Der großer Saal der Elbphilharmonie und warum man ihn gehört haben muss

Der großer Saal der Elbphilharmonie und warum man ihn gehört haben muss

Schon mal im „großen Saal“ der Elbphilharmonie zu einem Konzert gewesen? Weshalb nicht? Karten sind durchaus erschwinglich und auch zu bekommen. Und wenn ja – wie hats gefallen? Ich war beim 7. Philharmonisches Konzert in der Elbphilharmonie und fand es grandios.

Wir hatten Karten für Sonntag 11.00 Uhr. Erstanden hatte ich sie ein 3/4-Jahr vorher, im Juli 2017 über die Internetseite der Elbphilharmonie. War eigentlich ganz einfach. Es war die zweite Kartenfreigabe für die neue Saison und die Website der Elbphilharmonie war phasenweise nicht zu erreichen. Auch Buchungsprozesse brachen ab, so dass man nah dran war, den Vorurteilen glauben zu schenken, dass man kaum eine Chance hätte, eine Karte für ein großes Konzert in der neuen Elbphilharmonie zu ergattern. Aber das stimmt nicht.

Das Angebot war riesig, denn es gab Tickets für die Konzerte der gesamten Saison. Was machen? Welches Konzert wählen? So viel verstehe ich doch gar nicht von klassischer Musik, am Ende wählt man einen Abend, der total langweilig ist. Schnell merkte ich, dass die Konzerte mit bekannten Stücken von Mozart und Beethoven etc. nicht erreichbar oder nicht buchbar waren. Dann dachte ich: Ok, da nimmst du ein nicht so bekanntes, vielleicht eins mit „neuer Musik“. Und da sah ich dann eben dieses Konzert mit der „Sinfonia für acht Singstimmen und Orchester“ von Luciano Berio. Und dann noch vormittags um 11.00 Uhr. Da sollte es doch möglich sein, günstige Karten zu bestellen. Und tatsächlich – so war es: Zwei Tickets für Erwachsene für 25,- Euro und eins für unsere Tochter für nur 10,- Euro. Ganz oben zwar, aber erste Reihe.

Zeigen was der Saal kann

Mein Töchterchen war eins von aus meiner Sicht relativ wenigen Kindern im Saal. Hinterher an der Garderobe traf ich noch einen Vater mit einer Tochter, die etwa 6 oder 7 Jahre alt war. Meine ist 8. Ich bedauerte es, dass so wenig Kinder da waren. Er meinte, sie wären erst nach der Pause gekommen, da er das erste Stück als zu heftig für sein Mädchen empfand. Ich fand das letzte Stück viel heftiger. Aber nun. Mein Mädchen fand das Konzert toll und würde auch noch mal mitkommen.

Nach dem genannten, beeindruckenden ersten Stück – Sinfonia für acht Singstimmen und Orchester 1968 von Luciano Berio – das 40 Minuten dauerte, gab es eine Pause von 25 Minuten. Ich war schwer beeindruckt von den Singstimmen, den Vocalsolisten. Und natürlich von den Paukisten, die zu dritt waren. Tolle Sache, ganz, ganz tolle Sache!

Von hinten oben konnte man den Saal gut überblicken und ich konnte deutlich sehen, dass der große Saal nicht ausverkauft war. Auf der Website stand es anders. Waren denn an der „Abendkasse“ noch Tickets vorhanden? Ich gehe davon aus. Es ist ja Erkältungszeit und hier und dort waren ein oder zwei Sitze frei. Vermutlich erkrankt, Fieber oder, wie beschrieben, erscheinen nach der Pause, weil das erste Stück zu „heftig“ war.

Aber auf der zweiten Ebene hinter dem Orchester war recht viele Sitze frei, fast zwei ganze Reihen. Wir hatten uns in der Pause überlegt, das mal näher zu untersuchen und vielleicht die Plätze zu wechseln, wenn niemand diese Sitze beanspruchte. Und so kam es dann auch. Nach der Pause setzen wir uns neben die linken Orgelpfeifen auf der 2. Ebene hinter dem Orchester. Ganz wunderbar. Ich konnte zwar die Paukisten nicht mehr sehen, aber irgendwas ist ja immer. Ich wurde reichlich dafür entschädigt.

Nach der Pause gab es Puccini. Also eher etwas Leichteres – im Vergleich zur Eröffnungssymphonie. Das sortierte unsere Gehirne neu und bereitete uns auf die kommenden zwei grandiosen Stücke vor. Puccini aklimatisierte an diesem herrlichen Sonntagmittag an unsere neuen Plätze in dem aktuell faszinierendsten Saal der Welt. Es war natürlich fantastisch das Orchester diesmal von der anderen Seite aus zu erleben. Wir hatten viel Glück.

