Zahlemann und Söhne: Die Zwangsmitgliedschaft in der Hamburger Handelskammer

Zahlemann und Söhne: Die Zwangsmitgliedschaft in der Hamburger Handelskammer

Treibt man Gewerbe, also Handel, ist man Gewerbesteuerpflichtig und automatisch Mitglied der Hamburger Handelskammer. Wäre kein Problem, ist aber nicht … freiwillig. Denn man ist dann beitragspflichtig und muss Gebühren bezahlen. Doch wozu eigentlich? Um Mitglied zu sein natürlich. Und sonst nichts? Sonst nichts.

Wann immer man bei Handelskammer um relevante Unterstützung oder Beratung ersucht, wird man darauf verwiesen, dass die Kammer nicht in Konkurrenz zu ihren (Zwangs-)Mitgliedern stehen darf. Keine Rechtsberatung, keine Steuerberatung, keine Vermittlung, keine konkrete Hilfe für Belange von kleineren Selbstständigen und ihrer Sorgen. Auf Deutsch: Ich zahle die Handelskammerbeiträge ohne irgendeine Gegenleistung. Angebliche Gegenleistungen, mit denen sie ihre eigene Existenz rechtfertigen möchte, sind aber gar keine. Keine, die ich nicht auch in Berufsverbänden oder von der Gewerkschaft bekommen könnte. Also, was soll der Mist, diese kostenpflichtige Zwangsmitgliedschaft? Dieses Schmarotzertum scheint eine typisch deutsche Institution zu sein, die kleine Selbständige eher verleugnet als wertschätzt.

Wissen die Leute, die sich das ausgedacht haben – seinerzeit offenbar korrupte Machtstrategen – wie hart es sein kann, auch nur 100,- Euro am freien Markt zu erwirtschaften, die sie da so locker abgreifen? Wie viel man dafür tun muss? Dass man eine Gegenleistung dafür erbringen muss? Nein, das wissen die sicher nicht.

Wissen diese Arschgeigen, wie es sich anfühlt Anspruch auf eine Rente zu haben, die nicht einmal dem Hartz-IV-Satz entspricht? Dass man fürs Alter keine Rücklagen bilden kann und dass einem diese absolute sinnlose Handelskammer-Gebühr gerade noch gefehlt hat? Das wissen sie nicht und wollen es auch nicht wissen.

Eigentlich müsste man Hartz-IV beantragen, da neben der Handelskammer und dem Finanzamt noch viele weitere Gebührenerheber unser sauer verdientes Geld abgreifen. Meistens sogar mit einer kleinen Gegenleistung, aber das Geld ist erst einmal weg. Man sollte einfach hinschmeißen. Aber dafür ist man zu stolz, man will gar nichts von diesem Staat, von dieser Handelskammer und all den anderen Scheißhacken, die überall auf unser Geld lauern. Man will einfach nur für sich selbst und seine Familie sorgen. Das ist offenbar zu viel verlangt. Es ist zum Kotzen.

Ich muss die Handelkammergebühr entrichten, auf Grundlage des sog. Hebesatzes, ob ich will oder nicht … und vor allem für nichts und wieder nichts. Ich habe jedenfalls nichts davon. Abslut gar nichts. Ok, ich tue eine gute Tat, in dem ich mit meinen Gebühren helfe, Arbeitsplätze zu sichern. Die Mitarbeiter der Handelskammer Hamburg sollen ihren 6-wöchigen bezahlten Jahresurlaub und ihre betriebliche Altersvorsorge, ihre gute Rente einfach genießen. Im Gegensatz zu mir, der weder bezahlten Urlaub hat, noch irgendetwas fürs Alter zurücklegen kann. Das ist eben Deutschland und ich muss es mir gefallen lassen …

Dass die Leute in der Handelskammer Hamburg kein schlechtes Gewissen haben und ihren Job hinschmeißen, weil sie sinnlose Dinge tun, auf Kosten von anderen leben und die Kreativität von ihren Zwangsmitgliedern schamlos ausbeuten, kann ich als Idealist nicht nachvollziehen. Aber so funktioniert eben der kleine Angestellte. Die Angestellten sind in der Mehrheit. Die Freien, die Freelancer und Selbstständigen nicht und deshalb müssen sie blechen.

Schämen sollen sie sich in der Hamburger Handelskammer, schämen. Und die Politiker, die daran nichts ändern, weder an der Rente für kleine Selbstständige, noch an der Zwangsmitgliedschaft in der Handelskammer Hamburg. Pfui, ich spucke auf euch.

P.S.: Zur letzten Wahl des Plenums der Handelskammer 2014 hat sich die Initiative Die Kammer sind wir (siehe auch: @Kammer_sind_Wir) in den verkrusteten Standesdünkel erfolgreich eingemischt. „Für Transparenz, Unterstützung von Unterstützung von klein- und mittelständischen Unternehmen und eine Rückzahlung der überhöhten Rücklagen der Handelskammer Hamburg“. Überflällig, denn jede Veränderung ist hier ein Schritt nach vorn: Die Kammer sind wir will die Handelskammer modernisieren und reformieren.

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