„Leben“ im Gefahrengebiet Hamburg

„Leben“ im Gefahrengebiet Hamburg

Teile der Bevölkerung im Gefahrengebiet (siehe Bild), das die Hamburger Polizei am 4. Januar 2014 auf unbestimmte Zeit eingerichtet hat, sind in großer Sorge. Sie fürchten, dass ihre jugendlichen Kinder sich durch die Kontrollen radikalisieren, glauben, unter Generalverdacht gestellt zu werden, sehen sich ihrer Grundrechte beraubt und fühlen sich überhaupt als Opfer jeglicher Polizeimaßnahmen. Der Blick richtet sich zwar traditionell auf die Polizei – statt auf das gewalttätige Potential bestimmten Aktionsgruppen in der Schanze und St. Pauli – aber es gibt jetzt auch gute Nachrichten.

Bei rund 70.000 Einwohnern im Gefahrengebiet gab es laut sueddeutsche.de am vergangenen Wochenende 263 Personenkontrollen und moderate 62 Aufenthaltsverbote (Platzverweise). Aber das meinte ich nicht. Ich meinte diese dramatischen Meldungen:

  • Ab Montag tritt deshalb der UN-Sicherheitsrat zusammen.
  • Der Senat muss ich vor dem Haager Gerichtshof für Menschenrechte verantworten.
  • Ab Dienstag erwarten wir die ersten Hilfslieferungen, Zelte, Decken und Care-Pakete.
  • Ärsche, ehm, Ärzte ohne Grenzen versorgen die Eingeschlossenen.
  • Putin bietet den Freiheitskämpfern politisches Asyl.
  • Kuba will bis zum Wochenende zwei neue Brunnen bauen.
  • Desmond Tutu hat eine Grußbotschaft an die Unterdrückten angekündigt.
  • Der Papst betet für die Überlebenden auf dem Petersplatz.
  • Auf Druck der äh, Dingsdabumsda, soll ein Embargo über die Hansestadt verhängt werden.
  • 2016 soll das Drama verfilmt werden, als 2-Teiler auf SAT1.

Es tut sich also was!

In New York geht sogar das Gerücht, das Gefahrengebiet, also St. Pauli und die Sternschanze, würden zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Schließlich sind diese Hamburger Stadtteile der Nabel der Welt und alles dreht sich um sie. Ihre Bewohner sind etwas Besonderes, sie sind kreativ, politisch, engagiert, cool, sie gehören dazu, ihrer Originalität verdankt Hamburg Kunst und Kultur und den beachtlichen Ruf in der Welt, wegen ihnen strömen die Touristen in die Stadt, ohne sie wäre Hamburg ein banales, langweiliges Kaff in der norddeutschen Tiefebene.

Übrigens: Gefahrengebiet heißt nicht Ausnahmezustand, Kriegsrecht oder Ausgangssperre

Es ist eine Belohnung von nunmehr 10.000,- Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter, die am späten Abend des 28.12.2013 drei Polizisten teilweise schwer verletzen. Diese schweren Gewalttaten, die der Grund für das Gefahrengebiet sind und tatsächlich Demokratie beschädigen können, sind den Insassen des Hamburger Gefahrengebiets natürlich nicht automatisch anzurechnen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Täter aus ganz anderen Stadtteilen kommen. Dennoch: Fokussiert wird stets Staatsapparat und Polizei. Der Staat solls richten, die Polizei sind die Dummen. Das man keine Steine und Flaschen auf Menschen wirft, spielt bei den Sprachrohren einer gerechten Welt und der stete laute Ruf nach Vater Staat, der alles gut machen soll, gar keine Rolle. Wie man auf die Idee kommt, das Recht für gewalttätigen „Widerstand“ gegen die Polizei für sich zu beanspruchen, bleibt im Dunkel der antikapitalistisch-antiimperialistischen Weltrevolution. Sehr finster ist es in diesen alten Hamburger Stadtviertel. Nicht wegen Polizei und Gefahrengebiet. Sondern wegen der heldenhaften Opferhaltung, die hier (durch TAZ und DIE LINKE) Verbreitung findet.

Nicht die Polizei, die Vandalen beschädigen die Demokratie.

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