Der Tod der Sexy Cora

Der Tod der Sexy Cora

Carolin Wosnitza wurde nur 23 Jahre alt. Während ihrer 5. Brust-Operation traten schwerwiegende Komplikationen auf, die sie nach 9 Tagen im Todes-Koma das Leben kosteten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Gehirn war offenbar zu schwer geschädigt. Die Hamburger Hure und Pornodarstellerin Sexy Cora bekam viel Anerkennung und Mitgefühl. Bekannt wurde sie zuletzt durch die Auftritt im Trash-TV von „Big Brother“.

Um es vorweg zu nehmen: Ich kannte sie nicht. Ich wusste, dass es sie gibt und was sie macht. Sie war in den Medien kaum zu übersehen und außerdem aus Hamburg. Mich beschäftigt jedoch ihr Schicksal, an dem doch relativ viele Menschen in Deutschland teilnehmen. Und mich beschäftigt schon immer die Männer- und Frauenbilder, die durch unsere Köpfe geistern, Jugend, Schönheit, Brust-Operationen, Plastische Chirurgie, Medienwelten, Prostitution, Halbwelt und Gesellschaft. Und der Tod natürlich, der mir immer wieder über den Weg läuft und gegen den kein Kraut gewachsen ist.

Sexy Cora mit den großen BrüstenCarolin Wosnitza geb. Ebert starb mit 23 Jahren an ihrer 5. Brust-Vergrößerungs-Operation

Früher hätte man Flittchen gesagt. Heute ist „ErotikdarstellerIn“ – ein ein anerkannter Beruf. Wenn auch ein verwegener, verruchter. Hure sein, Pornos drehen und dafür Preise bekommen ist das Eine. Sich riesige Brüste anoperieren lassen, das Andere. Weshalb macht man das? Was findet man an dieser Art riesigen, künstlichen Brüsten? Warum tun Frauen sich das an? Nur wegen den Männern/Freiern, die das sehen und anfassen wollen und dafür bezahlen? Ist es ein Fetisch? Ein Fetisch der Männer oder einer der ich zur Schau tragenden Frau? Da man kaum etwas über Cora weiß, ergeben sich viele Fragen. Wer war sie? Woher diese offensichtlich Sucht nach Anerkennung? Woher der Exhibitionismus? Wir war ihr Werdegang, was ist mit ihren Eltern? Wie war die Beziehung zu ihrem Vater? Für mich als Vater mit Väterblog und einer kleinen Tochter ein wesentlichen und immer noch unterschätztes Thema. Oder ist es gar nicht so gut, allzu viel zu psychologisieren?

Cora gewann den Venus- und den Erotixxx-Award 2010 als „Beste Amateur-Darstellerin“. Ein zweifelhafter Ruhm, aber durchaus ein Erfolg. Lag das nur an ihren Titten? Ganz sicher nicht. Sie kam sehr sympathisch, nicht ohne Charme und auch klug rüber, wie wir im folgenden Video sehen. Sie war sehr geschäftstüchtig und tat offenbar eine Menge für ihren Erfolg. Nur beim Preis, den sie dafür zu zahlen bereit war, stimmte die Rechnung nicht. Sie bezahlte dafür mit ihrem Leben …


Youtube-Video von Newdooclips: So ist der Traummann von Sexy Cora

„Ich wollte schon immer eine große Brust haben“, sagt Sexy Cora im Herbst 2009 auf der Erotikmesse Venus in Berlin, heißt es in dem Artikel Sexy Cora gab ihr Leben für den Glamour auf STERN.DE. Und dort heißt es weiter: „Mit 18 habe ich die erste Brust-OP gemacht“, sagt sie, „von B auf D.“ Und dann sagt sie diesen Satz, der damals viel harmloser klingt als heute: „Mein Körper ist mein Kapital.“

Der Körper aber ist kein Kapital. Sondern ein lebender, empfindsamer, relativ leicht zu vernichtender Organismus. Kapital ist leblos, eine Sache, Geld. Aus meiner Sicht, haben viele Menschen an dieser Stelle irgendwas nicht mitgekriegt. Und das Trash-Fernsehen, wie STERN.DE es nennt, befördert mit Formaten wie GERMANY NEXT TOP MODEL, POPSTARS u.ä. diese Haltung, sich selbst auszubeuten und sich bedenkenlos unters Messer zu legen.

So scheint es sich auch nicht wirklich rumgesprochen zu haben, das Vollnarkosen ein gewisses Risiko beinhalten. Es kommt nicht oft vor – und erreicht keine Medien, wenn Oma Krause unter der OP hopps geht – aber Menschen sterben DURCH die Operation mit Vollnarkose. Die Betäubung versetzt den „Kranken“ in einen komatösen Zustand („pharmakologisch induziertes, reversibles Koma“) , das heißt auf Deutsch, die Narkose bringt dich tatsächlich an den Rand des Todes. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum anderen Ufer, von dem noch niemals ein Mensch zurückkehrt ist.

