Die Schwanenblume ist unsere Blume des Jahres 2014

Die Schwanenblume ist unsere Blume des Jahres 2014

Die Blume des Jahres 2014 ist die Schwanenblume (Butomus umbellatus) und wurde nun von der Loki Schmidt Stiftung zur 35. Blume des Jahres seit 1980 ausgewählt. Die Stiftung will die Schwanenblume, eine auffällige, attraktive Röhrichtpflanze und ihren Lebensraum ins öffentliche Bewusstsein rücken. Da machen wir mit.

Butomus umbellatus ist ein typischer Vertreter der Auen, sie kommt als Pionierpflanze auf schlammigen und nährstoffreichen Böden vor, insbesondere bei wechselnden Wasserständen. Größere Bestände sind beispielsweise in Auengewässern der Oder, der Elbe und des Rheins zu finden. Die Pflanze hat sich als Stromtalpflanze an die Dynamik des Hochwas- sers angepasst und erträgt nicht nur eine immer wiederkehrende Überflutung, sondern benötigt sie zum Teil sogar. Die Fluten der Hochwässer bringen Sand, Schlick, abgestorbene Pflanzenteile so- wie Samen heran, die beim langsamen Zurückgehen des Wassers in den Auen abgelagert werden. Die darin enthaltenen Nährstoffe wer- den danach langsam freigesetzt. Die Schwanenblume teilt ihren Lebensraum mit weiteren bedrohten Arten wie dem Einfachen Igelkolben, der Krebsschere, der Sumpfschrecke, der Kleinen Mosaikjungfer, dem Moorfrosch und zahlreichen Vogelarten.

Die Schwanenblume wird auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten der Bundesrepublik Deutschland geführt, da ihre Bestände zurückgehen. Ursache des Rückgangs sind unter anderem die intensiven Hochwasserschutzmaßnahmen, die seit Jahrzehnten die Aue ihrer natürlichen Dynamik und Hochwasserrückhaltefunktion berauben. Auch Entwässerungsmaßnahmen, Flussausbau und die Konkurrenz durch Ufer-Hochstauden oder Weidengebüsche gefährden den Le- bensraum der hübschen Schwanenblume. Flussauen und ihre Lebensgemeinschaften werden stark bean- sprucht: Geschützt von Deichen breiteten sich Siedlungen und Gewerbe aus, wo früher der Fluss über die Ufer trat. Abwasser wurde eingeleitet und lagerte sich als Schadstoff ab.

Die Intensivierung der Landwirtschaft machte auch vor Flussauen und Marschgebieten nicht halt: Künstliche Gewässer wie Gräben, Kanäle und Bodenentnahmestellen, an deren Ufer die Schwanenblume Ersatzlebensräume gefunden hatte werden oft so intensiv gemäht und geräumt, dass die Schwanenblume zurückgeht. Die intensive Düngung landwirtschaftlicher Flächen sowie die Verfüllung der Gewässer oder ihr Ersatz durch unterirdische Drainagen nehmen der Schwanenblume die Lebensräume.

Der Name Schwanenblume

Die Schwanenblume hat viele Namen, unter anderem Storchblume (Westpreußen) und Storchenblume (Weser und Mark Brandenburg). Bei diesen Bezeichnungen ist die Pflanze wohl wegen den langen, dünnen Doldenstiele und der rötlichen, weißen Blütenfarbe nach dem Storch benannt. Andere Namen sind Wasser-, Seepferd (Anhalt), Wasserliesch, Blumenbinse, Doldige Schwanenblume oder Wasser- viole. Die Namensgebung Schwanenblume bezieht sich auf den schwanenhalsartig gebogenen Griffel. Der Name Blumenbinse sollte vermieden werden, da er zu Verwechslungen mit der eigentlichen Blumenbinse (Scheuchzeria palustris) führt. Der botanische Gattungsname Butomus leitet sich aus den griechi- schen Wörtern bous für Ochse und temnein für schneiden ab. Dies bezieht sich auf die irrtümlich für scharfschneidig gehaltenen Blätter, an den sich Rinder verletzen könnten. Der Artname umbellatus be- deutet schirmförmig und weist auf den doldigen Blütenstand hin.

Beschreibung der Schwanenblume

Die Schwanenblume ist die einzige Pflanzenart der Gattung Butomus und der Familie der Schwanenblumengewächse (Butomaceae). Es handelt sich um eine stattliche, bis 150 cm hohe, ausdauernde Sumpf- und Wasserpflanze mit einem kurzen, kriechenden Rhizom, das als Überwinterungsorgan dient. Dieser 1 cm dicke, weiße Wur- zelstock bildet keine Ausläufer. Die Laubblätter stehen grundständig als Rosette. Wie viele unter Wasser wurzelnde Pflanzen bildet auch die Schwanenblume verschiedene Wuchsformen aus. Steht die Pflanze in größerer Wassertiefe in fließenden Gewässern, entwickeln sich kaum 2 mm breite und zuweilen bis fast 2 m lange, bandförmige Tauchblätter. Üblicherweise setzen derartige Pflanzen keine Blüten an. Die Überwasserblätter, die sich bei niedrigerem Wasserstand entwickeln, sind grasartig linealisch, dreikantig und steif. Von der scheidigen Basis aus werden sie nach oben zu immer schmaler und enden mit einer schwertförmigen Spitze. Die Blätter werden bis zu 1 m lang und bis 1 cm breit.

