Meine Theaternacht

Meine Theaternacht

Die Hamburger Theaternacht ist immer etwas Besonders. Je nach Gelegenheit, nutze ich sie, um neue Theater kennenzulernen oder Theater, in denen ich lange nicht mehr war, endlich einmal wieder zu besuchen. Was mir diesmal Besonders gut gefiel, war die Kinder-Theaternacht Kultur-Kinder mit Ausschnitten aus Kinder- und Jugendtheaterproduktionen. Da ich sehr gerne mit meinem 4-Jährigen Töchterchen etwas unternehme und wir gerade am Wochenende als Familie viel miteinander unternehmen, kam uns das gut zu pass.

Und so sind wir ab 16.00 Uhr mit dem Kinderprogramm auf der Bühne am Jungfernstieg in die Hamburger Theaternacht 2013 gestartet. Den Auftakt machten Arne und Chrissi von Radau!, der Kinderrockband. Die kannte unsere Kleine und das war schon mal klasse. Und dann gibt es so richtig los mit Kindertheater, genauer gesagt mit Kindermusicals.

Theaternacht-Bühne am Jungfernstieg

Alexandra Kurzeja Dann kam die große Stunde des Christian Berg samt Ensemble. Die Truppe bringt in der Komödie im Winterhuder Fährhaus Kindermusicals auf die Bühne, was mir bisher unbekannt war. Sie feuerten ein Potpourri ihrer Musicalhit ab, Songs aus dem Das Dschungelbuch, Peter Pan – Fliege deinen Traum, Wachgeküsst: Das Dornröschen-Musical und Lieder aus der aktuellen Produktion Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, die ab Oktober aufgeführt wird. Das war ziemlich klasse und umsonst und draußen. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir das sehen und hören durften und ich habe wieder etwas neues erfahren. Wir werden und in diesem Jahr zur Weihnachtszeit ganz sicher ein Kindermusical im Fährhaus ansehen.

Kinder Theaternacht Bus Linie 407

Gleich danach wollten wir zur Staatsoper, denn die ist ja gleich um die Ecke. Da gerade ein Shuttle-Bus auf der anderen Straßenseite auf Gäste wartete, waren wir so frei und stiegen zu. Ein sehr netter und etwas redseliger Busfahrer, dessen Urlaub eigentlich erst am Montag endete, fuhr uns über den Umweg Kirchenallee (Schauspielhaus/Hauptbahnhof) zu der Haltestelle Alte Post/Staatsoper.

Allerdings mussten wir jetzt feststellen, dass es in der großen Oper erst um 19.00 Uhr los ging, auch wenn man um 17.00 Uhr schon in der Schlange stand. Doch es gab ja noch die Opera stabile und zur Theaternacht sogar die Probenbühne 1, auf der man Ballett und kleiner Aufführen sehen konnte. Doch zu dieser Zeit konnten wir nur in die Opera stabil, die etwas für Kinder anboten: „Spielplatz Musik: Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten. (5 – 8 Jahre) Mit Kathrin Reinhardt und Christoph Rolfes.“ Leider ohne Gesang, nur mit Erzählung, Gestik und allerdings sensationellem Klavier. Der Klang dort war hervorragend, ein Genuss. Nur unsere Maus langweilte sich etwas, denn sie ist ja erst 3 Jahre alt. Ich fand aber, das machte nichts, denn nach all dem Trubel tut ein wenig Muse und Langeweile ganz gut. Ein wenig Erholung für die Süße.

Danach war hier Schluss und wir bequemten uns zurück zur Bushaltestelle und hofften auf eine nützliche Linie, auf den Kultur-Kinder-Shuttle Linie 407, die von 16.00 bis 18.00 Uhr die Kinder zu ihren Theatern chauffierte. Wir wieder Glück, denn in dem ansonsten leeren Bus saß nur die Clownin Peppa Roni … uns bot uns „Charmante Clownerie“. Die war sehr, sehr süß zu unserer kleinen Maus und tatsächlich äußerst charmant. Sie hatte leider schon Feierabend und stieg an den Fliegenden Bauten aus, weil sie in der Nähe wohnte. Das war lustig, wir hatten wir viel Glück und unsere Kleine wieder etwas Tolles erlebt.
http://www.clown-peppa.de/

Charmante Clownerie mit Peppa Roni

MUT-Theater in Eimsbüttel (Sternschanze)

Wir stiegen an Delphi Showpalast aus. Irgend jemand hatte uns erzählt, dass das MUT-Theater IM Delphi Showpalast angesiedelt sei. Aber das stimmte natürlich nicht. Wir waren übrigens nicht die einzigen, denen es so erging, wie man uns dort erklärt. Zum MUT-Theater war es aber von dort gar nicht weit, ein mal um die Ecke biegen und schon standen wir vor dem Aufgang zu diesem kleinen Interkulturellen Privat-Theater, einem Verein in einem Mehrgenerationenhaus. Sehr interessant.

