Obdachloser in den Zeisehallen: Manni ist tot

Obdachloser in den Zeisehallen: Manni ist tot

Manni ist gestorben. Er war obdachlos und Bewohner der Zeisehallen, hatte für alle stets ein freundliches Wort und war so was wie der freundliche Weihnachtsmann von Ottensen. Zwischen Familieneck, dem Eingang zum Friseursalon Bill Friedensallee Ecke Bergiusstraße und dem hinteren Eingang der Zeisehallen, vor dem Eingang zur Bücherhalle war er zu Hause. Auch die Kinder aus dem Kindergarten in den Zeisehallen kannten ihn, wie hier auf dem Bild zu sehen ist.

Ich wusste nicht mal, dass er Manni hieß. Das finde ich jetzt sehr bedauerlich. Aber ich habe ihn immer gegrüßt („Moin Chef!“) und mich mit ihm häufig kurz unterhalten. Ich finde, dass man heimatlose Menschen vielleicht mehr hilft, wenn man sie respektiert, in dem man sie wahr nimmt, sich für sie interessiert und ein kleines, freundliches Gespräch mit ihnen führt, anstatt ihnen etwas Geld hinzuwerfen.

Er wurde irgendwie betreut, denn hin und wieder war er „neu“ eingekleidet und sogar geduscht. Anfang des Jahres hat man ihm sogar die Haare geschoren, vielleicht wegen Lausbefall. Er sah sonst mit seinen grauen Haaren und dem grauen Rauschebart aus wie der Weihnachtsmann von Ottensen. Ein Bild von ihm kann ich nicht zeigen, da ich ihn aus Respekt nie fotografiert habe. Schade eigentlich.

„Ich bin kein Chef. Bin nur ein Penner!“

Er grüßte jeden, den er kannte, fegte die Zeisehallen aus und hielt einem die schwere Eisentür am Hinterausgang auf. Er war immer freundlich und hatte immer einen Schnack drauf.
„Schönes Wochenende! Ich wünsche dir einen schönen Tag!“

Hatte er mir mal erzählt, dass er Familie hatte, Kinder, die natürlich erwachsen waren? ich glaube, ja. Was vorgefallen war, was ihn auf die Straße verschlagen hatte, das war nicht zu erfahren. Oft war er angetrunken, manchmal stankt er wie ein Iltis und war sturzbesoffen. Sein Alter war schwer zu schätzen, aber er muss um die 70 Jahre alt gewesen sein. Man konnte sich mit ihm unterhalten, aber komplizierte Gespräche waren nicht drin. Möglicherweise war er auch psychisch krank, vielleicht der Alkohol. Wir werden es nicht mehr erfahren.

Manfred Rose HamburgNun ist er tot und ich finde es ganz rührend, dass irgendjemand an seinem Platz, der Treppe vor der Bücherhalle in den Zeisehallen, einen kleinen Ort zum Trauer drapiert hat. Blumen, Kerzen und ein liebevolles Schild auf dem steht: „Danke für die vielen schönen Worte – RIP Manni!“

War er gestorben ist, konnte ich nicht erfahren. Aber er wird mir fehlen. Wollen wir hoffen, dass er jetzt an einem besseren Ort ist, im Licht.

Manni, es war schön, dich kennengelernt zu haben, auch wenn dein Lebensabend sehr schwer für dich gewesen sein dürfte. Mach es gut!

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