Diplominszenierungen 2011 der Theaterakademie Hamburg auf Kampnagel

An diesem Wochenende in Hamburg inszeniert Ivna Zic sein Stück „Roman in acht Monologen für acht Schauspielerinnen in weißen Hochzeitskleidern“ über Einsamkeit, die Heimatlosigkeit und die Unmöglichkeit der Liebe. Schwer Stoff, aber eben Theater im Rahmen der diesjährigen Diplominszenierungen der Theaterakademie Hamburg auf Kampnagel.

Nach den ersten drei Abschlussarbeiten der Hamburger Regiestudierenden im Januar und Februar 2011 geht es jetzt weiter mit den Inszenierungen auf Kampnagel von Ivna Zic und Christopher Rüping. Die scheint ein Kampnagel-Wochenende zu werden.

Rückblick

Es lohnt sich zweifelsohne, die Stücke kommen sehr unkonventionell und intensiv rüber. Das Publikum ist meist ganz genau so und ebenso jung wie die Protagonisten. Ich konnte schon im Januar das Stück Dreileben – ein Projekt übers Sterben sehen und war schlichtweg begeistert.

Denn alleine das Thema ist ein wunderbares: Junge Menschen begegnen dem Tod, in dem sie Menschen interviewen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden und bald sterben müssen. Sie lassen sich ihre Geschichten, ihre Lebensgeschichten erzählen und sich davon berühren. Das Stück ist unglaublich authentisch, ganz leicht trotz des schweren Themas, mit wundervoller Musik und eigenartig berührenden wie verstörenden Bildern und Gesten verwoben, so dass man sehr tief eindringen kann in die Schicksale dieser Menschen. Und das im Theater. In dieser Form. Von serhr jungen Menschen.

Hier der leicht irritierende Begin des Stücks, der einen aber auf eine gewisse Art erst öffnet für das Thema. Da ich selbst schon mit Sterbenden, tot kranken Menschen gearbeitet habe, kam mir dieses Stück und die Geschichten, die dort erzählt wurde sehr bekannt vor. Man hätte dieses Thema nach meinem Empfinden nicht besser auf eine Bühne bringen können. Alle Beteiligten waren wirklich toll. Berührt hat mich, ich sagte es schon, die Musik und die Stimme von José Barros, der aus Chile stammt. Aber diese ganze Diplominszenierung war ein ungewöhnlicher Leckerbissen, für den ich dankbar bin. Ich glaube, es wäre für alle jungen Menschen gut, sich auf diese Art dem Lebensende zu näheren, im Zivildienst, Hospiz, im freiwilligen sozialem Jahr. Das Dasein dreht sich nicht um Facebook, sonder die Existenz ist eine sehr geheimnisvolle und einzigartige Erscheinung. Was machen wir damit?

Was ist das Leben? Was ist unser Schicksal? Wie banal und gleichzeitig tief ist unser Dasein, unser tägliches Dasein mit den vielen kleinen Spinnereien, unseren seltsamen Beziehungen, unseren Glücksmomenten, kleinen Erfolgen und den Dramen, die nicht hätten sein sollen, aber die dem ganzen diesen ganz besonderen melancholischen Hauch geben, den man nur empfinden kann, wenn man sich einlässt auf dieses Leben … und sein manchmal bitteres, manchmal unerträglich banales Ende.

Dreileben – ein Projekt übers Sterben.
Von und mit Cornelia Dörr, José Barros und Marie Seiser
Regie Gernot Grünewald
Dramaturgie Hannah Kowalski
Bühne Christiane Blattmann
Musik Daniel Sapir
Video Jakob Engel, Jonas Plümke


Ausschnitt aus „Dreileben – ein Projekt übers Sterben“. Diplominszenierung 2011 von auf Kampnagel Hamburg

Die Diplominszenierungen 2011 der Theaterakademie Hamburg, Hochschule für Musik und Theater in Kooperation mit Kampnagel sind gefördert durch: Dr. Margitta und Dietmar Lambert-Fonds – Stiftungsfonds unter dem Dach der Hamburgischen Kulturstiftung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Und dieses Wochende jetzt:
Roman in acht Monologen für acht Schauspielerinnen in weißen Hochzeitskleider von Ivna Zic
Samstag, den 12.03. und Sonntag, den 13.3.2011 jeweils um 19.30 Uhr
Im K1, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt 12,- € (8 ,- € erm.)

Kampnagel Kulturfabrik, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg – Map

Hinterlasse eine Antwort

*