Hier gab es noch ein Kinderprogramm, „Fil und Filye“. Na ja, was hieß Kinderprogramm. Die kleineren bekamen Angst, den die Leute in ihren Löwen- und Elefanten-Kostümen waren schon recht beeindruckend als sprechende Tiere, die offenbar Probleme und Konflikte hatten. Einreise- und Asyl-Probleme offenbar. Keine leichte Kost, obwohl die Figuren recht lustig angelegt waren und die drei Schauspieler durchaus überzeugten.

Kindertheater im MUT-TheaterKindertheater im MUT-Theater

Es ist klein im MUT-Theater und wenn es voll ist, vielleicht etwas unterlüftet. Aber durchaus charmant. Als nächstes gab es einen Ausschnitt aus „Credo“. Ein Monolog einer Frau, die einen Tisch deckt und ihre Gedanken schweifen lässt. Es ist sprachlich eher starker Tobak, da der Text einer Literaturvorlage entstammt, so hatte ich es jedenfalls verstanden. Der Text von Enzo Cormann ist phasenweise recht anstrengend und sehr literarisch. So spricht keine Frau, die einen Tisch deckt, auch wenn Schauspielerin Katja Keßler und Regisseur, Ausstatter und Beleuchter Justus Schwerdtfeger, die Sache sehr gut und mit Leidenschaft umsetzen.

Es ist, wie auch das vorherige „Kinderstück“ eher schwere Kost, was vielleicht dem nicht immer einfachen Stand eines „interkulturellen Theaters“ in einem Mehrgenerationenhaus geschuldet ist. Ich freue mich aber, diese kleine, versteckte Theater Dank der Theaternacht überhaupt kennengelernt zu haben.
http://www.muttheater.de/

Staatsoper: John Neumeiers Ballett „Othello“

Nach einer kleinen Stärkung in Altona, musste meine Kleine zu Bett und ich fuhr noch einmal die Strecke zum Jungfernstieg. Diesmal aber um direkt zur Staatsoper zu gehen. Ich hatte mir fest vorgenommen, nach drei oder vier Jahren endlich mal wieder in die Oper zu gehen. Als ich ankam, sah man schon von weitem eine mehrere hundert Leute umfassende Schlange vom Eingang auf die Colonnaden wachsen. Ich wollte abbrechen und war schon im Begriff umzudrehen, als ich mit bekam, wie ein Ordner zu einem Grüppchen Leuten sprach, dass man trotz dieses großen Andrangs innerhalb von 5 Minuten in die Oper wäre. In einer Viertelstunde würde 1600 Leute auf der anderen Seite die Oper verlassen und diese Warteschlange innerhalb kürzester Zeit abgebaut. Der Mann behielt recht. Obwohl die Schlange hinter mir schnell anschwoll und sogar bis zur Esplanade reichte. Also vom Eingang der Oper in der Kleinen Theaterstraße über die Collonaden bis zu Esplanade. Ungefähr 1600 Menschen eben. Wahnsinn. Nach insgesamt „nur“ 25 Minuten saß ich oben im Parkett genau der Mitte und einen grandiosen Blick auf das Geschehen. Ich wusste ja gar nicht, was da auf mich zukam. In der Warteschlange erfuhr ich, dass es sich um ein Ballett von John Neumeier handeln soll. Ich wollte zwar Arien hören, aber gut. Bisher war ich vom Neumeiers Ballett immer sehr angetan.

