Neues von Ikea in Altona

Neues von Ikea in Altona

Nur wenige Wissen, was Ikea in Altona eigentlich soll. Vielleicht die Ritter, die immer sagen: Nie! Oder, um es gleich mit den wundervollen Monty Python zu sagen: Die Ritter, die immer Nie sagen, fordern von euch ein Opfer! Zum Beispiel kleine Mieter in der großen Bergstraße halbkriminellen Immobilienhaien zum Fraß vorzuwerfen. Oder unser Steuergeld. Das ist bekanntlich für alle da und wird mal eben scheinheilig für Erhebungen eingesetzt, für die man in das Fundament des neuen Ikea-Komplexes in Altona eingemauert gehört.

Der Bürgerentscheid, der damals eindeutig für Ikea in Altona ausfiel, ist schon lange vergessen. Dass der halbseiden war, von „Mehr Demokratie e.V.“ deutlich kritisiert wurde, spielt alles keine Rolle mehr. Wer hier wen korrumpiert hat, um den Möbelriesen in ein Stadtgebiet zu lassen, das eigentlich vom Autoverkehr entlasten werden sollte, ist völlig piepe. Verkehrsinfarkt? Na und? Längst wurden Tatsachen gebulldozert und abrissgebirnt. Und getreu der alten Volksweisheit, „wo gehobelt wird, fallen Späne“, sind nun die ersten Opfer zu beklagen.

Vor einigen Tagen, sah man im Morgengrauen des geschäftigen Ottensen junge Menschen umherstreifen, die gewichtig Protokoll führten und hin und wieder in einen Schreibblock krittelten. Es war ein Donnerstag und es dauerte bis spät in die Nacht. Mehrere Studenten waren an der Aktion beteiligt, die am darauf folgenden Samstag wiederholt wurde.

Wie sich herausstellte, war dieser sonderbare Streifzug durch Altona-Altstadt und Ottensen eine Erhebung zur Parkplatzsituation in dem Gebiet. Wegen Ikea natürlich. Alle zwei Stunden wurden an zwei Tagen die freien Parkplätze gezählt. Vier. Vier diesseits des Altonaer Bahnhofs, dreianhalb jenseits. Natürlich wurde die hochoffizielle Erhebung von der Stadt beauftrag und von unseren saueren Steuergroschen finanziert. Kommt ja alles wieder rein durch die fette Gewerbesteuer dann.

Um das Steuergeld wieder zurückzubekommen, klickt man einfach auf eine Anzeige von Ikea und schaut sich dort friedlich um. Denn man hätte mir das Geld auch auszahlen können – ich wohne bekanntlich mitten in Ottensen – und ich hätte ihnen sofort ein exaktes Ergebnis gelierert: Nada, niente, nichts geht mehr, keine Chance, keien Parkplätze im nähren Ikea-Einzugsgebiet, um das Möbelhaus zu Fuß zu erreichen. Weder tagsüber, noch nachts und schon gar nicht am Samstag. Am Sonntag, ja. Aber da ist zu. Ein typischer technokratische Behörenvorgang ohne Rücksicht auf Vernunft oder Verluste.



Apropos Verluste: Die Hamburger Morgenpost schrieb unter dem Titel Hungerstreik – weil ihm sein Laden gekündigt wurde über einen jungen Geschäftsmann, den man als erstes Opfer rücksichtsloser Immobilienspekulationen im Zuge der würdelosen Ansiedlung Ikeas in Altona präsentierte.

Hier wird also ein Kleinunternehmer aus der Ladenzeile gemobbt, weil C&A offenbar Interesse an dem Komplex zwischen der Neuen Großen Bergstraße und der Großen Bergstraße. Sein Vermieter, das „Hamburger Immobilienimperium Bruhn“ geht ohne Skrupel über Leichen, wenn es um Millionen geht. Dabei waren es die kleinen Kaufleute in der Großen Bergstraße, die such damals zur der Initiative “Pro Ikea Altona”, die den zweifelhaften Bürgerentscheid ins Leben riefen. Sind sie die ersten Opfer, des schwedischen Möbelriesen? Sie werden vielleicht nicht die ersten sein, die dran glauben müssen – an was eigentlich? Aber sie werden alle ihre Preis bezahlen.

Wer dieses Gebiet kennt, weiß: Der Verkehr muss zusammenbrechen, wenn Ikea und die anderen Geschäfte ernst machen. Die einzige Alternative wäre, Altona vom Bahnhof entlang der Harkortstraße über die jetzt schon verzweifelte Stresemannstraße zur Autobahnauffahrt Stellingen durchzustoßen. Dabei muss dann das Industriegebiet um die Leunastraße zum offiziellen Stauraum erklärt werden. Bislang war dort noch alles chico!

Ich glaube immer noch, dass die Sache scheitert. Jedenfalls werden wir eher nach Schnelsen fahren, als mit dem Auto 3 Straßen weiter in die Altonaer Altstadt. Geht schneller.

Gott sei Dank – den Künstlern des Frappant e.V. kann es piepe sein, sie sind sehr gut untergekommen. Wenigstens etwas. Ansonsten: Ikea den Punks!

Foto: Udo Herzog

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