Der 1. Mai 2012 in Hamburg – Demos am Tag der Arbeit

Am altehrwürdigen Tag der Arbeit, am 1. Mai, finden weltweit traditionell große Kundgebungen der Gewerkschaften statt. Und so auch in Hamburg. Die 1. Mai-Demos nebst Motorraddemonstration des DGBs startet um 11.00 Uhr am Spielbudenplatz und wandert zum Fischmarkt, St. Pauli. Alternativer Protest wie der EUROMAYDAY sammelt sich um 14.00 Uhr zur Demo in der Harkortstraße in Altona. Krawalle in der Schanze sind natürlich auch zu erwartet.

Die Gewerkschaften sind immer noch das Beste, das wir haben. Auch wenn ich nicht mit allen Forderungen des DGB (Zentrale Kundgebung am 1. Mai 2012 in Stuttgart) oder von Ver.di , obwohl es gegen das Motto Gute Arbeit für Europa – Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit nichts einzuwenden gibt. Wer kann denn etwas haben gegen eine „wirksame Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa“. Spanien, das von uns so geliebte Spanien, mit einer Jugendarbeitslosigkeit von nahezu 50%. Das ist unvorstellbar und eine traurige Tatsache. Auch die Forderung nach einem „gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro, gleichen Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit und Schluss mit der Zersplitterung der Beschäftigungsverhältnisse“ ist nachvollziehbar und unterstützenswert. Die Forderungen sind sehr allgemein gehalten und in den Einzelheiten nicht jedem bekannt. Selbstverständlich unterstützt viele eine „neue und gerechte Ordnung auf dem Arbeitsmarkt“.

Kürzlich war ich im Gerwerkschaftshaus Besenbinderhof beim 5. Selbstständigentag Hamburg von Ver.di. Dabei fiel auf, dass viele der Kollegen älteren Semesters sind, da gab es kaum junge Leute. Dabei muss es auch junge Einzelkämpfer, Freelancer und Selbstständige geben. Wo sind die also?

Bei einem Vortrag über den Stand der Dinge bei der „sozialen Absicherung“ der Selbstständigen wurde dann über eine berüchtigte Forderung abgestimmt: Wer für das bedingungslose Grundeinkommen wäre, hebe die Hand. Die meisten Arme um mich herum schossen in die Höhe. Ich konnte das nicht verstehen. Als Selbstständige? Es gibt sehr viele vernünftige Argumente GEGEN ein solches Grundeinkommen. Vielleicht auch einige wenige dafür. Wir wollen das an dieser Stelle nicht debattiern. Aber als Selbstständiger bin ich stolz auf meine „Unabhängigkeit“ und möchte weniger Regulierung, eine konsequente, starke und wesentliche Gesetzgebung, aber keine Überregulierung, wie sie weiter fortschreitet.

Gerwerkschafter wandern also vom Spielbudenplatz (11.00 Uhr) zur zentralen Kundgebung (12.00 Uhr) in Hamburg auf dem Fischmarkt unten an der Elbe. Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz redet übrigens in Harburg.

DGB: Der 1. Mai 2012 in Hamburg

Natürlich gibt es auch alternativen Protest am Maifeiertag, dem internationalen Tag der Arbeit. Die zu erwartenden Krawalle der Vollpfosten und Gewalt-Neurotikern in der Schanze lassen wir mal beiseite. Denn der kreative und auch charmante Protest verdient dagegen zweifellos unsere Aufmerksamkeit. Die Veranstalter des EUROMAYDAY Hamburg legen ihren Protestzug zeitlich nach der DGB-Kundgebung. Das finde ich in Ordnung. Auch wenn manche Forderungen dieser Leute nach einer schönen neuen Welt teilweise hanebüchen sind. So viel Staat kann es gar nicht geben, wie hier gefordert wird. Und alles kommt in einen Topf. Mieten, Strom, Arbeit, Stadtentwicklung, Öffentliche Verkehrsmittel, Grundeinkommen, Frieden … und Geld. Es fehlt auch hier ein einem ECHTEN alternativen Entwurf zum aktuellen Wirtschaftssystem und der freiheitlichen Grundordnung. Aber vielleicht ist es auch nur wichtig, sein Gesicht zu zeigen als jemand der unzufrieden ist mit der Gesamtsituation. Dazu gehöre ich dann auch.

Euromayday-Parade am 1. Mai 012
Es kann so einfach sein. Du gehst einfach los, versammelst dich und zeigst was dich bewegt.
Keine Zeit? Luft holen und bitte Platz nehmen.
Angstschweiß mit der Miete? Ein Platz zum Platz nehmen.
Ständig auf Achse? Pause und bitte Platz nehmen.
Erschöpft im Hamsterrad? Ausrollen und bitte Platz nehmen.
Stress? Chillen und bitte Platz nehmen.
Ratlos? Zusammenkommen und bitte Platz nehmen.

EUROMAYDAY IMPOSSIBLE.
Wir paradieren wieder: dieses Jahr von Altonas „Neuer Mitte“ zu den Esso-Häusern am Spielbudenplatz. Unser Motto: „Bitte Platz nehmen!“ Wir haben dabei: tragbare Radios, Lautsprecher, Ghettoblaster und mp3-Spieler. Damit werden wir zu Hörer_innen und Sender_innen, Sprecher_innen und DiskJockeys – von der Parade auf die Parade für die Parade. Je mehr Radios desto besser! Wir sehen uns: am Speakers’ Mobilée. Und hören uns: auf 93.0 MHz.

Route: Harkortstr. – Julius-Leber-Str. – Chemnitzstr. – Thadenstr. – Wohlwillstr. – Clemens-Schultz-Str. – Hein-Hoyer-Str. – Reeperbahn – Spielbudenplatz (Höhe ESSO-Häuser).

EUROMAYDAY Protest am 1. Mai 2012 in Hamburg

Für PIRATEN und den Nachwuchs hier ein PDF zur Geschichte des 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Bildung schadet nicht. Vieles von dem, was jetzt so frisch und neu daherkommt, war und ist schon lange im Forderungskatalog und in den Köpfen der arbeitenden Menschen. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Die Geschichte des 1. Mai, dem Tag der Arbeit vom DGB als PDF

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