Hamburg macht blau oder was kostet die Wut? von Christine Ebeling

Hamburg macht blau oder was kostet die Wut? von Christine Ebeling

Ein offener Brief:

Hamburg macht blau oder was kostet die Wut?

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, woher diese Aggressivität rührt, die sich in mir breit gemacht hat. War es der Vollmond, der mir schlaflose Nächte bereitet hat? Nein, es ist dieses Blau!

Erst war es die Uhr an den Landungsbrücken, dann sah ich von der Ferne den Michel blau leuchten.
Frevel – dachte ich, wie kann man nur das Hamburger Wahrzeichen so unglücklich, mit ein paar armseligen Leuchten verschandeln. Ich hörte im Radio eine Werbung, die aufruft zu den „Cruise Days“ – Partymeile –Megaevent – Halligalli – schon wieder!!! Cruising? Wisst ihr was das ist…

Ich liebe die blaue Stunde im Norden, ich liebe Blau, ist es doch die Farbe der Treue, ein warmes Blau. Nun aber streiche ich diese Gedanken, was soll dieses Bild mir sagen? Was kostet diese pseudo künstlerische Leistung? Hat man jetzt ein Patent vergeben auf die Farbe Blau?

Es wird hier mit Begriffen wie „Kunst“ und sogar „Magie“ um sich geworfen, dass mir kalte Schauer den Rücken hinunter laufen. Hamburg liegt zwar am Wasser, doch sollte dies nicht zur Verwässerung des Kunstbegriffs beitragen.

In Zeiten wie diesen, in denen die Existenz der Behörde für Kultur und so, auf dem Spiel steht, hat sich meine Vermutung erhärtet, dass diese bald durch eine Behörde für Marketing ersetzt wird. „Schöne“ Bilder für die Medien sollten nicht alles sein, was diese Stadt bewegt.

Der Gipfel dieser absolut unwürdigen Selbstbeweihräucherung, ist die Illumination der Endlosbaustelle „Elbviech“! Eigentlich sollte sie gerade jetzt ihre Pforten öffnen, statt dessen beleuchtet man das Eurograb gleich inklusive der Riesenkräne, um zu betonen wie wichtig dieses Werk für die Hafenstadt sein soll. Ist das ein Witz oder soll das endlich ein Dauerkunstwerk sein? Dann lasst es wie es jetzt ist!

Hamburg in Blau passt perfekt zu den ständig volltrunkenen Horden, die das liebvolle Kleinod „Kiez“ und dessen Nachbarn überrollen. Jetzt noch der Hafen und wir trinken mit, solange bis wir so blau sind, dass wir endlich so viel kotzen können, wie man müsste….

Christine Ebeling
Freischaffende Künstlerin, Gängeviertel, Hamburg

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