Verschossen in eine Diva

Verschossen in eine Diva

Finde ich sie wieder?

Sie war leider in Begleitung.

Obwohl das ja, wie ich meine, nichts bedeuten muss. Er kann genauso gut ihr Halbbruder, bester Quasselfreund, oder ihr Arbeitskollege sein. Jedenfalls hält mich die Anwesenheit eines „Aufpassers“ nicht grundsätzlich davon ab, hin und wieder charmante Blicke zu werfen und bei Gelegenheit einen Schritt näher zu treten.

Eine solche Gelegenheit ist meist dann gekommen, wenn der Begleitschutz zum Klo rennt, an der Bar Fassbrause bestellt, oder jemand anderen vollquatscht. Schwuppdiwupps tauche ich unerwartet neben ihr auf und schütte etwas Punch an ihre Bluse – schon bin ich im Gespräch.

Aber diese Situation spielte auf offener Straße. Schlechtes Wetter außerdem und irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl.

Ihr Zopf war sauber geflochten und lag streng auf ihrem Nacken. Er passte 1a zu ihrem Kopfschmuck, der mir einen Hauch zu männlich anmutete. Aber wer weiß schon, welch interessante erotische Präferenz hinter einer verschrobenen Kleidung steckt? Ich wollte das herausfinden. Schließlich bin ich an dieser Stelle immer wieder bereit mich fortzubilden.

Schöne Hände erkenne ich schon von Weitem – dezent gelackte, feste Nägel. Damit schrieb sie irgendetwas auf. Ob sie schreibt, Geschichten schreibt? Sie machte sich offenbar Notizen. Was sie wohl gerade erlebt, oder gedacht hatte, das es ihr wert schien, festgehalten zu werden? Das ist ein Ansatzpunkt, eine Gesprächsgrundlage, etwas Unverfängliches… ich frage sie einfach danach…

Ich kam näher. Und dann erst diese süßen Sommersprossen – übers ganze Gesicht. Entzückend. Und allein ihre, ja, eigenwillige Nase. Wenn sie jetzt noch eine sonore Stimme beigibt, ist es endgültig um mich geschehen.

Manchmal kann auch eine unvorteilhafte Kleidung einem erotischen Körper nichts anhaben. Hier schien es so zu sein. Und möglicherweise kann man ihr die schwere Jacke, die Buntfaltenhose und die klobigen Schuhe noch ausreden. Oder ist das dann der Kick, mit diesen Klamotten im Schlafzimmer? Na, mir solls recht sein. Interessante Frau! Wirklich.

Sie drehte mir den Rücken zu, so dass ich – schleichschleich – kurz von hinten auf ihren Zettel luschern konnte. Seltsamerweise hatte ich spontan den Eindruck, da irgendwo etwas schon einmal gelesen zu haben…

Ihre „Begleitung“ setzte sich auf den Beifahrersitz des Wagens, mit dem beide gekommen waren. Was für eine abgefahrene Lackierung! Entweder hatte sie viel Geld, oder, als Außendienstler, ein besonders prestigeträchtiges Fahrzeug zur Verfügung. Kurz überkamen mich Zweifel. Doch nicht meine Liga? Andererseits wurde mir nun noch kribbeliger.

Jetzt.

„Hallo.“
„Tag.“
„Ich, äh, ichichich wollte mal fragen, was sie da…“
„Wonach sieht es denn aus?“

Die macht mich echt scharf.

„Sie machen sich Notizen und…“
„Fein beobachtet!“

Geil.

„Ich…“
„…sind Sie der Fahrzeughalter?“
Was´n das jetzt für ´ne Nummer? Kenn ich die Richtung? Irgendwas mit SM?
„Wer? Welches Fahrzeug?“
„Witzbold.“

Eh ich mich versah, ritschte sie ihren Notizzettel vom Block und klemmte ihn hinter den Scheibenwischer auf die Frontscheibe des Fahrzeugs vor uns.

Diese Entschlusskraft und Coolness machte mir echt weiche Knie und ich holte schon mal das Handy raus. Da drehte sie sich auch schon zu mir und raunte: „Irgendwelche Fragen?“

Da war sie, diese einmalige Chance, eine Vorlage, die man sofort, ohne nachzudenken, nutzen muss, um einen Fuß in die Tür zu bekommen! Da sie im Begriff war, diesem anderen Kerl zu folgen, kam ich direkt zur Sache.

Ihre Dienstnummer hatte ich allerdings nicht gemeint… kann ich mir auch nicht merken mit diesen ganzen „Schrägern“.

Sie brausten davon. Was für ein Auto!

Da stand ich nun wie der Ochs vorm Berg. Wie komme ich jetzt an sie ran? Sie hat zwar mein Kennzeichen, aber ich habe seit dem nichts mehr von ihr gehört.

Ob ich eine Anzeige aufgebe?

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