newTV Kongress 2010 in Hamburg – Fernsehen sucht neue Wege

Zum 2. Mal veranstaltete Hamburg@Work den spannenden nexTV-Kongress in Hamburg. Die Konferenz suchte „Fernsehen auf neuen Wegen“, so der Untertitel, oder vielmehr eine fette Cash-Cow. Die hochkarätigen Referenten gaben in der neuen Südtribüne des Millerntorstadions auf St. Pauli einen spannenden Einblick in die Zukunft des Fernsehens. Auch das Networking kam nicht zu kurz.

Über Xing gewann ich eine Freikarte im Wert von € 250,- zu dieser TV-Konferenz. Nicht nur die Loaction war toll – die neue Südtribüne des Millerntorstadions – auch die Referenten waren es. Das Highlight gleich als vorweg: Die Keynote von Rahul Chakkara, „Controller of TV Platforms in Future Media & Technology“ bei der BBC, London.

BBC bei nexTV Kongress Hamburg 2010Er sprach über die BBC und wie sie sich auf die Zukunft des Fernsehens einstellt – und schon eingestellt hat. Die BBC macht es multimedial schon seit Jahren vor, wie es geht. Der BBC-iPlayer ist dabei eine echte Innovation und ist für sämtliche Plattformen verfügbar – oder wird verfügbar sein. Für das TV, kabelgestützt oder per Satelit, auf Mobiltelefonen oder im Netz. Alle Angebot der BBC werden weiterhin kostenlos sein, gerade die News, das Herzstück der BBC. Diese Aussage machte deutlich, wie engstirning die deutschen Medienmacher teilweise sind. Um die vielfältigen Angebote in Zúkunft über den iPlayer auf dem TV-Gerät zu empfangen, soll es genügen, eine entsprechende Box im Laden für vielleicht € 20,- zu erwerben und das wars. Die Technik dafür soll einfach, plattformübergreifend und ein Standard werden.

Um es klar zu stellen: Ich verstehe nichts vom Fernsehen. Weder von der Technik, noch von der Produktion. Aber ich kenne das Internet. Es hatte sich denn auch im Vorfeld dieser Konferenz nicht recht vermittelt, aber die Zukunft des Fernsehens ist eng verknüpft mit der Zukunft des Internets. Chakkara drückte es so aus: „Internet comes to TV. It is no a question if, rather when.“ Und schon fiel das Wort vom „Fernsehen demokratisieren“.

Viel TV durchs InternetDarauf läuft es also hinaus – und das ist natürlich lange schon klar: Auf Hybrid-TV. Das bedeutet im Grunde, dass alle Inhalte zusammenfließen. Über den TV-Screen werden die Inhalte, also die Filme oder was auch immer, angesteuert und betrachtet. Hybrid meint hier, dass dabei sämtliche Quellen genutzt werden. Ob Fernsehsender, Bezahlfernsehen, YouTube-Videos oder überhaupt das Internet. Es ist anzunehmen, dass alles darauf hinausläuft, wie Torsten Hoffmann von Global Media Consult meinte, dass es „viele kleine Plattformen, statt wenige große Deals geben wird“. Denn, wie er weiter ausführt: „Es liest ja keiner mehr Websites! Sondern die Leute wollen Video-Content haben!“

Anmerkungen aus dem PublikumUneins war man sich am Ende über die Refinanzierungen dieser Systeme. Ob hier die schon erwähnte Box oder Abonnements, die klassische Werbung oder Pay per View (ca. 10 Cent pro Serie) das Cash-Cow-Rennen macht, war in der Diskussionsrunde umstritten. Es wird sich zeigen, meinte Jan Wendt, Geschäftsführer der MMH MediaManagementHamburg. Überhaupt war er es, der immer wieder darauf behaarte, doch das Verhalten der Nutzer abzuwarten, anstatt dies spekulativ vorauszusagen. Sehr bodenständig, aber alles andere macht wahrscheinlich kaum Sinn – der User entscheidet. Denn dafür gibt es ja diese Vielfalt. Sicher ist: Hybrid erklimmt den Fernsehhimmel, wie ONEtoONE findet.

Moderatorin Susanne ReimannDas Fernsehen wird anders, aber es wird nicht verschwinden. Robert Amlung vom ZDF, Beauftragter für digitale Strategien und beim Zweiten Mitglied der Geschäftsleitung, machte sehr schön die Stärken des klassischen Fernsehen deutlich. Nämlich alles was Event-Charakter hat, wie etwa Wetten, dass … ? oder aktuell die Olympiade in Vancouver wird es noch sehr lange in der jetzigen Form geben. Im Übrigen kämpfen die Öffentlich-Rechtlichen mit einigen Rechtshürden, sind aber im Social-Media-Bereich weit vorne.

Jan Wendt dazu: „Genauso wenig, wie das Web in 15 Jahren Print verdrängt hat, wird das Internet-TV die Fernsehsender überflüssig machen!“ Aber di DVD-Regale, die werden verschwinden. Das heißt, wer jetzt noch eine Videothek hat, kann langsam schon mal einpacken.

Für mich als Webdesigner ist das mehrfach erwähnte CE-HTML oder das neue HTML-5, vor dem der Flash-Riese ADOBE erzittert, interessant. Daran froscht unter anderem auch das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme in Berlin. Es geht dabei um Darstellung und Technik, um die On-Screen-Widgets des Hybrid-TVs. Das Fernsehen steht „vor einem neuen großen Sprung, wie damals 1984 bei der Einführung des Privat-Fernsehns“, hieß es auf dem Kongress.

Screen mit TV-Services im InternetDie Schlagworte von Gert von Manteuffel (T-Home Entertainment) waren: Fernsehen als integratives Erlebnis; mehr Relevanz statt (noch) mehr Inhalte; Paid-TV ist das neue „bessere“ Fernsehen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, sollen wir Fernseher es zwar (technisch) einfacher (d.h. zugänglicher) haben, aber noch mehr bezahlen und ständig jeden Tag noch mehr entscheiden (was wir sehen wollen).

Wo bleibt, diese Frage, lag mir die ganze Zeit auf der Zunge, wo bleibt das Gemeinschafts-Erlebnis Fernsehen? „Hast du das Spiel gesehen? Gestern die Serie? Wie fandest du den? Was machst du später?“

Wollen mal sehn!

Surf-Tipps (und Refinanzierungsbeispiele) aufgeschnappt von der newTV-Konferenz Hamburg 2010 – Vielen Dank an alle!
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