Bürgerproteste retten Hamburger Kultur und das Altonaer Museum

Wie so eben bekannt wird, verhindert Bürgermeister Ahlhaus im letzten Moment größere Katastrophen in Hamburg: Der NDR meldet: Altonaer Museum und alle Bücherhallen bleiben. Was jetzt aus dem untragbaren Kultursenator Stuth wird, stand offenbar nicht zur Debatte. Ein Rücktritt liegt nahe. In jeden Fall: WIR, die Hamburger Bürger, haben einen Sieg errungen!

Mit dieser Abwendung der Schließung des Altonaer Museums und der Garantie des Erhalts der Hamburger Bücherhallen, sowie die konstruktive, von Vernunft geleitete neue Festlegung der Sparsumme für das Hamburger Schauspielhaus, wahrt Bürgermeister Ahlhaus einigermaßen sein Gesicht. Die untragbaren Schließungsbeschlüsse seines Senats beim gestrigen Kulturgipfel zurückzunehmen, zeugt von gehörigem Druck. Dennoch hält man an der Einsparsumme von rund 3,5 Millionen Euro im Jahr für die die Stiftung Historische Museen Hamburg fest. Nur das man nicht mehr autoritär sagt: schliessen! Sondern dass man autoritär sagt: regelt ihr das mal alleine, ihr müsst schließlich die Summe erbringen, die wir euch vorgeben. Ist das aber nicht gehupft wie gesprungen?

Der Hamburger Kultursenator sollte in jedem seinen Hut nehmen. Oder seinen Hut genommen werden. Wie soll die Kultur in Hamburg, wie sollen die Verantwortlichen diesem Herren noch vertrauen. Insbesondere nach seiner gestrigen Rede (s. u.), die er unmittelbar vor dem Kulturgipfel im Gästehaus des Hamburger Senats an der Alster in der Bürgerschaft hielt. Hier ist viel Porzellan zerschlagen worden, die Verantwortung dafür müssen Stuth und Ahlhaus, der diesen Entlassen müsste, tragen. Denn nun muss ein Neuanfang her um die Risse zu kitten und die Wunden, die in den letzten Wochen geschlagen worden, zu heilen. Und es muss noch einmal über die Summen verhandelt werden. Erst einmal ist Zeit gewonnen.

Die angekündigten Proteste der nächsten Tage in Hamburg sollten deshalb fortgesetzt werden. Dennoch: Das Ergebnis des Kulturgipfels ist ein wichtiger Schritt in eine richtige Richtung. Aus diesem Grund haben wir allen Grund zu feiern!

Doch wir werden es diesem Senat, diesem Bürgermeister, diesem Kultursenator, den Grünen (von der CDU erwarten wir eh nichts wirklich Gutes), ankreiden, wir werden diesen Skandal nicht vergessen; wir werden diese Bande abwählen und mit Eiern und Tomaten beschmeißen. Mir hängen diese Halunken jedenfalls mächtig zum Halse raus.

Künstler AUZONE aus dem Hamburger Gängeviertel im Altonaer Museum
Werk des Künstlers AUZONE aus dem Hamburger Gängeviertel bei Solidaritätsausstellung im Altonaer Museum

Meldung der Bürgerinitiative ALTONER MUSEUM BLEIBT vom 27.10.2010
Die bürgerschaftliche Debatte zum Altonaer Museum zum Altonaer Museum war geprägt durch drei Positionen. Die Linke, als Antragstellerin und die SPD wollten den Erhalt des Museum, die CDU und GAL wollten die Möglichkeit eröffnen, dass Schließung nicht das letzte Wort sein muss und der Senat, vertreten durch den Kultursenator, machte deutlich, dass an der Schließung des Altonaer Museums nicht gerüttelt wird.

Das war natürlich blamabel für die Kulturpolitikerinnen von CDU und GAL. Hatte doch die Frau Martens von der CDU noch die Ablehnung des Antrag der Linken u.a. damit begründet, dass man sich vor dem Kulturgipfel nicht festlegen sollte. Auch Eva Gümbel hatte betont, dass der Antrag die Situation offen lässt und damit den Handlungsspielraum des Senats nicht einengt.

Umgekehrt war man da weit weniger großzügig. Hatten die Parlamentarier von Union und Grünen doch nach einer Möglichkeit gesucht, nicht als welche dazustehen, die allein auf Schließung setzen und deswegen ihren Antrag, gegen den der Linken gestellt. Allerdings haben sowohl Martens als auch Gümbel nicht versucht, den Eindruck zu erwecken, den man heute der Presse entnehmen konnte. Von Rücknahme der Schließung war keine Rede, sondern nur von der Eröffnung einer weiteren Option und dass es bei Schließung zumindest einer Konzeption bedarf. Sicherlich war es auch ein Fehler, dass Frau Gümbel für die GAL betonte: die GAL sagt ja zum Sparen und Frau Marten für die CDU beklagte, dass das Museum auf seiner Homepage Unterstützer, sogar anonyme Unterstützer werbe.

Damit war dem Senat offenbar mit zuwenig Selbstvertrauen von Seiten der Abgeordneten begegnet worden und der Kultursenator fühlte sich berufen, seine „Steherqualitäten“ zu demonstrieren.
„Seht her, ich stehe zu meinem Wort“ auch wenn sich das mittlerweile hundertfach blamiert hat und ich scheue noch nicht einmal davor zurück meinen Chef zu blamieren, indem ich betone, dass ich auch aus Gipfelgesprächen so hinauskomme, wie ich hineingegangen bin. Etwas, dass Frau Gümbel zuvor ausgeschlossen hatte.

Besonders peinlich waren des Kultursenators Ausführungen da, wo er sich als Museumsdirektor gerierte und das Hafenmuseum am Wasser für besser geeignet, für die Ausstellung maritimer Themen erklärte, als das Altonaer Museum, da dies auf einem Geestrücken läge.

In Hinblick auf die künftige Nutzung führte er aus, dass diese gemeinsam mit dem Bezirk abgestimmt werde und in Übereinstimmung mit dem B-Plan erfolge und dass die künftige Nutzerin das Geld für das Gebäude (Miete oder Kauf ließ er offen) mitbringen müsse.

Damit wurden den Gerüchten, das Gerkan, Mark und Partner an der Immobilie interessiert sein, um dort ihre Architekturakademie und ggf. ein kleines Museum für Architektur zu betreiben neue Nahrung verliehen.

Bleibt abzuwarten, ob sich der Senat auf dem Gipfel anders als in der Bürgerschaft dargestellt hat. Zu befürchten ist, dass der Senat den Gipfel ausschließlich als symbolischen Akt begreift, der die Notwendigkeiten des Sparens in großer persönlicher Zuwendung erläutert ohne in der Sache Abstriche zu machen. Morgen wissen wir mehr.

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