Der Aberglaube zwischen den Jahren

Ich bin mütterlicherseits ostpreußisch genetisiert und da heißt es halt, dass man zwischen den Jahren keine Wäsche waschen soll, da sonst im neuen Jahr Unglücke dreut. Was aber jetzt? Der Keller ist voll mit fantastischen Waschmitteln und wir tun der Wirtschaft keinen Gefallen, wenn wir wegen eines Aberglaubens nicht tun, was Deutsche so gerne tun: saubermachen!

Wir ach so aufgeklärten, modernen Zeitgenossen sind bis zur Unterkante Oberlippe voll mit Aberglaube, der eher zu alten Germanenstämmen in die Finsterwälder diesseits des Rheins passt, als zur weichhirnigen iPhone-/Wii-Generation. Wir merken es nur nicht. Auch die kühlen Köpfe der IT-Spezialisten, die kalten Herzen der Karrierefrauen in den Führungsetagen, die zynischen Bänker und Versicherungs-Makler, sind vor Aberglauben nicht gefeit. Denn selbst der Glaube, keinen Aberglauben zu besitzen, ist ein Aberglaube.

hexheWenn wir jetzt also nicht in unseren Waschkeller steigen können, zu der hochmodernen, bunten Chemie, mit den tiefgründigen Zaubernamen wie Dash, Coral, Persil & Spee, um einem alten Aberglauben Genüge zu tun – was machen wir dann?

Halten wir das aus ohne Weichmacher, Bügelleichter, ohne die vielen Tenside, den Fleckenweg und das Gardinenneu? Kann der Deutsche ohne seine saubere Weste existieren, wie er auch nicht ohne seinen aufwendig sortieten Müll, ohne seine bio-korrekte Zahncreme, ohne seine Amazonas-Regenwaldretter-Aktien und ohne seine glattgeleckten Saubermann-Experten im Deutschen Fernsehen auskommt?

Wenn ich unseren Waschkeller und seine Waschmittel so sehe, scheint die Antwort klar: Nein!
Keine Chance! Der Erde nicht, dem Schmutz nicht, den Flüssen und den Fusselfliegen keine eine müde Chance. Gute Nacht du Karre im Dreck!

Und ihr? Kennt ihr einen ähnlichen Aberglaube oder sog. Volksglaube?

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Foto: Featured: Dan Brady. Hexe: Julia Seeliger/Zeitrafferin

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