11bar Kreativ Camp Hamburg 2011 auf der MS Stubnitz

Es war das erst „BarCamp“ dieser Art in Hamburg. Organisiert von der im letzten Jahr gegründeten Hamburg Kreativgesellschaft und dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes beim RKW, Regionalbüro Hamburg fand auf dem Rostocker Kultuschiff MS Stubnitz im Hamburger Baakenhafen das 11bar Kreativ Camp 2011 statt. Es fanden sich Köpfe aus Kultur- und Kreativwirtschaft zu zwei spannenden Tag in der zu Zeit abgefahrensten Location in Hamburg zusammen.

Die Gästeschaar auf der Stubnitz im Hamburger Baakenhafen hinter dem Hamburger Großmarkt war mit ca. 200 Piepeln durchaus überschaubar. Es konnte zwar jeder kommen, wie bei einem BarCamp (umsonst und gesponsort) üblich, mit oder ohne vorherige Anmeldung. Die meisten aber wurden wie ich eingeladen, das sie mit den Veranstaltern Hamburg Kreativ Gesellschaft und des Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes beim RKW, Regionalbüro Hamburg (in Persona Frank Lemloh) hier und dort schon zu tun hatten. Es war zwar nicht ganz die richtige Jahreszeit, aber die MS Stubnitz für dieser erste kleine Hamburger Kreativ-Camp zu wählen, fand ich ganz fantastisch.

Endlich eine Gelegenheit, dieses „Projekt Stubnitz“, das Motorschiff Stubnitz – mobile Basis für internationale Kommunikation, näher kennen zu lernen. Denn das war auch der Inhalt eines Panel, einer der ersten Sessions auf dem 11bar-Camp.

Rostock ist der Heimathafen dieses ehemaligen Kühlschiffs der DDR-Hochsee-Fischfangflotte. Noch heute besitzt der Kahn eine Fahrterlaubnis als Frachtschiff in der internationalen Fahrt. Es braucht 12 ausgebildete Seeleute, um das Schiff zu fahren. Und machte es in verschiedenen Hafenstädten in Nord- und Ostsee fest, um die lokale Musik dort aufzuzeichnen. In der Tat können lokale Bands auf der Stubnitz auftreten und bekommen dafür eine DVD mit einem live geschnittenen Videos und eine Audioaufnahme, die den besonderen Sound, der im Bauch des Schiffes unter der Wasserlinie entsteht, aufgefangen hat.

Hier mein Video vom Stubnitz-Panel auf dem 11bar Camp Hamburg:


http://www.stubnitz.com stellt sich vor

Wirklich spannende Geschichte. Die Stubnitz finanziert sich übrigens zu über 85% selbst über die Veranstaltungen. Sie bleibt noch bis Ende Februar in Hamburg, bevor sie zurück nach Rostock tuckert. Im Mai dann kommt sie zurück und nimmt dann wohl auch am Hamburger Hafengeburtstag teil. Das wäre doch mal was.

Natürlich gab es noch ganz andere Panels, die nicht weniger interessant waren. Da diese teils gleichzeitig laufen, wie es bei einer solchen Un-Konferenz üblich ist, bekommt man nicht alles mit. Manchmal ist das sehr schade und es bleibt einem nur die Hoffnung, dass die Session aufgezeichnet wurde und später im Netz zur Verfügung steht. Auch dies ist bei dieser Art Camps üblich. Für die Veranstalter und die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer war es aber das erste „BarCamp“. Und das merkte man. Es bekommt dann einen ganz eigenen Charme. Vor allem auf der MS Stubnitz.

Übrigen: Die Elf in 11bar meint die folgenden 11 Bereiche die unter „Kultur- und Kreativwirtschaft“ firmieren:
Architektur
Darstellende Künste
Filmwirtschaft
Musikwirtschaft
Rundfunk
Werbung
Bildende Künste
Design
Literatur & Buchmarkt
Presse
Software & Games

Dafür waren es wirklich wenig Menschen an Bord. Aber die Hamburg Kreativgesellschaft – eine 100%ige Tochter der Stadt – steckt ja noch in den Kinderschuhen. Und wenn sie alle kämen mit Klang und Namen wäre der Charme verloren und es würde schnell sehr viel um diese Prominenz drehen. Solch ein Camp, mit vielen Kreativen aus den genannten Bereichen, ist aber für die Werbewirtschaft sehr interessant. Wie so etwas zukünftig aussehen könnte, kann man beispielsweise beim wirklich sehr charmanten RadioCamp 2011 am 13. Mai im Millerntorstadion oder bei der alljährlichen re:publica in Berlin sehen. Viele Menschen, viele Sponsoren. Aber zurück zu 11bar Hamburg.