Warum ist das so? Warum nimmt man diese Gefahr nicht wirklich ernst? Liegt es daran, dass es so viele freiwillig macen? Dass die Todesrate (Mortalität) laut Wikipedia bei nur 0,05 ‰ liegen soll, d. h. bei 5 von 100.000 durchgeführten Narkosen? Dabei sind die bleibenden Schäden nicht eingerechnet, die naturgemäß höher sind als 5 von Hundertausend. Es heißt aber in jedem Fall, dass bei 100.000 Narkosen 5 Menschen darunter sterben. DIE WELT schreibt dazu in dem Artikel 43 000 sterben jährlich unter Narkose: Nicht jeder Tod in Zusammenhang mit Narkose ist auch tatsächlich ein Tod an der Narkose. Eine Operation birgt immer Risiken.

Wenn es also nicht wirklich sein muss – dann lass es besser!

Coras Tod ist bisher noch ungeklärt, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das tut sie zwangsläufig und automatisch. Was auch immer der Grund für die Katastrophe war, aus der Verantwortung für sich selbst kann Cora auf keinen Fall entlassen werden. Sie hatte schon Mega-Brust-Implantate von angeblich 500 Milliliter je Busen. Sie wollte auf 800 gehen. Ihr ehemaliger Operateur Dr. Reza Vossough riet ihr, laut Hamburger Morgenpost, von weiteren vergrößernden Operationen ab.

By the way: Diese riesigen künstlichen Titten finde ich geschmacklos, abstoßend und hässlich. Was soll das? Es ist nur mit einer Art Verzweiflung oder/und einem entsprechenden Fetisch zu erklären. Oder etwa nicht?

Die Hamburger Morgenpost („Cora: Schon seit Dienstag war sie hirntot“, berichtete die Mopo letzten Freitag. Der Artikel ist leider nicht mehr online.) berichtete in ihrem Artikel Der bizarre Kult um Sexy Cora über die Facebook-Gruppe „Wir beten für Sexy Cora“, die von Coras Ehemann gegründet wurde, wie es heißt. Ich habe mir das sofort angeschaut und der Gruppe beigetreten (wie man das auf Facebook so macht.

Sehr viel junge und offensichtlich recht einfach gestrickte Menschen beteten dort für die Porno-Queen. Die hofften und wünschten und wollten an Wunder glauben. Ganz offensichtlich ohne große Kenntnisse der aktuellen Nachrichten lage. Oder vielleicht sagt es ihnen nichts, wenn es heißt, die Symptome und Umstände deuten auf eine schwere Hirnschädigung. Oder wollten sie den Medien keinen Glauben schenken? Glauben sie nur, was sie glauben wollen – wie eigentlich alle Menschen – oder verdrängen sie einfach? Und warum empfinden sie den Tod als so furchtbar und nicht etwa ein „Leben“ als „Hirntote“, als lebender Leichnam, als Schwerstbehinderte? Es gibt so viele Dinge, die Schlimmer sind als der Tod.


Youtube-Video: Sexy Cora – Das Porno Rätsel

Wie gesagt, ich wollte mir das auf Facebook einmal anschauen und diese Leute dort besser verstehen. Ich stellte zugegeben etwas provokant die Hoffnung und die guten Wünsche dieser jungen – leicht unterbelichteten, wie es schien – Menschen in Frage und stieß in ein Wespennest. Ich wurde angefeindet und als Arschloch tituliert. Das war am Mittwoch, als die aktuellen Meldungen traurige Gewissheit brachten, dass Cora verloren sei.

Das ging natürlich gar nicht, dass ich ihnen versuchte die Hoffnung zu nehmen. Man WOLLTE an Wunder glauben. Ich war natürlich erschüttert darüber, dass so viele Leute wundergläubig sind, an Bestellungen ans Universum glaubten, Realität nicht wirklich wahrhaben wollten und irgendwie schräg drauf sind. Woher kommt das? Woher kommt ein magischen Weltbild im weitesten Sinne? Wie kommt es zu den immer gleichen unerträglichen Plattitüden, dass Prostituierte „ein ganz normaler Beruf, wie jeder andere auch“ sei?

Leider behielt ich recht, denn am darauf folgenden Tag verstarb sie im UKE in Hamburg, in dem ich damals geboren wurde. Ich halte den Weg, den Cora eingeschlagen hat für falsch. Im gesellschaftlichen, im menschlichen Sinne. Sie ist kein Vorbild und kann es nicht kann. Doch viele scheinen sich mit ihr zu identifizieren.

