Work in Progress 14 – Kongress  für Gute Arbeit

Work in Progress 14 – Kongress für Gute Arbeit

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Kreativgesellschaft findet auf Kampnagel ein weiterer Kongress zu Zukunft der Arbeit statt. Work in Progress 14 – Gute Arbeit nennt sich das Stück über intellektuelle Arbeitskultur und kann am 13. und 14. März in Hamburg-Barmbek besichtigt werden.

Muss man da hin? Nein.

Man kann zwar spannende Leute treffen, muss man aber nicht. Die Sache wirkt zuweilen leicht elitär und Menschen, die man früher mal Arbeiter nannte, kommen da gar nicht vor, bei den Diskussionen über „gute Arbeit“. Das ist bezeichnend und sagt eigentlich alles. Besserverdienende unter sich. Ich habs da erlebt: Jammern auf hohem Niveau. Aber auch tatsächlich sehr interessante Beiträge und Diskussionen.

„In Keynotes, Vorträgen, Podien und freien Formate, sowie durch Lesungen und Theaterbeiträge ergänzt, erwartet die Besucherinnen ein vielfältiger Einblick in aktuelle Diskussionen zu der im Wandel begriffenen Arbeitswelt.“

Hm. „Die diesjährige Keynote zum Auftakt wird Prof. Robert Pfaller halten, Philosoph und Professor an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In seinem Vortrag über die „Die Schönheit des halben Lebens“ wird er erläutern, wie unser tägliches Leben mit all seine Mühen, Frustrationen und Kompromisse mit unseren Träumen, Wünschen und Illusionen zusammenhängt.

Tja. Da sind wir nun angekommen: Um unser Leben und uns selber zu verstehen, um im ganz normalen alltäglichen Wahnsinn zu bestehen, muss man studiert haben. Am Besten, man ist gut bezahlter Professor für angewandte Kunst oder Philosophie, lässt ein paar klasse Gedanken ab, macht voll den Speaker und lässt sich gut dafür bezahlen.

Der Rest macht einfach weiter im Hamsterrad, ist total geil auf was mit Medien, liebt das Internet und die ganzen Möglichkeiten und all den andern Scheiß, ist total kreativ und hat Langeweile am Wochenende – dann ist er vielleicht richtig hier bei Work in Progress ´14. Ich bin es jedenfalls nicht.

Denn da geht es um „Vernetzte Arbeit – Startups bauen eine neue Wirtschaftsordnung“? Jaja. Natürlich. Witzig geht es weiter mit „Work-Life-Bullshit“, auch fürn Arsch, wenn man keine Kinder hat. Fragen werden zu beantworten versucht, die sich nie jemand gestellt hat: „Ist Arbeit nur das halbe Leben?“ Moderner Bullshit nimmt Raum ein unter dem Titel „Feelgood – wenig schlecht. Aufgaben und Argumente für ein Feelgoodmanagement in Unternehmen“. Später denkt man über „Gehirnwäsche für Führungskräfte“ nach. Holm Friebe, ein Kumpel vom Sascha Lobo, spricht aus seinen Werken zum Thema „Die Stein-Strategie – Von der Kunst, nicht zu Handeln“, was mir schon eher liegen würde. Sinnlose Diskussionen betiteln sich mit „Ein utopisches Streitgespräch: Grundeinkommen versus 30 Stunden-Woche“. Ich mache nicht „Arbeitsfrei – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen“, schaue nicht den Film, den wir alle längst auswendig kennen „Frohes Schaffen – Ein Film zu Senkung der Arbeitsmoral“, interessiere mich nicht für „Born Rich – Die anonymen Milliardäre“ und „Die verpasste ‚Great Transition‘? Wege zur nachhaltigen Transformation unserer Wirtschaft – ein Realitätscheck“ geht mir komplett am Arsch vorbei. Denn ich bin für „Freiheit statt Vollbeschäftigung“ und für ein Wochenende mit Kindern und Familie statt mit Rüpeln aus der intellektuellen Arbeitswelt und ihrem stets griffigen und zugegeben unterhaltsamen Unfug.

Work in Progress ´14

Hamburger Kongress zur Zukunft der Arbeit
13. – 14. März 2014
Eintritt € 10,- bzw. 20,- EUR

Kulturfabrik Kampnagel

Jarrestraße 20
22303 Hamburg

http://www.work-in-progress-hamburg.de/

Hinterlasse eine Antwort

*