Bilder vom Widerstand – Kreativer Protest in der Speicherstadt

Letzten Donnerstag, bei der Menschenkette gegen die aktuelle Sparpolitik unter dem Motto „Gerecht geht anders“, zeigten 16.000 Hamburger was sie vom Sparpaket des Senats hielten. Bunt gewandet, aus dem vollen Theater-Fundus geschöpft, machten Ensemble, Mitarbeiter und Freundes des Schauspielhauses auf dem Kehrwiedersteg in der Speicherstadt ihrem Unmut Luft.

Doch auch die Ver.di-Betriebsgruppe bei Gruner & Jahr, die Gewerkschaft der Polizei, die Initiative gegen die Erhöhung der Kitagebühren oder kidshamburg.org waren mit vielen anderen auf der Fußgängerbrücke zwischen Rödingsmarkt und Speicherstadt mit von der Partie. Der kreativen Protest schoss zuweilen übers Ziel hinaus, in dem beispielsweise mit beschwörendem Gesang den Verlassen des Schauspielhauses entschworen wurde. Oder wie soll man das nennen? Des von einer Schließung des Theaters und einem Untergang der Hamburger Kultur kann ja ernsthaft keine Rede sein. Geschlossen werde soll das Altonaer Theater – und das ist schlimm genug.

„Was in Hamburg passiert, ist nicht nur grob fahrlässig, es ist der systematische Ausverkauf von Teilen der Kultur“, meint der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrat in Berlin Olaf Zimmermann.


Kreativer Protest der Leute aus dem Hamburger Schauspielhaus auf dem Kehrwiedersteg in der Speicherstadt. Ver.di-Chef Wolfgang Rose führt den Gänsemarsch zum Musikmarkt, eh, Musikmarsch zum Gänsemarkt an. Genau.

So sind sie eben, die jung-dynamischen Menschen. Nein, es war ein toller Protest, für meinen Geschmack waren noch viel zu wenig Menschen auf den Beinen angesichts des tatsächlich skandalösen Hamburger Sparpakets, dass es um jeden Preis zu verhindern gilt. Tatsächlich wurde hier und dort über die Abschaffung des Geldes und die Erkenntnisse von Karl Marx diskutiert. Moral werde das derzeitige Problem, des sterbenden Kapitalismus nicht lösen. Ich zog weiter, weil hier kein Blumentopf zu gewinnen war.

Den marxistisch-leninistischen Höhepunkt bot denn auch die schlechteste Band Hamburgs, die wir bei diesen Gelegenheiten unvermeidlich begegnen: Die Pepperonis, brutal-akustische Kampfgruppe der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), mit Texten* die das Kapital in die Flucht schlagen.

Im Übrigen glaube ich, dass das Thema der Stunde Demokratie heißt. Unser Verständnis von und über den rechtlichen Rahmen hinaus wirkende Haltung zur Demokratie steht zur Debatte. Wir als sogenannte „Wähler“ dürfen nicht alle Verantwortung für das Ganze für bestimme Perioden an Vertreter abtreten, sondern wollen aktiv mitgestalten. Deshalb muss die neue Generation von Abgeordneten ihrem autoritären, abgehobenen und von der Alltags-Wirklichkeit teils vollkommen isolierten Stil Adieu sagen und mehr Dialog Einleiten und moderieren, sowie mehr Kompetenz vom Volke einfordern.

Ganz so, wie im aktuellem Streit um „Stuttgart 21“, wo es längst nicht mehr um einen blöden Bahnhof in einer blöden Stadt geht. Sondern um den Umgang der verantwortlichen Politiker mit den Menschen. Um mehr Demokratie. Die Zeit der großen Käse in dicken Hosen scheint endgültig vorbei.

Mir hat es viel Spaß gemacht, die Bilder sprechen für sich. Wir brauchen mehr Solidarität, mehr Kunst, mehr Humor und mehr Menschlichkeit. So viel ist gewiss.

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*Mein (E) Boss, der fährt Mercedes, seine (A) Frau ´nen (E) Jaguar. Seine (E) Tochter hat ´nen Porsche mit (H) eingebauter Bar.

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