Leerstand zu Wohnraum – Demo am 23.10.2010
18. Oktober 2010 von Mark von Gestern
Brandheiß, News
“Gegen den Irrsinn aus massiver Wohnungsnot und steigenden Mieten bei gleichzeitigem Leerstand setzen wir ein Recht auf Wohnraum. Der vorhandene Leerstand an Büroraum würde Platz für rund 40.000 Wohnungen bieten. Am 23. Oktober 2010 werden wir deshalb mit einer großen und bunten Demonstration zum Astraturm ziehen, um unserer Kritik an der Hamburger Wohnungspolitik Ausdruck zu verleihen. Nicht nur der Astraturm steht leer. Seid kreativ, bringt Möbel, Topfpflanzen, Kopfkissen etc. mit. “
In den vergangenen Jahren sind die durchschnittlichen Wohnungspreise in Hamburg von 8 auf heute 10,25 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Insbesondere in den von beschleunigter Aufwertung (Gentrifizierung) betroffenen Stadtteilen sind die Mieten rasant gestiegen – in Altona-Altstadt in den letzten vier Jahren um 12 % und in St. Pauli sogar um 28 %! Die steigenden Mieten und der zunehmende Bau von Eigentumswohnungen bringen es mit sich, dass sich immer weniger Menschen ihre Wohnungen leisten können und zunehmend aus den innerstädtischen Vierteln verdrängt werden.*

Leerstand zu Wohnraum – Demo am 23.10.2010 um 13.00 Uhr vom Unicampus zum Astraturm in Hamburg.*
“Gegen den Irrsinn aus massiver Wohnungsnot und steigenden Mieten bei gleichzeitigem Leerstand setzen wir ein Recht auf Wohnraum, das unabhängig von Alter, Nationalität oder Geldbeutel für alle besteht. Der vorhandene Leerstand an Büroraum würde Platz für rund 40.000 Wohnungen bieten”, erläutert Silvana Müller vom Vorbereitungsbündnis der Demonstration “Leerstand zu Wohnraum” am kommenden Wochenende in Hamburg.*
“Miethaie zu Fischstäbchen” hieß es bei der Besetzung des Hauses Haus Juliusstraße 40 im Hamburger Schanzenviertel am vergangenen Freitag. Die Aktion ist der “Auftakt der Kampagne Leerstand zu Wohnraum in Hamburg, die von 100 verschiedenen Gruppen unterstützt wird. Denn es heißt, dass in den leerstehenden 1,17 Millionen Quadratmeter Büroraum 40.000 Wohnungen Platz fänden. Die Wut und die Aktion “Leerstand zu Wohnraum” richtet sich angesichts dieses Leerstandes vor allem gegen die Entstehung von immer mehr (leerstehenden) Büroraum. Ob als Abschreibungsobjekt oder als Irrtum.
Ein herausragendes Beispiel für die Absurdität des kapitalistischen Immobilienmarktes ist der Astraturm auf St. Pauli, der nach seiner Fertigstellung 2007 bei einer Gesamtfläche von rund 11.300 Quadratmetern heute zu über 70% leersteht.*
Ich meine daher, nicht die Elbphilharmonie ist das Symbol einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik sondern der neue Astraturm mitten in St. Pauli. Mit ihm das gesamte sogenannte Brauviertel bzw. die Hafenkrone zwischen Davidstraße und Bismarckdenkmal – und nicht die am Reißbrett auf und aus dem Nichts entstandene HafenCity. Der Astraturm und seine kleinen Elbködel, die Perlenkette in Neumühlen zwischen Fischmarkt und Övelgönne. Wirklich zum Kotzen diese Klumpen aus Besserverdienerei in Glas, diese Asozialität am Ufer Altonas. Eben weil es so viel Leerstand von Büroraum in Hamburg gibt, weil Sozialwohnungen in den “attraktiven” Stadtteilen fehlen und offenbar bewusst vernachlässigt werden – und vor alle ist die Perlenkette ein Tritt in den Altonaer Arsch, weil er die Sicht versperrt, versperrt mit Perlen, die keine sind.
taz.de: Hausbesetzung zum Auftakt der Kampagne “Leerstand zu Wohnraum”
FSK: Demo am 23.10.2010, 13 h, Unicampus: Leerstand zu Wohnraum!
de.indymedia.org: „Leerstand zu Wohnraum“ vor dem Astraturm
Facebook: http://www.facebook.com/pages/Leerstand-zu-Wohnraum/162267107120138
“Miethaie zu Fischstäbchen” – und: “Makler zu Milchreis” und “Ahlhaus ins Pfahlhaus”!
* Zitiert von rechtaufstadt.net
Mehr über: Demo, Protest, Wohnungsnot












Die Gentrifizierung von Stadtteilen ist mit Sicherheit ein großes Problem.
Dennoch, es gibt keinen rechtlichen oder moralischen Anspruch in den jeweiligen “Szenevierten” einer Großstadt zu wohnen.
Moralisch und meiner Meinung nach auch rechtlich gesehen haben natürlich zuallererst die Menschen ein recht auf ihre “Viertel” die dort geboren, aufgewachsen und sozialisiert worden sind.
Alle anderen haben sich hinten anzustellen.(Auch ich!)
Warum nun, wie in diesem Artikel, das Astra-Hochhaus als Beispiel für verfehlte Wohnungsbaupolitik herangezogen wird erschließt sich mir nicht.
Ist es vielleicht der grandiose Elbblick den man hätte?
Hafenatmosphäre für arme?
Stände dieses Hochhaus in Jenfeld, Steilshoop oder Osdorf währe es vermutlich absolut uninteressant für die Veranstalter dieser Demonstration.
Deine Einwände sind teilweise nachvollziehbar.
Das Astrahochhaus und das ganze Brauviertel ist ein Skandal. Ich empfehle dazu den Film: Empire St.Pauli.
Es geht nicht unbedingt darum, WER dort wohnt, sondern, dass man es sich offenbar nur LEISTEN KÖNNEN MUSS. Und das ist nicht in Ordnung. Diese Entwicklung gilt es zu korrigieren. Das war der Grund dafür, dass ich erwähne, dass es nicht die HafenCity ist und auch nicht die Elbphilharmonie, die die Probleme machen oder symbolisch darstellen. Wir können das alles an dieser Stelle nicht vertiefen, es wird im Grunde ein gewissen Grundwissen vorausgesetzt bzw. Interesse und Neugier. Und es geht auch nicht um irgendein Hochhaus.
Es geht AUCH darum, das in diesen alten Arbeiterviertel die Bevölkerung gar nicht mehr gefragt wird und offenbar einer perversen Eventkultur weichen muss. Ich erinnere mich an eine Reportage, in der ein Businesskasper in einer der oberen Lounges im neuen Brauviertel an der Davidstraße davon sprach, dass er hier einen besondern Kick verspürt, da da unten ja St. Pauli sei. Das Elend. Da wird krepiert und oben wird geloungt. Von mir aus können wir solche Kanaillen an ihrem Astraturm gleich aufhängen. Da haben sie dann einen authentischen Kick mit Original-Ende am Rande eines Rot-Licht-Viertels …
Vielleicht bist Du auch gar nicht die Zielgruppe.