Entdeckungen bei der Hamburger Theaternacht

Entdeckungen bei der Hamburger Theaternacht

Keine Ahnung, wer die Theaternacht verpasst und warum. Wenn man krank ist, um Urlaub oder wenn man Schichtdienst hat. Aber sonst gibt es nur wenig Ausreden. Denn man verpasst richtig was. Zum Beispiel Neuentdeckungen. Oder man schaut sich mal ein Stück an, dass man immer schon mal sehen wollte, aber bisher noch nicht traute. Ich finde die Theaternacht jedenfalls richtig toll und freue mich, dass ich auch diesmal dabei sein konnte. Hier nun meine Entdeckungen in der Hamburger Theaternacht 2014.

Unser Plan für die Theaternacht sah so aus, dass wir schon ab 16.00 Uhr mit unserer Tochter starten. Denn am späten Nachmittag gibt es Theater für Kinder. Da wir gegenüber des Galli-Theaters in Ottensen leben, fingen wir dort am 15.30 Uhr an. So kamen wir jedoch nicht rechtzeitig zum Jungfernstieg, auf dem die Hauptbühne der Theaternacht stand. Vor allem, weil wir versehentlich in den Jazztrain gerieten.

Kein Platz für Kinder am Jungfernstieg?

Danach aber dann das Programm der Theaternacht. Mich wunderte allerdings, dass schon ab 17.00 Uhr nur noch ältere Herrschaften vor der Bühne am Jungfernstieg Platz fanden und diesen konsequent besetzten. Man fieberte offenbar dem Auftritt von LaLeLu (der übrigens wirklich toll war) entgegen. LaLeLu aber macht kein Kinderprogramm. Ich wies noch Moderator Yared Dibaba, der mir gegenüber nicht so freundlich drauf war, auf den Missestand hin, was er auch ansprach. So fand mein Töchterchen und andere Kinder doch noch Platz vor der Bühne.

Ich fand es aber schade, dass das Kinderprogramm auf dieser Bühne gerade mal eine halbe Stunde lang dauerte und sofort danach sämtliche Sitzbänke von feisten Rentern besetzt wurde, die darauf drängen, Spaß zu haben. Die Kinder hatte man irgendwie vergessen. Kein schönes Gefühl. Wir flüchteten in die Staatsoper und hofften auf Besserung. Allerdings nicht ohne in die Siegerehrung des E.ON Hanse AlsterCups 2014 hineinzulaufen.

Siegerehrung am Hamburger Jungfernstieg

Unser Weg durch die Hamburger Theaternacht

Endlich standen wir mit hunderten, vielen, sehr vielen hunderten Hamburger vor der Staatsoper an, um 19.00 Uhr die erste Vorstellung zu sehen. Ich wollte meiner Kleinen mal die Oper zeigen und wie dort Ballett getanzt wurden. Wir hatten außen ganz vorne einen wunderbaren Balkon und konnten alles sehen. Es gab eine Aufführung der Ballettschule des HAMBURG BALLETT – John Neumeier und zwar den „Karneval der Tiere“ (Ballett von Demis Volpi). Aber wieder kein Orchester, die Musik kam vom Band. Leider. Für mich schon das 2. Mal, dass ich Ballett ohne Orchester sehen muss. Das mache ich nicht noch mal, so viel ist sicher. Denn mit Orchester ist das eine ganz andere Sache.

Danach ging es schnurstracks zum Thalia Theater, weil wir dachten, ein Musical, das dort um 20.50 Uhr gegeben werden sollte, wäre auch was für kleiner Kinderchen. Man befand sich noch in den Proben, aber gab eine kleine Preview von Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical mit der Hamburger Band Trümmer. Fantastisches Bühnenbild und Kostüme. Die Musik, na ja, schwerer Sixties-Rock würde ich sagen. Leicht Psychedelisch, nicht jedermanns Sache.

Zuvor aber wurde die Souffleuse, dessen Namen ich nicht mehr rekonstruieren kann, vorgestellt, denn die Schauspielerin war u. a. die Deutsche Synchronstimme von Brigitte Bardot. Das war ganz interessant. Was nicht so gut war beim Thalia war die Organisation. So mussten wir warten, ohne zu wissen, ob wir rechtzeitig reinkämen. Es gab zwar interessante Gespräche mit den jungen „Vorraum-Damen“ des Thalia, aber im Gegensatz zu anderen Theatern wurden die Leute nicht ausgetauscht, so dass alle Besucher eine Chance hatten. Vorne hörten wir jedenfalls wie infernalisch laut „Romeo & Julia“ im Thalia inszeniert ist. Wahnsinn.

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical

Jetzt gings aber mit dem Bus nach Hause. Vom Jungfernstieg fuhr der Shuttle 401 quasi direkt vor unsere Tür beim Galli-Theater. Jetzt war unsere Maus auch eingeschlafen. Ich aber schwang mich auf meinen Motoroller und düste in die Hamburger Kammerspiele, um einen Blick auf die Inszenierung „Der Kontrabass“ (siehe unten) zu werfen. Fantastisch. Stefan Schad spielt den Bassisten brillant und ich will mir das Stück unbedingt ansehen.