John NeumeierJohn Neumeier

Und tatsächlich: Der Meister selbst erschien auf der hellen Bühne und erzählte uns, was es mit dem nun folgenden auf sich hatte. Es waren Ausschnitte aus seinem neuen Stück „Othello“, das bekanntlich aus der Feder Shakespeares stammt. Mit dem hat es der Neumeier, da er immer wieder Stücke von dem genialen Engländer betanzt. So also auch diesmal. Leider ohne Orchester. Das gesamte Stück ist noch gar nicht vollständig einstudiert und auch die Bühne nicht so, wie sie sein sollte. Es fehle ein Fluss im Hintergrund, erklärte uns der Maestro und eine Brücke über den Orchestergraben. Doch trotz fehlendem Orchester war die Musik zu diesem bunten, begeisternden Ballett genial, grandios und unglaublich abgefahren. Moderne, minimalistische, also „Neue Musik“, würde ich sagen, auf keinen Fall etwas klassisches. Überhaupt. Lediglich einige wenige Kostüme erinnerten an die klassische Vorlage, an den Barock, in dem die Geschichte spielt. Ehm tanzt. Brillante Tanzeinlagen, unglaubliche Artistik, packenden Choreografie. Nicht nur ich war begeistert, das gesamte Publikum war hingerissen von dieser Aufführung.

Tatsächlich handelt es sich um eine Wiederaufnahme. Zwar ist die Aufführung am 15. September 2013 in der Staatsoper dort eine Premiere. Das Stück wurde jedoch schon 1985 auf Kampnagel uraufgeführt. Die Musik stammt im Übrigen von Arvo Pärt, Alfred Schnittke, Naná Vasconcelos
u.a. von denen ich bisher noch überhaupt nichts gehört habe. Choreografie, Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme hat der Meister selbst entworfen, stammen von John Neumeier. Absolut sehenswert. Wenn das mit Orchester umgesetzt würde, wäre es nachgerade genial, so meine ich.

Tolle Nebengeschichte: Ich saß in der Staatsoper neben sehr jungen Leuten. Links von mir ein junges Pärchen Anfang 20, rechts 6 Mädchen im Alter von 8 – 13 Jahren. Das war sehr interessant. Bei dem Liebespärchen war es so, dass ER noch nie in der Oper war, geschweige denn, je ein Ballett gesehen zu haben, während sie schon einige Male in einer Oper war. Ich erklärte ihm, dass in einem Ballett nicht gesunden, sondern die Story, die es hier natürlich auch gibt, getanzt wird. Aha.

Das 13-Jährige Mädchen neben mir, fragte ich, wie sie zum Ballett gekommen sei, ob sie selber tanze oder warum sie hier wäre. Sie tanze nicht, außer eine der Mädchen, die als Hobby Ballett tanzt, also ohne großen Ehrgeiz, tanze niemand der anwesenden Kinder. Aber sie selbst, sie liebe Ballett, sie fände das einfach toll. Und tatsächlich, sie sah nicht nur sehr gespannt der Aufführung zu, sondern klatschte auch begeistert am Schluss des Stückes. Rührend. Mich hat das sehr gefreut. Ich freue mich immer, wenn sie junge Menschen für etwas begeistern können, also etwas, dass nichts mit Smartphones, Internet, Gaming, Party oder Popstars zu tun hat.
http://www.hamburgballett.de/

Opernloft Caffamacherreihe

Nach dem Ballett in der Staatsoper machte ich mich auf den Weg in die Caffamacherreihe, ist ja nur zwei Mal um die Ecke. Im Opernloft war ich noch nie, obwohl ich schon viel davon gehört hatte und auch die Newsletter erhalte. Bisher hatte ich aber noch nicht geschafft, ein Stück im Opernloft zu besuchen. Da war ich sehr gespannt.

Das Opernloft Das Opernloft befindet sich im SPRINGER-Gebäude, die Lobby der Loft sehr freundlich eingerichtet, Knautschensembles laden zum relaxen in den warm beleuchteten Kuschelecken. Die Servicekräfte sind sehr freundlich und zugewandt, alles in allem sehr nett. Die Räumlichkeiten sind recht großzügig angelegt, man muss etwas Laufen bis man endlich den Saal findet und Platz nehmen kann. Die Einrichtung ist spartanisch, der Raum länglich und hell, am oberen Ende eine kleine Bühne.

