Samba Popos in Hamburg – Party Brazil mit Partij Holland

Brasilien ist nicht nur Fußball und Samba, nicht nur Indiobeschiss und Regenwaldabholzung, nicht nur Wirtschaftswunder, Naziparadies, durchtrainierte Körper und kaffeebraune, samtweiche Haut. Brasilien ist Viertelfinale, Holland und Urlaub. Doch am Ende ist Brasilien vor allem Arschwackeln.

Samba BrazilNein, was hatte ich für einen Spaß an diesem Freitag Nachmittag im Fan Park Hamburg. Zunächst ging mein Tipp wie vor vier Jahren auf, dass diesmal die Holländer – wie damals die Franzosen – von der Spielanlage her durchaus in der Lage wären, Brasilien aus dem Tournier zu kicken. Außerdem war das natürlich Wunschdenken, denn ich will packenden Fußball sehen und Drama und keine Versicherungen, dass Brasilien nicht zu schlagen sein und sowieso Weltmeister werden würde.

Natürlich gibt es viele Menschen und nicht nur Brasilianer, die den amazonischen Fußball mögen und verehren. Auch die Lebensart, die natürlich mit viel Sex (da es mit viel Sonne ja immer so heiß ist) und irgendwas mit Karneval (da im Lande stets Feierlaune herrsche) zu tun hat, kommt vielen Deutschen Bürgern sehr gut an.

Ich meine, ich mag die Holländer. Irgendwie. Seit der Niederlage im legendären WM-Finale in München von 1974 haben Deutsche und Holländer ein ganz besonderes Verhältnis. Doch diesmal haben ich ihnen ihren Sieg von Herzen gegönnt. Denn gegen sie ist es etwas einfach für die Deutsche Elf in einem Finale, als gegen Brasilien. Logisch. Dafür sind uns die Holländer in vielen gesellschaftlichen und charakterlichen Dingen weit voraus. Nur eben nicht im Fußballerischen. Obwohl sie hervorragende Einzelspieler haben. Siehst mal.

Die Freude von Holland im Fan Park Hamburg
Die Freude von Holland beim Public Viewing 2010 in Hamburg

Ich meine, man steht da mitten im Gewimmel, umzingelt von hunderten von Fußball-Experten, die alle an Brasilien glauben und daran, dass deren Kicker zaubern können. Und dann kommen Elf blasse Käsejungs und hauen die weg, schießen sogar zwei Tore gegen die angeblich besten Spieler der Welt. Da passiert im Anschluss natürlich Folgenden, keine Frage;

Da ich Fußball spiele, seit ich Fotografien erkennen kann, habe ich das vertraute Gefühl, die Brasilianer bzw. die Seele Brasiliens schon vom Spiel her sehr lange zu kennen. Von daher weiß ich, dass die Leute trotzdem feiern, selbst wenn sie verloren haben. Wozu gibt es denn Caipirinha und viel zu lautes, wirres Getrommel? Zum Abfeiern natürlich.

Ein Sieg im Viertelfinale einer Fussballweltmeisterschaft wäre am Ende auch nur ein Grund zum Feiern. Aber braucht man zum Feiern tatsächlich Gründe? Nicht, wenn man Brasilianer ist. Und auch nicht, wenn man im Urlaub im Ballermann gezeugt wurde. Kommt alles zusammen, trifft man sich auf den wippenden, sich biegenden Balken im brasilianischen – nicht Regenwald, sondern – Tanzboden auf dem Boulevard der Nationen im Fan Park Hamburg 2010. Und wie das dann aussieht, sehen wir hier:

Es war klasse. Ganz wunderbar. Entzückend. Alle hatten gute Laune, alle war freundlich. Die Musik war scheiße, aber es gab kein Gegröhle und keine sonst wie aggressives Gehabe. Das macht es eben aus und das ist für mich Fußball: Verlieren können und dennoch sich am Leben freuen. Denn Fußball ist wie das Leben. Es geht auf und ab, mal gewinnt man und mal verliert man, so abgedroschen es auch klingt; es ist manchmal banal, machmal fatal, mal Kampf und Krampf, mal Liebe und Tanz, dann Flaute oder Laute … Hauptsache, sag ich immer, tolle Begegnungen und viele liebenswerte Menschen!

Brasilien-Fans nach der Niederlage im WM-Viertelfinale

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