Danach, husch-husch, zurück in die Staatsoper zur „Verrückten Stunde“. Hier sollte es noch was zu lachen geben, aber das Programm war leicht im Verzug. Also wieder warten. Gab aber ein nettes Gespräch mit einem älteren Paar aus Island, das bei uns in Hamburg lebt und die Hamburger sehr mag. Dann endlich ging es wieder rein in den Laden und ich hatte ganz hinten mittig einen wunderbaren Platz im Parket. Jetzt trat das Kabarett-Duo Alma Hoppe auf und es tut mir wirklich leid, aber ich finde die absolut nich lustig. Ich liebe Kabarett, aber das hier macht nur wenig Spaß, vor allem Nils Loenicker ist viel zu platt, arbeitet mit krassesten Klischees. Da war der „Newcommer Lutz von Rosenberg Lipinsky eine echte Erlösung. Er packte uns alle, die ganze Oper beömmelte sich, dass es die Reinste Freude war.

Am Ende noch einmal LaLeLu mit einer Frisör-Version des Gassenhauers aus der Oper Carmen. Jetzt war es schon halb zwei, jetzt war es aber auch gut.

Lutz von Rosenberg Lipinsky

Angst. Macht. Spaß.
Ein Programm über das Leben vor dem Tod
Goldbekhaus
Bühne zum Hof
Moorfuhrtweg 9, 22301 Hamburg
Samstag 27. September 2014 um 20.00 Uhr
AK 16,50 / 14,- | VVK 14,- / 12,- (zzgl. evtl. anfallender VVKs-Gebühren)

Alma Hoppes Lustspielhaus
Ludolfstr. 53, 20249 Hamburg
Sonntag, den 19. Oktober 2014 um 20.00 Uhr
Preise n.n.

LaLeLu a capella Comedy aus Hamburg

Alma Hoppes Lustspielhaus
Ludolfstr. 53, 20249 Hamburg
Von Dienstag, den 16.September 2014 bis 20. September 2014, jeweils um 20.00 Uhr
Preise n.n.

Charles Manson: Summer of Hate – Das Musical Ein musikalischer Trip zwischen L.A. und dem Death Valley

Uraufführung am 26. September 2014 im
Thalia Theater
Alstertor 1, 20095 Hamburg
Weitere Termine siehe Spielplan
Preise 13,50 bis 66,- Euro

Der Kontrabass

von Patrick Süskind
Mit Stefan Schad (und Henning Kiehn), Regie Max Claessen
Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11, 20146 Hamburg
Termine
Montag, den 29. September 2014
Dienstag, den 28. Oktober 2014
Dienstag, den 4. November 2014
Montag, den 8. Dezember 2014
Jeweils um 20.00 Ihr
Preise von 9,- bis 40,- Euro

Resümee der 11. Hamburger Theaternacht

Zum 11. Mal fand schon die Hamburger Theaternacht statt – und das bei trockenem, heiterem Wetter! Heiter war dann auch die Laune der rund 14.000 Besucher. Die konnten in 42 Spielstätten all das erleben, was Hamburg zur sprichwörtlichen Theaterstadt macht.

Im Schnitt besuchten die Theatergänger zwischen 19 Uhr und 1 Uhr vier Bühnen. Von Haus zu Haus gelangten sie auch in dieser Theaternacht wieder hauptsächlich mit den speziell für den Event organisierten 50 Bussen, die auf sechs Shuttlebus-Linien die Theater miteinander verbanden. Publikumsmagneten waren wieder die großen Häuser, doch viele Besucher nutzten die Nacht auch, um in Theater „hineinzuschnuppern“, in denen sie zuvor niemals waren – für viele hoffentlich der Beginn einer langjährigen Freundschaft.

Die Theaterszene hatte sich mächtig ins Zeug gelegt: Ob Tanz oder Gesang, ob Tragödie oder Komödie, ob Rock, Musical oder Klassik – die Bandbreite dessen, was geboten wurde, konnte sich sehen lassen! Auch das erweiterte kulinarische Angebot, das einige Theater bereithielten, wurde dankend angenommen. Erstmals gab es am Knotenpunkt auf dem Jungfernstieg, zentrale Anlaufstelle für alle Busse, die Theaternacht Lounge, in der Rindchen’s Weinkontor für genüssliche Momente sorgte. Auf der großen Bühne direkt daneben führte Yared Dibaba charmant durch den Abend und die Nacht und präsentierte auch dort viel Programm aus den Theatern.

Den Kaffee zum Durchhalten gabs im traditionellen Hamburger Theaternacht-Becher, der 700fach aufgelegt und in diesem Jahr von Corny Littmann gestaltet wurde. Die Erlöse aus dem Becher-Verkauf und die Überschüsse aus den Ticket-Einnahmen kommen dem Rolf Mares Preis zugute. Der wird in diesem Jahr am 27. Oktober 2014 in den Hamburger Kammerspielen für herausragende Leistungen im Hamburger Theaterleben verliehen werden.

Ein besonderes Vergnügen war in diesem Jahr der Besuch des Theater-Nachmittags: In zehn Theatern gingen schon ab 16.00 Uhr die Vorhänge hoch für den Besuchernachwuchs: Hier gab es Kinder- & Jugendtheater. Besonders schön: Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre hatten in Begleitung eines erwachsenen Theaternacht-Besuchers freien Eintritt! Die traditionelle Theaternacht-Party, in diesem Jahr im Ohnsorg-Theater steigend, endet heute Nacht um 400 Uhr.

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