Schulverbesserer-Parade – Kreatives Signal in Bildern, Videos und Audio

Was für ein Happening! Kreativer Protest bei srahlendem Sonnenschein am Wochenende. Obwohl es eigentlich kein Protest war, sondern ein Signal. Ein Signal, das sagt: Ja, wir wollen die Primarschule. Und ein bunter und langer Zug durch die Hamburger Innenstadt pro Hamburger Schulreform.

Es gab so lustige Sprüche und Verkleidungen, so richtig lebensfrohe Bekundungen FÜR etwas, dass es ein echtes Erlebnis war, hier mitzumarschieren. Von der Moorweide am Dammtorbahnhof ging es an der Staatsoper vorbei, über Jungfernstieg und Ballindam entlang der Hamburger Kunsthalle mit Galerie der Gegenwart, hinein in die Mönckebergstraße zur Abschlusskundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt. Und alle diese friedlichen tausende Menschen waren sich einig, dass sie für Ihre Kinder und Kindeskinder ein längeres, gemeinsames Lernen wollen.

Länger gemeinsam lernen:

Die Ansprache von Schulverbesserer Jobst Fiedler auf dem Hamburger Rathausmarkt macht noch einmal deutlich, worum es hier ging. Er sprach von der großen Unterstützung für die Schulreform aus Hochschulen, Kultur und Unternehmen in der Stadt. Wichtig auch der Hinweis, dass die Gegner der Reform und der Primarschule schon mit viel Medienunterstützung (Springer!) für ihre Sache werben konnten. Der Juni sei nun der entscheidende Monat, sich durchzusetzen, mit den Vorurteilen, Unwahrheiten und Irritationen, die die Gegner geschickt streuten, aufzuräumen. Doch hören wir diese Rede an dieser Stelle im Original:
[audio://sommer-in-hamburg.de/wp-content/uploads/2010/06/Schulverbesserer-Jobst-Fiedler-auf-dem-Rathausmarkt.mp3|titles=Schulverbesserer Jobst Fiedler auf dem Rathausmarkt]

Auf dem Stadtfest St. Georg diskutierte ich den aktuellen Schulreform-Volksentscheid mit einigen Bezirks-Politikern der FDP. Sie ist die einzige Partei in Hamburg, die gegen die Schulreform auftritt. Sie sitzt ja auch nicht im Parlament. Alle anderen Parteien haben der Reform und dem 10-jährigen Schulfrieden in Hamburg einstimmig zugestimmt, wie ich selbst live erleben durfte. Und so führte die FDP hauptsächlich die Kostenfrage, das Haushaltsdefizit und den Sparzwang in der Stadt gegen die Reform an. Für mich aber sind das zwei paar Schuhe: Der Wille, etwas zu tun, zu verändern … und die Finanzierung dessen. Der Volksentscheid geht denn auch nur über das längere gemeinsame Lernen.

Die Leute zusammentrommeln:

Zufälligweise traf ich auf der Moorweide mit einem Lehrer der Rudolf-Ross-Gesamtschule in Hamburger „Neustadt“ zusammen. Das war interessant, weil er die Klassen 1-4 unterrichtete und meine zwei Neffen dort ihre letzten Schuljahre verbrachten und – wie ich meine – beschädigt aus der Schule kamen. Dieser Lehrer engagiert sich für die Primarschule und das längere gemeinsame Lernen, weil er in der Praxis sieht, was bisher passierte. Da verließen nämlich die „stabileren“ Schüler die Schule nach der 4. Klasse und übrig blieben die eher „schwierigen“ Fälle. Für ihn steht fest, dass dies der Grund ist, warum die Rudolf-Ross-Gesamtschule einen so schlechten Ruf und viele Probleme (durch Kinder mit „Migrations-Hintergrund“) hat. Ich habe das selbst an meinem Neffen gesehen und erlebt. Dieses Schulsystem MUSS besser werden, MUSS verändert werden. Hamburg geht also definitiv mit der Primarschule und der Schulreform in die richtige Richtung – wir alle sollten das unterstützen.

Tuten & Blasen bei Kaiserwetter auf dem Hamburger Rathausmarkt:

Auf den folgenden Bilder ist die Interkulturelle Elterninitiative mit einem Transparent zu sehen. Denn alle Eltern ohne deutschen Pass haben zwar ihre Kinder in unseren Schulen, dürfen aber am Volksentscheid wie auch an der Bürgerschaftswahl nicht teilnehmen. Das ist ziemlich ungerecht, undemokratisch und auch ein Skandal. Wenn ich nicht auf der Schulverbesserer-Parade aus ganzem Herzen mitgelaufen wäre, hätte ich davon nicht erfahren. Am 3. Juli findet dazu eine symbolische Stimmabgabe statt – Die Abstimmung der Einwanderer!

Es war eine tolle Demo und sie hat mir viel Freude gemacht. Und Hoffnung. Hoffnung durch das friedliche, kreative Bürgerengagement. Hoffnung durch die einstimmige Beschlusslage in der Bürgerschaft. Hoffnung, dass sich an unseren Schulen endlich was bewegt. Hoffnung, weil es Solidarität noch gibt. Und Hoffnung, dass weniger Kinder durch das Raster fallen mögen.

    Hier noch ein paar Sprüche von den vielen kreativen Plakaten:

  • Stoppt die Entsolidarisierung
  • Chefärzte und Anwälte lernen 4 Jahre gemeinsam, alle anderen lebenslang
  • Primarschule ist gut
  • Love & Peace and 6 years together
  • Elite fordert: Keine Durchmischung unserer Kinder
  • Elite fordert: Herkunft muss sich wieder lohnen
  • Nicht perfekt, aber ein Anfang
  • Blankenese sagt Ja
  • Frühe Trennung ist echt doof
  • Eine moderne Stadt braucht moderne Schulen (Porschefahrer für die Reform)
  • u.v.m.

Warum denn auf seinem Schild „Elite fordert: Abendblatt für alle!“ stünde, wollte ich von dem Herrn mit der Zigarre wissen. „Weil das Abendblatt gegen die Schulreform schreibt. Chefärzte fordern … und so weiter. Sie verbreiten das so. Deshalb.“ Er sei Journalist. Und das Hamburger Abendblatt hat eine mächtige Stellung in Hamburg, es ist fast ein Monopol, meine ich. Das kann nicht gut sein …

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