Deck auf der MS Stubnitz - VersorgungMan kann an dieser Stelle natürlich nicht alle Inhalte wiedergeben. Nur Stichworte. Dazu war das Camp mit knapp zwei Tagen (Samstag sogar nur von 13.00 – 17.00 Uhr) viel kurz. Abgesehen davon, dass man das dort Aufgeschnappte erst einmal aufarbeiten und nötigenfalls vertiefen muss. Solche Treffen dienen natürlich auch des Networkings. Und man trifft tatsächlich sehr interessante Leute aus allen möglichen bereichen, viele Freelancer, viele junge Menschen. Durch diese Mischung macht mir das auch immer wieder großen Spaß. Bei klassischen BarCamps oder ähnlichen NetCamps (Social Media Konferenzen) sind einfach zu viele Nerds, Fachidioten und Marketing-Spezialisten. Das war hier aus besagten Gründen zum Glück nicht so. Und so konnte man hier auch über Wesentliches reden.

So erfuhr man vom Jagdschloss Göhrde bzw. von dem im Aufbau befindlichen direkt auf dem Weg nach Dannenberg gelegenen Bildungszentrum Göhrde e.V.. Ein geschichtsträchtiges Gelände, für dessen noch nicht ausgeklügelte Nutzung geworben wurde. Oder wir besprachen in ähnlicher Mission im „Backstage“ das Projekt Café Cloudsters Lübeck, eine wunderbar unklare Idee von Nutzung eines großzügigen Gebäudes. Cloudsters will neudeutsch das worklife of the we-generation besetzen und bietet irgendwas zwischen Haus der Jugend und Co-Working-Space. Aber kaum gemeinnützig. Cloudsters ist laut Xing, ein globales Netzwerk aus Mikro-Unternehmen, Unternehmern, Freiberuflern und Wissensarbeitern der Kultur- und Kreativwirtschaft, verschiedenster Branchen und Professionen.

Bühne auf der MS Stubnitz beim 11bar Camp in Hamburg 2011An mir vorbei gegangen ist leider die Geschichte mit der Medienversorgung e.V. Dieser Verein hat sich zur Aufgabe gesetzt, „Angehörige sämtlicher Medienberufe in allen Absicherungs- und Versorgungsfragen zu unterstützen“. Ein Verein, der einen in diesen heiklen Angelegenheiten gerade für Medienberufler unterstützt, ist sehr begrüßenswert. Ein ebenfalls sinnvoller Verein scheint Hamburg Hoch 11 e.V. zu sein, von dem Andreas Lübbers vom Hamburger Sprechwerk berichtet, den ich aber im Netz nicht finden konnte. Schade, denn dieser neu gegründete Verein soll die Interessen von Kulturschaffenden in Hamburg bündeln und vertreten. Vielleicht kommt da ja noch was.

In jedem Fall sind dies alles Themen, mit denen sich auch die Initiatoren des Camps, die Hamburger Kreativgesellschaft auseinandersetzen. Denn für viele Kreativen und Kulturarbeiter ist Geld ständig ein leidiges Thema. Genauso wie Räume, Büros, Probenräume und Ateliers. In diesem Zusammenhang erfuhren wir z.B. von der Initiative LUX & Konsorten, die sich um „bezahlbare Räume“ kümmern, die aus Altona und anderen innerstädtischen Gebieten verschwinden. In dem Panel dazu wurde die allgemeine Zersplitterung verschiedener Hamburger Initiativen kritisiert, die nicht an einem Strang zögen, sondern oft ihr eigenes Süppchen kochen würde. Stichwort Recht auf Stadt. Da ist auf jeden Fall was dran, weil viele dieser Grüppchen stark ideologisieren und links außen agitieren.

Fazit: Wir hatten öfter festgestellt, das solche ein BarCamp, ein Kultur und Kreativ-Camp genau das ist, was wir hier regelmäßig brauchen. Auch die Unterstützung verschiedener Institutionen bei der Beschaffung von Räumlichkeiten, Fördermitteln, Absicherung und Rechtsberatung, beim Netzwerken ebenso beim Kennenlernen neuer Projekte. Insofern war und ist nicht nur das Camp, sondern natürlich auch die Hamburg Kreativgesellschaft eine sehr sinnvole Angelegenheit. Wir hatten schon gedacht, ob es nicht klasse wäre, „Hamburger Kreativtage“ auszurichten, wo wir uns vielleicht eine ganze Woche an verschiedenen Orten mit den ganzen Themen auseinandersetzen. Und vielleicht auch ein paar konkrete Workshops anbieten. Uns wurde von den sympathischen Veranstaltern – ich würde es auch so machen wie Geschäftsführer Egbert Rühl, der beständig alle siezt (!) und lauter attraktive junge Frauen als Mitarbeiter um sich scharrt – versichert, dass man die Ergebnisse des 11bar Camp in Ruhe auswerte und es sicher nicht die letzte Veranstaltung gewesen sei. Na, dann ich freu mich auf die nächsten „Camps“!

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