Das Bild von Cora bleibt bisher unvollständig. Wir kennen ihre Kindheit nicht, woher sie kam und was sie wirklich antrieb. Wir wissen auch nichts von ihrem Ehemann, außer dass er auch ihr Manager war. Könnte es denn sein, wenn die Zusammenhänge ihres Lebens uns besser bekannt wären, dass wir ein anderes Bild von diesem Menschen, dieser jungen Frau bekämen? Eines, dass uns erschüttern würde?

Update 24. Januar 2011. Die Hamburger Presse – und damit meist auch ein Großteil der Bevölkerung – ist offenbar weiter am Schicksal von Carolin alias Sexy Cora interessiert. Die schon erwähnte Hamburger Morgenpost knöpft sich den Ehemann, Tim Wosnitzas, der auch ihr Manager war (!) vor. In der Zwischenzeit sprach ich mit einem guten Freund, der sich als freier Kameramann in der Szene gut auskennt und der bestätigte das Bild, das die Mopo da zeichnet: Wie viel Schuld trägt ihr Mann?.

Darin behauptet die Redaktion, Coras Mann hätte noch vor ihrem Tod das St. Pauli-Museum angerufen, um für ein Denkmal für seine Frau Sexy Cora zu werben. „Carolin Wosnitza lag noch im Sterben, da versuchte der angehende Porno-Witwer bereits eilig, den nächsten PR-Coup für die Marke „Sexy Cora“ an Land zu ziehen: Zwei Stunden, bevor die Ärzte seine Frau für tot erklärten, telefonierte Wosnitza mit dem St. Pauli-Museum“, so die Mopo. Da bei Sexy Cora kein Bezug zu St. Pauli zu erkennen sei, lehnte der Vorstand des Museums das Anliegen des Porno-Managers, ihr ein Denkmal zu errichten, ab. Nur weil man Prostituierte ist, bekommt man keine persönliche Weihestätte im St. Pauli Museum.

Die Mopo fragte weiter, ob das „Trauerarbeit“ sein soll. „Der Betreiber einer Internet-Plattform für Pornos sagte am Freitag zur MOPO, dass Tim Wosnitza, der offenbar bedroht wird, am Wochenende ein ‚Best of‘ mit Sex-Szenen seiner toten Frau ins Netz stellen will.“ Pietät, Trauer und Erschütterung drückt sich in der Tat selten in geschäftlicher Umtriebigkeit aus. Vor allem dann, wenn es um die eigene Frau geht, die vor der Kamera fickt.

Website und Online-Shop der Sexy Cora aus Hamburg
Website und Online-Shop der Sexy Cora

Man muss diese Sache weiter beobachten, aber es deutet alles darauf hin, dass das Umfeld von Cora, die Branche ein reisen großer Scheißhaufen ist. Da darf man schon mal fragen nach der Liebesfähigkeit, die oftmals mit Potenz und sexueller Lust verwechselt wird. Ich mache mich zum begehrten, physisch begehrten Objekt und finde jemanden, der das, also mich vermarktet und den heirate ich, weil ich ihn liebe und er mich?

Nur weil man geschäftstüchtig ist, heißt das nicht, dass man auch intelligent ist. Erfolgreich kann man auch mit geringen IQ-Werten sein, wie Dolly Buster und wie sie alle heißen bewiesen haben. Die Porno-Branche, das kann jeder Beobachter leicht feststellen, treibt den Kapitalismus konsequent auf die Spitze: Das zählt Kohle und sonst nichts. Im Übrigen ist diese Branche, die natürlich mit der einen Arschbacke an die Halbwelt grenzt und mit der anderen an der Prostitution, durchsetzt mit Gewalttätern aus der organisierten Kriminalität. Das ist sicher kein Klischee, sondern das mag man sich ausrechnen.

Man braucht nur mal eine sogenannte Erotik-Messe zu besuchen, um festzustellen, dass es nur ums knallharte Geschäft geht (Denn all das kriege ich auch ohne Eintritt in den Porno-Shops auf der Reeperbahn), es mit Erotik eigentlich überhaupt nichts zu tun hat (Erotik ist sicher kein „Harter Sex“) und dass man die Pornosternchen nur gegen Extra-Geld in Action sehen darf, was tonnenweise alte Säcke auf den Plan ruf. Es sollte eher in „Matcho-Verarschungs-Messe“ umgenannt werden. Sie mag eigene Menschen faszinieren, diese verruchte, latent gefährliche, sich selbst genügende Matchowelt – mit Klugheit, Intelligenz und Menschlichkeit, die sie liebend gern in ihrem Image hätte, hat dies natürlich überhaupt nichts zu tun.

