Halt auf freier Strecke – Preisverleihung beim Hamburger Filmfest 2011

Er läuft gerade in unseren Kinos an und ist deshalb in aller Munde, der neue Film von Andreas Dresen Halt auf freier Strecke. Auf dem Hamburger Filmfest 2011 wurde genau dieser Film im Hamburger Cinemaxx mit dem „Douglas-Sirk-Preis“ ausgezeichnet. Das Drama um den Krebstod eines Familienvaters hat einige Preise gewonnen. Bei der Auszeichnung in Hamburg war ich vor Ort.

Ich gewann die Tickets für die Sonder-Vorstellung mit Preisverleihung im Hamburger Cinemaxx beim BioErleben-Markt eine Woche zuvor auf dem Rathaumarkt. Denn dort wurde das Filmfest 2011 auf der großen Bühne vorgestellt, da es schon zum 2. Male Filme zum Thema Umwelt unter dem Motto „Drei Farben Grün“ zeigte. Ich durfte dem sympathischen NDR 90,3-Mann ein paar Fragen beantworten und hatte die Tickets. Ich konnte mich zunächst nicht für einen Film entscheiden, da die meisten in fremder Zunge und zuweilen auch ohne Untertitel liefen. Der Presse-Referenz des Filmfest Festivals half mir aber bei der Auswahl und so landete ich bei dieser wunderbaren Verleihung des Douglas-Sirk-Preises.

Na, und plötzlich war das Gabriela Maria Schmeide mit ihren Musikern und sang im Kino. Die Schauspielerin war zwar in Halt auf freier Strecke nicht zusehen, arbeitete aber in früheren Filmen erfolgreich mit dem Preisträger zusammen.


Gabriela Maria Schmeide Musik Filmfest Hamburg 2011 Douglas-Sirk-Preis

Später hörten wir dann noch den Titel „Sommertag“ von Gisbert zu Knyphausen allein auf der Gitarre. Es ist der Song aus dem Abspann des Films, aber das wussten wir da noch nicht. Es ist ein zauberhafter kleiner, melanchloischer Song, der eine eigenartige Kraft entwickelt … und ziemlich gut zu dem Film Halt auf freier Strecke und seiner Stimmung passt. Besser zu der des Hauptdarstellers Milan Peschel, der in seiner Rolle als zu Tode erkrankter Familienvater eine grandiose schauspielerische Leistung darbietet.

Ja, dieses Lied trifft genau diese verwegene Stimmung, die der Familienvater ausstrahlt. Zwischen tiefer Verzweiflung und hilflosem Leid, sowie echter Kleinfamilie und die Freude darüber überhaupt am Leben zu sein. Melancholisch. Aufrecht. Mitten im Leben. Ein Abschied.


tvnoir.de » GISBERT ZU KNYPHAUSEN „Sommertag“

Und wie ist nun dieser Film, ist es ein guter Film über den Tod mitten im Leben, eben „Halt auf freier Strecke“? Ich muss zugeben, dass ich VORHER etwas Angst vor dem Film hatte. Besser vor den Gefühlen, die dieser mit dem Thema Tod in mir würde auslösen können. Nicht irgendwelche subtilen Gefühle, die sich erst langsam ausdifferenzieren. Nein, ich hatte Angst vor dem ganzen Programm des Todes, der Verzweiflung, der bodenlosen Trauer, der vernichtenden Ohnmacht und ähnliche Kaliber. Aber dem wahr nicht so. Gott sei Dank. Es ist eben nicht nur eine alte Weisheit, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, sondern eine Tatsache, ein Lebensgesetz.

Als ich im Kino saß und mir langsam bewußt wurde, dass es eine kleine Feier war, eine Preisverleihung mit toller Musik und mit Joachim Gauck, der eine beeindruckende Laudatio hielt, war ich für alles gewappnet, was der Film mir bieten würde. Denn es ist ja nur ein Film, wie der Regisseur noch einmal festhielt. Doch hören wir zunächst die wunderbaren Rede des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten – schade, schade! – zu dem Film Halt auf freier Strecke von Andreas Dresen (Buch & Regie) und Peter Rommel (Produktion). Der Ton ist leider etwas leise und die Rede etwas lang. Aber es lohnt sich:

Joachim Gauck Laudatio Filmfest Hamburg 2011 Douglas-Sirk-Preis-Verleihung from Mark Max Henckel on Vimeo.

Joachim Gauck Laudatio Filmfest Hamburg 2011 Douglas-Sirk-Preis-Verleihung

Ich will zu dem Film nicht vielmehr sagen. Er ist für mich eher ein Fernsehspiel, als ein Kinofilm. Er wirkt langfristig, die Erinnerungen bleiben. Und das ist vielleicht ein sehr großes Lob für einen Film. Ich kann nicht genau unterscheiden, ob ich es selbst erlebt oder im Kino gesehen habe. Dabei kenne ich den Stoff zu genüge. Ich habe einige Tote gesehen und einige Menschen in den Tod begleiten dürfen. Es ist mir kaum etwas fremd, was Menschliches Leid angeht. Vielleicht ist das der Grund, warum ich unmittelbar nach Halt auf freier Strecke nicht so begeistert war, die Gauck. Aber jetzt, im Nachhinein, ihn in jedem Fall als einen sehenswerten und empfehlenswerten Film betrachte. Für dürfen das Thema Krankheit, sterben und Tod nicht ständig in eine dunkle Kammer sperren, sondern können unsere Augen öffnen und eine neue Wirklichkeit entdecken. Eine die tiefer, echter und lebendiger ist, als das Leben ohne den Tod je sein könnte.

http://halt-auf-freier-strecke.pandorafilm.de/

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