eines der wundervollsten. Und jetzt eben Elbjazz.

Ein Kombiticket für beide Tage bekommt man für satte 60,- und ein Tagesticket für runde 40,- Euro. Geboten wird dafür eine ganze Menge. Spielorte wie Blohm & Voss (just an der Stelle, wo ich einst zum Metallarbeiter ausgebildet wurde), die Marco-Polo-Terrassen, die MS Stubnitz, das Carls an der Elbphilharmonie, Stage Theater an der Kehrwiederspitze, die Spiegel-Kantine (!), das Hafenmuseum und die MS Bleichen sind alleine das Geld schon wert. Denn man wird ja teils mit Barkassen zwischen den Spielstätten hin und her geschippert.

Elbjazz Festival Hamburg 2011
ELBJAZZ Festival Hamburg – Bühne in der HafenCity, Marco-Polo-Terassen

Und wer tritt auf beim Elbjazz Festival 2011? In jedem Fall gibt es wieder Jazz in all seinen Facetten – vom amerikanischen Star-Bassisten Charlie Haden und seinem Quartet West, der Funk Unit des schwedischen Posaunisten Nils Landgren, Sängern wie Maria João und Kurt Elling, dem Jazz-DJ Nicola Conte bis zu verschiedenen Formationen mit der deutschen Jazz-Legende Klaus Doldinger.

Viele Leute lassen sich einfach durch das Programm treiben und gehen nicht extra wegen eines Künstlers an Bord. Wir wollen nur hoffen, dass das Wetter am kommenden Freitag und Samstag mit … äh, spielt. Wind und Regen aber ist auch irgendwie Jazz, nicht. Wenn man genau hinhört.

Übrigens … Geheimtipp: Am DONNERSTAG, den 26. Mai 2011 gibt es auf den Marco-Poloterrassen in der HafenCity unterhalb des Unilever-Turms ein kostenloses Preview-Konzert: Die exentrische Gabby Young & Other Animals rockt und swingt ihren Gypsy-Jazz-Folk ab 20.00 Uhr in den Hamburger Abendhimmel. Ich glaube, das wird ganz wunderbar …

Ansonsten http://www.elbjazz.de/programm/spielplan

Hinterlasse eine Antwort

*