Apopos „knallhartes Geschäft“: „Ihr Witwer kümmert sich um das Vermächtnis seiner verstorbenen Liebsten“ und vermarktet beispielsweise den Porno Der Tod steht ihr gut, schreibt das Schweizer Online-Portal 20 Minuten. Und weiter: In dem Hardcorestreifen „spielt Cora eine Untote, lutscht als Zombie an männlichen Genitalien. ‚Wer sagt eigentlich, dass Untote nicht gut blasen können?‘, heisst es im Hinweistext.“ Geldmachen, Alter.

Also bleibt weiter die Frage: Wer war Sexa Cora? An diesem Montag hat die BILD Hamburg eine Serie gestartet: „SEXY CORA“ (†23) – Protokoll eines verpfuschten Lebens. Und auch die ferne Aargauer Zeitung aus der Schweiz schreibt über Coras Vergangenheit in dem Artikel mit dem genialen Titel: „Sexy Cora“: Tod einer Erotikphantasie.

„Aber Coras Busen gehörte nicht nur ihr selbst, sondern auch ihrem Freund und Ehemann, Tim. Denn der profitierte entscheidend davon, er war es auch, der sie im Pornobusiness mehr als nur unterstützte. Denn Cora verkaufte mehr Amateurpornos als irgend jemand anderes“, schreiben die Schweizer.

Eigentümtlicherweise wird kaum auf Coras Beziehung zu ihren Eltern eingegangen. Meine These, die ich weiter oben formulierte, muss es dort etwas zu finden geben. Insbesondere die Beziehung zu ihrem leiblichen Vater und die zu ihrem Stiefvater. Darüber klären die Artikel nicht auf. Ist ja auch sehr schwierig zu recherchieren. Die Eltern können meistens wenig Auskünfte geben, weil sie selber betroffen sind, voreingenommen, vielleicht verdrängen … oder etwas vertuschen wollen. Einen Hinweis erhalten wir lediglich mit der Bemerkung, dass Carolins leiblicher Vater die Familie als das Kind 2 Jahre alt war verlassen hat. Weshalb? Gab es noch Kontakt zu ihm? Wie war er? Wie Stand Cora zu ihm? Und der Stiefvater? Was für einen Charakter hat ihre Mutter? Schwächelte sie etwa auch vor den Matcho-Muskeln wilder Kerle?

Oder ist alles ganz einfach? Cora war auf das Begehren der Männer abonniert. So behielt sie die Kontrolle. Sie bekam die Aufmerksamkeit, die Anerkennung von der männlichen Welt, der sie so bedurfte. Sie hatte den Dreh raus und Lunte gerochen. Und die Männer zahlten dafür. Geld, viel Geld. Sie bekam also nicht nur Anerkennung, Begehren, Aufmerksamkeit und Bewunderung von den Männer – und vielleicht sogar von einigen einfach gestrickeren Frauen – sondern auch Geld. So wurde sie konditioniert. Das sie das alles ihrem Äußeren, vielleicht noch ihrem Charme zu verdanken hatte, war nicht so wichtig. Wenn sie genau das tat, was sie immer tat, den Herren der Schöpfung sexuell zu Diensten zu sein, bekam sie das, was sie zum Leben brauchte. Was jeder eigentlich braucht: Anerkennung, Geld und … Sicherheit. War es also eher dies als eine fatale psychische Entwicklung in der Kindheit?

Es könnte auch ganz banal sein. Natürlich auch das Banale, Schicksalhafte auf einen vorbereiteten Acker stoßen, auf den richtigen Humus, um sich entfalten zu können. Der Boden wurde sicher in der frühen Kindheit gelegt. Und dann trifft eine durch den Abbruch der Krankenschwester-Lehre verunsicherte, vielleicht orientierungslose attraktive junge Frau, auf einen Macker, der ihre Schicksal sein wird. Geld verdienen, viel Geld verdienen ist das Zauberwort. Tim muss ja schon Kontake in die zwielichtige Branche gehabt haben und traf auf mit Carolin auf eine willige, vielleicht manipulierbare und ehrgeizige Frau. Früher hätte man gesagt: Die haben beide ihren Seelen verkauft … und verloren.

Wenn wir hier ein deutlicheres Bild bekommen, könnten wir uns besser erklären, warum ein niedliches, liebenswertes, hübsches Mädchen in eine Welt gerät, die man besser meidet. Und die ihre das Leben kostete. Andere kostet es nur die „Seele“.

Foto: Thaddäus vom 9.10.2008

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