Literaturfestival Vattenfall Lesetage Hamburg 2011

Am Donnerstag dieser Woche starten die Vattenfall Lesetage 2011, mittlerweile eine fest Größe im Hamburger Literaturbetrieb. Nicht unumstritten, denn zeitgleich findet ein alternatives Literaturfestival statt: Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen. Bei beiden Festivals gibt es entzückende Veranstaltungen und Lesungen für Groß und Klein.

Muss man noch was sagen zu den Lesentagen oder Vattenfall? Die Geschichte dürfte weitläufig bekannt sein. Auch das Image des schwedischen Energiekonzern als rücksichtsloser Umweltsünder ist nicht neu. Ich kann mit beidem nicht so viel anfangen – mit den Lesetagen nicht und mit dem Klimakiller-Image auch nicht. Ich weigere mich bisher standhaft für Lesungen zu zahlen und kann das Vergnügen des zahlenden, stundenlang hüstelnden Zuhörens nicht ergründen. Genauso fern liegt es mir, einen Energie-Konzern als Buhmann abzubilden. Wie wärs mit einfach wechseln? Es gibt wundervolle Autoren und spannende Literatur, ganz sicher zauberhafte Abende und erfrischende Erkenntnis sowohl bei den Lesetagen Vattenfalls wie auch bei Lesetage selber machen. Hier zunächst das Programm des Hamburger Literaturfestivals Vattenfall Lesetage 2011 als PDF:

Vattenfall Lesetage 2011 vom 7.-14. April 2011 Programm

Tickets für die Vattenfall Lesetage 2011
Die Karten für die Vattenfall Lesetage sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder über unseren Partner Ticket Online erhältlich.

Falls nicht anders angegeben kosten die Tickets 7,- € für Erwachsene und 2,- € für Kinder. Restkarten sind ggf. an der Abendkasse erhältlich. Nach den Lesungen gibt es die Möglichkeit, die gelesenen Bücher zu kaufen und vom Autor signieren zu lassen. Änderungen vorbehalten!

http://www.vattenfall.de/de/lesetage/


Vattenfall Lesetage Auftakt auf Kampnagel 07.04.2011 – utopieTV

Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen

Kreativ ist auch der Widerstand gegen ein Haupt-Feindbild der Atomkraftgegner (die stets automatisch auch links-alternativ bis autonom und oft recht intolerant sind – warum das so ist, so automatisch, bleibt schleierhaft) Vattenfall. Sehr löblich, sehr engagiert mit einem wundervollen, ehrgeizigen Programm.

Um es ganz deutlich zu machen, auch ich, auch wir wollen keine Atomkraftwerke und auch kein Endlager im schönen Wendland. Aber diese urdeutsche, mediengeschürte AKW-Hysterie und finstere Angst vorm Untergang machen wir nicht mit!

Höhepunkt des diesjährigen Widerstands (Achtung, neuerdings inflationärer Gebrauch des Wortes „Widerstand“, weil beabsichtigte Imageaufwertung durch Anlehnung an die Widerstandskämpfer im 3. Reich), Höhepunkt des Widerstands gegen Vattenfall ist die Forderung, der öffentlich-rechtlich NDR solle die „Medienpartnerschaft“ mit Vattenfalls Lesetage in Hamburg aufkündigen: „Es wäre eine angemessene Reaktion auf die Ereignisse in Fukuschima, wenn wichtige Hamburger Medien ihre Partnerschaft mit Vattenfall aufkündigen würden.“ Hier kommt wirklich alles durcheinander.

So einen zynischen, hirnverfickten Unfug habe ich lange nicht mehr lesen müssen. Was willste da machen! Vernüftige Diskussionen, demokratisches Miteinander, Meinungsvielfalt und Toleranz sind zu Energiethemen von diesen Leuten jedenfalls nicht zu erwarten. Aber es sind ja nicht alle verstrahlt, die einen Konzern wie Vattenfall kritisch sehen.

„Die Gebührenzahler des öffentlich-rechtlichen Rundfunks können nicht verpflichtet sein, mit ihrem Geld zur Imagepflege eines Atom- und Kohlekraftwerksbetreibers beizutragen.“

Rainer Moritz, Leiter des Hamburger Literaturhauses, sieht sich nicht als Imagepfleger. Er veranstaltet zwei Vattenfall-Lesungen: Bei der Auswahl des Autors und der Programmgestaltung habe er völlig freie Hand gehabt. Und privat habe er längst zum Öko-Stromanbieter Lichtblick gewechselt. Das könnten schließlich auch die Besucher der Lesetage tun.
Quelle: Dradio Kultur

Zum Motto Lesetage selber machen gehört auch das Lesen ohne Atomstrom mit Günter Grass, Feridun Zaimoglu und Nina Hagen. Man ist heutzutage in Deutschland sicher auf der richtigen Seite, wenn man Plakativ und ganz allgemein gegen Atomstrom auftritt. Manchmal bekommt man den Eindruck eines gewissen Meinungsterror, weil mit vielen Atomkraftgegnern nicht zu diskutieren und nicht gut Kirschenessen ist. Gelassenheit ist keine deutsche Tugend. Im Nachkriegsdeutschland war es noch nie so einfach wie dieser Tage auf der „richtigen“ Seite zu sein. Wer sich auf keine Seite schlagen will, trägt die Konsequenzen …

Vattenfall Tschüss sagen: Lesen ohne Atomstrom Programm als PDF

Übrigens: Viele der Gegen-Lesetage-Leser traten früher bei den Hamburger Vattenfall Lesetage auf oder für NetCologne … Es ist eben nicht alles so klar und einfach, wie man das gern hätte.

Ok. Das ist ein Argument: Premiumliteratur zum Nulltarif. Denn damit habe ich beim Vorlesen die meisten Problem: Mit dem Eintrittspreis. Kaufe ich mir da nicht lieber ein Hörbuch und gehe für das Eintrittsgeld in ein Konzert? Oder kaufe ich das Vorleseticket, das Buch des Autors und das Hörbuch zu Weihnachten? Nein, diese Alternativen Lesetage sind schon etwas Besonderes und ebenfalls nicht mehr wegzudenken aus dem (alternativen) Hamburger Literaturbetrieb.

Zu Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen kann ich leichten Herzens zwei Tipps geben. Beide unaufgeregt, uneitel und echte Charaktere:
6. April 2011 um 20.00 Uhr
Harry Rowohlt liest und erzählt
im Uebel & Gefährlich, Bunker, Feldstr. 66, 20359 Hamburg
Eintritt: 8,- Euro

12. April 2011 um 19.00 Uhr
Christoph TwickelGENTRIFIDINGSBUMS oder Eine Stadt für alle
im CVJM, An der Alster 40, 20099 Hamburg – Map

Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen 2011 Programm

http://lesetage-selber-machen.de

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