Gefahrengebiet, Blogger, Journalisten: Kriegsberichtserstattung aus Hamburg

Gefahrengebiet, Blogger, Journalisten: Kriegsberichtserstattung aus Hamburg

Die Polizei ist der Dumme, der Megaarsch vor dem man große Angst haben muss. Das war vorauszusehen, weil es immer so ist. Das sehen zwar nur geneigte Leute so, aber in den „sozialen Netzwerken“, den Zeitungen und Magazinen ist das Bild eigentlich klar. Und oft recht einseitig. Aber dass wir in Hamburg über das Gefahrengebiet streiten ist gut und richtig. Die Zivilgesellschaft funktioniert. Doch offenbar nicht die hiesige Berichterstattung. SPIEGEL Online, DIE ZEIT und die TAZ sitzen in der Stadt, viele Redakteure wohnen im Gefahrengebiet. Sie scheinen nicht mehr nüchtern, kühl und mit notweniger Distanz über die Lage berichten zu können. Von Blogs kennen wir das, diese beziehen ja ihre Glaubwürdigkeit aus der konsequenten Subjektivität. Aber gelernte Journalisten? Zum Glück gibt es positive Ausnahmen und Beispiele auch von Weblogs. Einige Ausnahmen der Regel sind hier kurz zusammengefasst.

Zunächst noch mal ein Statement zum Angriff auf die Davidwache, in den sich die Presse so hineinsteigert. Es gab einen 1. Angriff auf die Wache 21. Das ist ja wohl unstrittig. Am Vorabend der schweren Ausschreitungen in der Schanze, griff eine Gruppe linksradikaler Gewalttäter die Davidwache an der Reeperbahn massiv an: Hier zur Erinnerung noch mal diese friedlichen Demonstranten:

Von dem 2. Angriff, der in dieser Form offenbar nicht stattgefunden hat, wird nun angenommen, es sei eine bewusste Täuschung der Polizei um das Gefahrengebiet zu rechtfertigen. Dafür gibt es aber keine Beweise und auch die Motivation dazu, erscheint nicht nachvollziehbar. Fakt aber ist, dass es vor der Davidwache Auseinandersetzungen mit eine vermummten Gruppe gab, die in die Hein-Hoyer-Straße abgedrängt wurde, so sie auf eine zufällig ankommende Streifenwagenbesatzung traf, die sich ihnen entgegen stellte und der sie schwer Verletzungen zufügte. Gewalt taten gegen Polizisten. Eine schwere Straftat. Dies war dann in der Tat der Auslöser um das Gefahrengebiet in Hamburg einzurichten.

Wer will das so bestreiten?

Wie die Presse unsauber mit der Sache umgeht, beschreibt Lorenz Matzat in seinem Blog „Datenjournalist“. Allerdings macht er den Eindruck, als bezweifle er, dass die Polizisten tatsächlich verletzt wurden und spricht auch von einer „staatlich gesteuerten Presse“, was wiederum blanker Unsinn ist. Aber mit der Sorgfaltspflicht hat er recht:
www.datenjournalist.de/die-presse-im-gefahrengebiet/

Als Gegengewicht empfehle ich die Diskussion bei SCHALTHOLFF LIVE mit dem Thema „Gewalt auf Hamburgs Straßen“, in der der Hamburger Polizeipräsident Wolfgang Kopitzsch klare Aussagen macht, die nicht so ohne Weiteres in Zweifel zu ziehen sind:
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Gewalt_auf_Hamburgs_Stra%C3%9Fen-3613.html

Der bisher beste Beitrag kommt gestern von der FAZ, von einem Redakteuer, der nicht wegen einer Bude in einem Hamburger Szeneviertel befangen ist. Frank Pergande gelingt es in wenigen präzisen Absätzen die politische Gemengelage in dem aktuellen Konflikt auf den Punkt zu bringen.
Hamburg – Lust auf Gewalt

Viele versöhnlicher geht Dennis Sulzmann in seinem Blog heutigentags.de mit der Sache um. Ein angenehm ruhige Stimme in dem ganzen Schlammassel. Er bedauert, dass die eigentlichen Probleme durch die aktuelle Hysterie aus „politischen Diskussion und der öffentlichen Wahrnehmung“ verschwunden sind.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz veröffentlichte heute auf seiner Website ein kurzes Interview zum Thema. Die meisten Bürger hätten, so sagt er, die Schnauze voll von der Gewalt. Und so ist es auch. Ziel der Einrichtung des Gefahrengebiets wäre es, „weitere Gewalttaten zu verhindern“:
http://www.olafscholz.de/1/pages/index/p/5/2358

TAZ-Redakteur kritisiert Aufruf der Aktivisten der ROTEN FLORA

Ein spannendes und gut geführtes Interview mit TAZ-Redakteur Andreas Fanizadeh über die #Gewalt in #Hamburg führte heute morgen Deutschlandradio Kultur. Es ist das erste Mal in der Presse, dass es eine deutliche Kritik an den Aktivisten von der „linken Seite“ gibt. Und das ist mehr als berechtigt. Bisher sind sich offenbar alle einig, dass der Buhmann der Senat ist, oder die Polizei. Als hätten die Demonstranten und die geistigen Brandstifter der Gewalt nicht auch … Verantwortung!

Eine weitere spannende und gute Sendung ist „Redezeit – Was bringt ein Gefahrengebiet?“ auf NDR-Info, „die Debatte um sinnvolle Gewaltprävention“, ein „heißes und umstrittenes Thema“:

Noch mal ein Kommentar von mir: Niemand hat gesagt, dass man mit dem Gefahrengebiet Probleme lösen will. Es ist alles durcheinander. Und es ist auch kein Notstandsgebiet oder gar ein Ausnahmezustand. Es geht um verdachtsunabhängige Kontrollen und die Verhinderung weiterer schwerer Straftaten. Es ist leider zu Situationen gekommen, die man nicht einfach auf sich beruhen lassen kann.

Die Polizei und auch der Senat ist nicht unser Feind. Und die Polizei besteht aus ganze normalen Bürgern wie du und ich. Der Rechtstaat funktioniert.
Und auch die gute alte, sehr deutsche Hysterie.

Manche Aktivsten aus der Gefahrenzone in Hamburg glauben, sie wären der Nabel der Stadt und sie würden an einer besseren, sozialeren Gesellschaft arbeiten. Aber Hamburg ist viel Größer. Hamburg ist nicht nur Schanze und St. Pauli. Und es arbeiten viel mehr Leute schon sehr viel länger daran, Hamburg zu einem besseren Ort zu machen. Die Demonstrationen in der Schanze stehen dem seit Langem absolut entgegen.

Meine Meinung findet spiegelt sich auch in der Pressemeldung der Hamburger FDP vom 8.1.2014:
„Und auch die Sympathisanten der Polit-Hooligans müssen endlich Farbe bekennen. Schwarzvermummte Krawallmacher sind keine Freiheitskämpfer. Sie kosten unsere Freiheit und sind eine Bedrohung für alle Demokraten nicht nur für die Polizei. Gewalt ist immer undemokratisch und mit Undemokraten darf nicht gemeinsam demonstriert werden.
Die FDP Hamburg fordert alle Beteiligten zur Mäßigung und zur Wahrung der Grundrechte auf. In der Stadt ist Platz für alle, die friedlich und eigenverantwortlich ihren Lebensentwurf leben wollen. Gewalt muss draußen bleiben!“

Foto: Joey – Everywhere (CC BY 2.0) von rabble.ca

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