Das Schönste, das ich je gehört habe

Dann wurde das Kammerorchester-Stück Berceuse élégiaque op. 42 von Ferruccio Busoni aus dem Jahre 1909 gespielt. Es bliebt nicht mal die Hälfte des Orchesters zurück, um dieses zauberhafte Musik in den Saal fließen zu lassen. Diese Harmonie und diese Dynamik! Es gibt Passagen im Stück die so fein und so leise sind, dass man gar nicht anders kann als wie gefesselt zu sein. Und dieser Saal, der große Saal der Hamburger Elbphilharmonie, gibt das her. Es war der leiste Ton, das sanfteste Streichen der Geigen zu hören. Es war wunderbar, zauberhaft, ergreifend, fantastisch. Ich war nicht nur vom Orchester, dem Dirigenten Alejo Pérez und der Elbphilharmonie restlos begeistert, sondern auch von dieser einmaligen Komposition. Ein unfassbar schönes Stück neuer Musik.

„Busoni hatte es nach dem Tode seiner über alles geliebten Mutter 1909 geschrieben und ihm deshalb den Untertitel “Des Mannes Wiegenlied am Sarg seiner Mutter” gegeben.“
Quelle: www.kammermusikfuehrer.de/werke/4014

Was für eine Auswahl, was für eine tolle Sache. Uns wurde gezeigt, was dieser Saal alles kann. Und der kann. Und das zeigte noch einmal das letzte Stücke, ein unglaublich dynamische, finale Symphonie mit dem harmlosen Titel Pini di Roma aus dem Jahre 1924.

In der Mitte des Stückes gab es ein Hornsolo. Das Horn spielt und ich suchte im Orchster den Musiker dazu, fand aber niemanden. Ich beugte mich weit nach vorn und suchte den hinteren Rand bei den Paukisten nach dem Musiker ab. Ich sah ihn aber nirgends. Endlich, nach mehreren Minuten Suche entdeckte ich ihn. Der Stand oben im 3. Stock an der linken, von mir aus rechten Seite es Saales und spiele sein Solo. Fantastisch. Unglaublich.

Später im Stück trat die gesamte Gruppe der Hornbläser auf der gegenüberliegenden Seite an und spielten dort bis zum Schluss. Und es passte alles zusammen. Der Saal gab es her, es klang wunderbar. Und dann die Orgel. Plötzlich gab es sehr tiefe Bass-Passagen. Ich war beeindruckt davon, dass die 8 Kontrabässe diese Tiefen erreichen konnten. Bis ich nach einiger Zeit gewahr, dass es die gigantische, fest in den großen Saal der Elbphilharmonie verankerte Orgel war, die so tief kam. 3 Meter links hinter uns. Ich hatte den Eindruck, der Boden würde von dem Bass vibrieren und meinte ein Kribbeln unter den Schuhen zu fühlen. Ich prüfte den Holzfußboden des Saales mit der Hand ob irgendeine Vibration zu verspüren war. War aber nicht. Nur diese gigantisch tiefen Bässe in der Luft.

Am Ende dieser Sinfonie von Ottorino Respighi wurde das Orchester sehr, sehr laut. Die Musik kulminierte in einem Orkan der Musik, anders ist es nicht beschreiben. Ein Orkan aus Musik bei dem die Orgel der Meister des Windes war. Gigantisch, überwältigend, einmalig, noch nie zuvor gehört. Ein echtes Erlebnis. Ein echt unvergleichliches, unvergessliches Erlebnis. Als Rock-Musiker habe schon einiges gehört und erlebt, aber das noch nicht, niemals zuvor. Ich bin restlos begeistert von dieser Musik, von dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und von der Elbphilharmonie mit diesem unvergleichlichen großen Saal unseres neuen Wahrzeichens. Muss man gesehen und vor allem erlebt haben.

7. Philharmonisches Konzert im Großen Saal

Dirigiert von Alejo Pérez
Mit: den Neuen Vocalsolisten Stuttgart und dem Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

  • Luciano Berio: Sinfonia für acht Singstimmen und Orchester

  • Giacomo Puccini: Capriccio sinfonico

  • Ferruccio Busoni: Berceuse élégiaque op. 42

  • Ottorino Respighi: Pini di Roma

Elbphilharmonie Großer Saal

Platz der Deutschen Einheit 4, 20457 Hamburg

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