Messenger-Dienste – Segen oder Fluch?

Messenger-Dienste – Segen oder Fluch?

Ein Leben ohne Messenger-Dienste und Social Media – das ist zwar möglich, für die meisten aber sinnlos. Beim Warten an der Haltestelle, auf dem Weg zur Arbeit oder Universität: WhatsApp & Co. erleichtern das Leben – bieten wegen ihrer Sicherheitslücken aber auch Angriffsflächen.

Nur die Wenigsten der heute 14- bis 35-Jährigen können sich noch an die Zeiten erinnern, in denen jeder die Festnetznummer des anderen auswendig kannte und Verabredungen nicht mal eben schnell von unterwegs aus um eine Stunde verschoben werden konnten. Mit verschiedenen Personen gleichzeitig telefonieren oder schreiben und die Adresse des Veranstaltungsortes auf dem Weg dorthin im Netz nachschauen? Vor gar nicht allzu langer Zeit noch unvorstellbar.

Das erste Smartphone vs. Smartphones heute

Das erste internetfähige Smartphone in Deutschland kam 1996 mit dem „Nokia 9000 Communicator“ auf den Markt, kostete 2700 D-Mark, und bis Webseiten geladen waren, dauerte es eine ganze Weile. Der große Hype um die mobilen Alleskönner entstand erst mit der Einführung des ersten iPhones im Jahr 2007, das mit einem intuitiven Touchpad ausgestattet war.

Heute besitzen rund 81 Prozent aller Deutschen über 14 Jahren ein Smartphone und installieren darauf zahlreiche Apps, die ihnen den Alltag versüßen und die Kommunikation erleichtern. Alleine der Messenger-Dienst WhatsAppzählt in Deutschland 37 Millionen Nutzer – das sind ganze 63 Prozent der hiesigen Internetnutzer. Im Vergleich dazu nutzen „nur“ 26 Millionen Facebook und 3,5 Millionen Snapchat, wobei unter Jugendlichen weniger als ein Drittel bei Facebook ist – Snapchat und eben ganz besonders WhatsApp sind bei ihnen beliebter.

Vorteile von WhatsApp

Viele sind davon begeistert, dass sie über WhatsApp jederzeit und kostenlos Sprachnachrichten und Emojis verschicken können – und das weltweit. Im Gegensatz zu einem Profil bei Facebook fühlen sich Nutzer zudem sicher, weil sie bei der Installation lediglich ihre Telefonnummer angeben. Darüber hinaus hat der Instant-Messaging-Dienst seinen Funktionsumfang stetig erweitert. Ist das mobile Endgerät mit dem Internet verbunden, lassen sich über WhatsApp Text- und Sprachnachrichten verschicken, Multimedia-Dateien und Standorte teilen, Gruppenchats einrichten und Anrufe tätigen. Bald soll der meistgenutzte Messenger-Dienst auch eigene Emojis bekommen. Seit kurzem ist es schon möglich, seinen Live-Standort bis zu acht Stunden lang in Echtzeit mit Familienmitgliedern und Freunden zu teilen. Das hat durchaus seine Vorteile, etwa wenn sich eine Gruppe bei einem Musik-Festival aus den Augen verloren hat – so kann jeder sehen, wo sich die anderen befinden. Facebook und selbst der Chatdienst Telegram, der zu den datenschutzkonformen Messaging-Alternativen zählt, bieten dieses Feature bereits.

Tipps zum Datenschutz

Standortinformationen gehören zu den sensibelsten Daten, die Nutzer über Smartphones preisgeben. Das wiederum können verschiedene Akteure – etwa Werbeagenturen, Behörden oder hartnäckige Freunde – ausnutzen. So können Werbetreibende durch die Standortübermittlung zum Beispiel komplexe Bewegungsprofile mit dem Tagesablauf des jeweiligen Nutzers anlegen. WhatsApp gibt diesbezüglich Entwarnung, da jede Nachricht und jede Standortübermittlung durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt seien. Jedoch äußerten Datenschützer bereits vor der Diskussion um die neue Standortfunktion Bedenken: So wurde der Datenaustausch mit Facebook erst in diesem Jahr verboten, zudem konnten Cyberkriminelle durch eine Sicherheitslücke in der Browser-Version von WhatsApp im Sommer noch das Telefonbuch mit allen Kontakten ausspionieren. Auf Nummer sicher gehen WhatsApp-Nutzer, indem sie unter dem Punkt „Account und Datenschutz““ die Optionen „Niemand“ oder „Meine Kontakte“ auswählen. Oder eben wieder SMS schreiben und telefonieren – das wollen jedoch bislang nur die Wenigsten.

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