Hier gab es zur Theaternacht den sogenannten Sängerstreit. Drei Operndiven und ein Tenor saßen auf der Bühne und sangen abwechseln einige Arien. Ausschnitte aus Arien, denn nach ca. 90 Sekunden dröhnte ein Buzzer, das den Sangeskünstlern signalisierte, zu einem Ende zu kommen. Begleiten wurde sie Live von einem Klavier. Der Sängerstreit war aufgeteilt in einzelne Runden, die ein bestimmtes Motto oder Thema hatten, etwa „Gott sei Dank, es geht mir schlecht“ oder „Die perfekte Welle“. Gesungen wurden natürlich Arien aus den Produktionen, die im Opernloft aufgeführt wurden oder werden. Nach dem alle vier Künstler gesungen hatte, wurden Fragen an das Publikum gestellt, wie beispielsweise nach dem Titel es Liedes oder nach dem Geburtsjahr des Komponisten. Die richtige Antwort wurde mit einem Pflaumenschnaps belohnt. Oder war es anderes Zeugs. Ich hatte das Geburtsjahr von Verdi korrekt in den Saal gerufen und gewann einen Schnaps, des ich jedoch an meine Sitznachbarin weitergab. Muss es denn immer … Alkohol sein?

Insgesamt war die Sache aber sehr lustig und auch unterhaltsam. Es war ein kommen und gehen und ich werde sicher demnächst mal eine Oper dort anschauen. Vielleicht La Traviata
Oper in kurz – für Erwachsene. Oder mit meinem Töchterchen eine Sache für kleiner Kinder ab 3 Jahren. Das Opernloft ist offensichtlich sehr zuschauerfreundlich und nimmt die Sache leicht und luftig. Das ist sehr erfreulich und bietet einen anderen Zugang zur Oper, die ja von Hause aus eher schwere Kost ist.
http://www.opernloft.de/

Lichthof Theater Bahrenfeld

Jetzt war es schon spät, nach elf Uhr. Und auf dem Heimweg – das Grauen in der S-Bahn Richtung Reeperbahn und ein absolutes Kontrastprogramm zur charmanten Theaternacht – schaut ich mir den Plan an, welches Theater in Altona noch etwas bot. Das Altonaer Theater machte nicht bei der Theaternacht nicht mit, weil es umgebaut wird. Thalia in der Gauß-Straße war schon vorbei und ins Monsum-Theater wollte ich nicht, wegen den sehr negativen, selbst zerstörerischen Sauftexten von Cash for Bukowski. Das Lichthoftheater hinten in Bahrenfeld, das hatte noch auf und spielte bis zum Schluss um 1.00 Uhr morgens. In dieser Theater wollte ich immer schon einmal gehen, aber es liegt sehr versteckt und relativ unzugänglich im 2 Stock eines Bürogebäudes am Rande des alten Gaswerks in Bahrenfeld.

Impro-Theater der S-Klasse

Um diese Zeit hab es „Impro-Theater der S-Klasse“ vom Ensemble Steife Brise. Um die Improvisation nicht zu stören, wurde nur jede Stunde aufgemacht und Publikum herein- oder abgelassen. So fand ich Gelegenheit mit der Gründerin und Künstlerische Beraterin des Lichthofs Theaters Maryn Stucken
zu sprechen. Man sei auf der Suche nach einem anderen Standort, da dieser hier doch recht abgelegen sei. Man wünsche sich etwas in Altona, weil man hier schon so lange leben und arbeiten würde. Große Bergstraße könne man sich vorstellen. Ich machte den Vorschlag, doch man in Richtung HafenCity zu schauen. Das hätte man auch schon von anderer Seite gehört, man fürchte aber, auch dort eher etwas abgelegen ein neuen Theaterplatz zu finden. Dabei sei gerade wieder die Anbindung der HafenCity im Fokus der Verantwortlichen. Beispielsweise verkehre ein Bus direkt vom Altonaer Bahnhof in die HafenCity, mit dem man in 20 Minuten dort wäre. Weiß nur kaum jemand. Außerdem würde die HafenCity Hamburg GmbH und die Hamburg Marketing GmbH eine Menge für den Standort tun und wären sicher gerne bereit an dieser Stelle zu unterstüzten. Mal sehen, ist nicht einfach, einen neuen Standort für ein kleines, sehr persönliches Privat-Theater zu finden.

Dann gings hinein, in den doch recht großzügigen Theatersaal, in dem die 4 Schauspieler der „Steifen Brise“ plus ihren Pianisten Markus auf den nächsten Schub Zuschauer warteten. Viele Leute blieben indes sitzen und es passten doch relativ viele Menschen Platz auf den Rängen. Und so erlebte ich noch eine recht lustige, kurzweilige Stunde Improvisations-Theater, was ein schöner Abschluss zu einer rundum gelungenen Theaternacht 2013 war.
http://www.lichthof-theater.de/

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