Die attraktive und auffällige Schwanenblume blüht in Mitteleuropa von Juni bis August, da sich die einzelnen Blüten nacheinander öffnen. Auf einem langen, runden, blattlosen Blütenstandstiel befindet sich ein doldiger Blütenstand mit bis zu 30 Einzelblüten. Der Blüten- stand ist von zwei oder drei Hochblättern umhüllt. Die einzelnen Blü- ten sind zwittrig, radiärsymmetrisch, messen 20 bis 30 mm im Durchmesser und stehen auf unterschiedlich langen (5 bis 10 cm) zarten Blütenstielen. Die Blüte ist aus zwei Kreisen aus je drei Blü- tenhüllblättern aufgebaut, die unterschiedlich aussehen können. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist weiß, rosa- bis purpurfarben, oft dunkel geädert. Auch die Staubblätter sind auf zwei Kreisen angeordnet, auf dem inneren Kreis befinden sich 3 und auf dem äußern 6 Staubblät- ter. Im Zentrum der Blüte befinden sich sechs rote, flaschenförmige, oberständige Fruchtknoten mit gekrümmten Griffeln und gelblichen Narben.

Die Schwanenblume lockt mit ihrer auffälligen Blütenpracht Insekten an und belohnt diese Bestäuber mit nach Honig riechendem Nektar, den sie an der Basis der Fruchtblätter in kleinen Tröpfchen abgibt. Zu den Bestäubern gehören vor allem Fliegen, Schwebfliegen, Bienen und Hummeln. Nach der Bestäubung entwickeln sich die Früchte (Balgfrüchte), wobei die Blütenstiele nochmals um einige Zentimeter wachsen. Die Früchte werden so weiter aus der hochwüchsigen Ufervegetation gehoben. Dies fördert die Windausbreitung der Sa- men: Die Schwanenblume ist ein Windstreuer. Wenn die Früchte reif sind und der Wind den Blütenstandstiel bewegt, öffnen sich die Früchte und die Samen werden ausgestreut. Die Samen können schwimmen und treiben so zu neuen Ansiedlungsorten. Die Pflanze vermehrt sich aber auch vegetativ. Im Herbst lösen sich Brutknospen von der Mutterpflanze ab, treiben im Wasser davon und können im Schlamm Wurzeln schlagen.

Verbreitung der Schwanenblume

Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die gemäßigten Klimazo- nen Europas, Asiens und Nordafrikas. In Mitteleuropa ist die Schwa- nenblume vielerorts selten geworden. Häufiger ist sie noch in den großen Flusstälern der Ebene anzutreffen Im Bergland fehlt sie, ab- gesehen von wenigen Flusstälern. In Nordamerika wurde die Schwa- nenblume als Zierpflanze eingeführt und ist dort ausgewildert. In ei- nigen Staaten hat sie sich so stark ausgebreitet, dass sie als invasive Art angesehen wird. Darunter versteht man gebietsfremde Arten, die in Konkurrenz zu einheimischen Arten treten und diese verdrängen oder andere Probleme verursachen.

Standorte der Schwanenblume

Die Schwanenblume wächst in Uferröhrichten stehender bis langsam fließender Gewässer wie Gräben, Bäche, Altwasser, Flussufer oder Teiche. Hier findet sie nährstoffreiche Schlammböden und bildet Be- stände, die zu einer eigenen Pflanzengesellschaft, dem Schwanen- blumenröhricht gehören. Die Pflanze verträgt stark wechselnde Was- serstände und siedelt vor allem auf sandig-lehmigen, nährstoffrei- chen Schlammböden. Sie ist recht wärmeliebend und steht deswe- gen im Röhricht an lichten Stellen. Die Schwanenblume ist nicht zu- letzt deshalb selten, weil sie der Konkurrenz höher aufschießender, dicht wachsender und damit lichtraubender Pflanzen ausgesetzt ist. Hierin liegt auch der Grund, warum sie häufig an Gräben anzutreffen ist: Eine gemäßigte Unterhaltung verschafft ihr gegenüber dem Schilf und anderen Röhrichtpflanzen einen Konkurrenzvorteil, eine zu in- tensive Unterhaltung wiederum gefährdet sie.

Verwendung als Nutzpflanze

Die unterirdische, bewurzelte Sprossachse (Rhizom) enthält 60% Stärke und kann deshalb zu Mehl verarbeitet werden. In Asien wird das Rhizom zum Teil auch heute noch als Nahrungsmittel genutzt. Bei den Kirgisen, Kalmücken und Jakuten wird das Rhizom in Asche gebacken und wie Brot verwendet. Als in Mitteleuropa Notzeiten herrschten, diente das Rhizom auch hier als Nahrung. Die Stängel wurden früher zum Flechten von Körben und Matten, ähnlich wie Binsen und Weiden, genutzt.

Verwendung als Arzneipflanze

Die Art wurde früher als Heilpflanze genutzt. Rhizom und Samen wa- ren früher unter dem Namen „radix et semina Junci floridi“ im Handel. Innerlich angewandt, sollte damit die Wassersucht bekämpft werden. In äußerlicher Anwendung galten sie als „auflösendes, kühlendes und erweichendes Mittel“ (Steinleiden).

Verwendung als Gartenpflanze

Da die Schwanenblume eine pflegeleichte Staude ist, wird sie gern in Gärten als Zierpflanze kultiviert. Sie gedeiht gut in der Flachwasser- zone von Gartenteichen. Die Schwanenblume eignet sich aber auch für den Miniteich in einer Schale auf der Terrasse oder dem Balkon. Zuchtsorten sind beispielweise die sehr blühfreudige, fast weiße Sor- te „Schneeweißchen“ und die später blühende, lilarote Sorte „Rosen- rot“. Butomus umbellatus kann im entsprechenden Fachhandel für Stauden und Gartenteich erworben werden. Der Natur sollte sie nicht entnommen werden, um ihre Bestände zu schonen.

www.loki-schmidt-stiftung.de

Foto: Dieter Damschen

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