Alle Jahre wieder: Der Trainerstuhl beim Hamburger SV wackelt

Alle Jahre wieder: Der Trainerstuhl beim Hamburger SV wackelt

Der Hamburger kennt es: Spätestens mit den ersten Herbstwinden beginnt auch für den jeweiligen Trainer des HSV eine stürmische Zeit und der Stuhl des jeweiligen Amtsinhabers fängt an, aufgrund der anhaltenden Böen gefährlich zu wackeln.

Bedenkt man, dass es Fink, Slomka und Labbadia jeweils schon im September erwischte, muss man Markus Gisdol fast schon zu seinem Stehvermögen gratulieren. Doch spätestens nach der Auswärtspleite in Berlin dürfte die Windstärke nun nochmal deutlich zulegen und das Thema auch wieder öffentlich und von den immer gleichen Protagonisten diskutiert werden. Und eins ist Fakt: Beim HSV stand im letzten Jahrzehnt am Ende einer solchen Diskussion immer der Rausschmiss.

Dabei hatten die Fans nach einem Jahr ohne Relegationsspiele und einem durchaus vielversprechenden Saisonstart so viel Hoffnung. Doch neben der Tabelle verrät auch ein Blick auf die Quoten der Wettanbieter, wie sich die Lage seitdem verändert hat. Während es bei einer Wette auf eine Entlassung Gisdols mittlerweile keinen Blumentopf mehr zu gewinnen gibt (hier läuft er nur knapp hinter Top-Favorit Stöger ein), kann man bei Siegwette auf den HSV mittlerweile wieder richtig Kasse machen. Buchmacher zahlen bei einem Heimsieg gegen den ebenfalls nicht sonderlich stark eingeschätzten Aufsteiger aus Stuttgart bis zum 2,5-fachen des Einsatzes aus. Da kommt man doch glatt ins Grübeln.

Insbesondere wenn man bedenkt, dass man aus dem Spiel in Berlin durchaus auch Positives mitnehmen kann. Mit zunehmender Spieldauer stemmten sich die Hamburger immer stärker gegen die drohende Niederlage, anstatt nach dem 2:0 die Köpfe in den Sand zu steckten. Und dann war da ja auch noch einer, der sich anschickt, Hamburgs fast schon chronische Sturmprobleme mittelfristig zu lösen. Am Samstag lieferte das 17-jährige Sturm-Talent Jann-Fiete Arp in seinem 2. Bundesligaspiel schon mal einen ersten Beweis dafür ab, dass er dazu tatsächlich in der Lage ist. Das lag keinesfalls nur an seinem ersten Saisontor, welches ihm einen Platz in den Bundesliga-Geschichtsbüchern bescherte – auch mit der für einen so jungen Spieler typischen Unbekümmertheit und Leichtigkeit wusste er zu überzeugen und seine Mitspieler mitzureißen.

Jens Todt war nach dem Spiel sichtlich bemüht, jegliche Lobeshymnen auf den hochveranlagten Spieler möglichst schon im Keim zu ersticken. Wahrscheinlich tut er auch gut daran. Denn niemand sollte von einem so jungen Spieler, dessen Gesicht durchaus noch die Schachtel der Kinderschokolade zieren könnte und dessen Schultern kaum sein Trikot tragen können, erwarten, dass er die Probleme beim HSV im Alleingang löst und damit gleichzeitig die Quoten auf eine Entlassung seines Trainers wieder in die Höhe treibt. Dafür braucht es alle und insbesondere die erfahrenen Spieler. Wenn diese sich zukünftig häufiger vom Engagement und dem Enthusiasmus ihres Youngster anstecken lassen – umso besser.

Foto: Getty Images

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