Komm ins Museum

Christine Ebeling erklärt warum Unterschriftenlisten und Post-kärtchen, die man an Senat und Behörden schickt nicht reichen und rät uns allen auf die Straße zu gehen. Direktor Hinrichsen schöpft Hoffnung von den Künstler der Initiative KOMM IN DIE GÄNGE, die beide mit kurzen Reden am Dienstag eröffneten.

Aus meiner Sicht dürfen wir nicht vergessen – lange Zeit nicht vergessen – wem wir diesen Schlamassel zu verdanken haben. Der CDU, die nun in Form des Bürgermeisters – Ahlhaus ins Pfahlhaus – großzügig einen „Kulturgipfel“ einräumt. Jetzt. Erst. Und vor allem der GAL, die dieses Sparpaket in dieser Form toleriert hat und mitträgt – und in Form ihrer kulturpolitischen Sprecherin Eva Gümbel zur gleichen Zeit bei Schalthoff folgendes äußerte: Ich hab die Erwartung: A. dass der Senat sich bewegt. Das, glaube ich, ist unbedingt notwendig. Ich meine, es muss doch klar sein, dass wir über eine relativ kleine Summe reden und dass diese kleine Summe einen immensen Schaden anrichtet.
Aber auf der anderen Seite, finde ich auch – da appelliere ich „staatsmännisch“ sozusagen an Sie – dass es auch nicht gehen kann, dass Sie Ihren Resonanzboden, den Sie ja zweifellos haben sozusagen im gesamtdeutschen Feuilleton und im Bürgertum dieser Stadt, dazu ausnutzen, anderen, nicht so sprachmächtigen Gruppen insofern zu schaden, als dass Sie sich sozusagen die Sparquote vom Hals schaffen und den Sozial-Benachteiligten das aber nicht in dieser Weise gelingt.
Das fände ich verheerend.

Wir wissen mit wem wir es zu tun haben und wer was zu verantworten hat. Diese Leute schneiden einfach nicht richtig mit, was die Bevölkerung will. Und versuche in diesem Fall auf unterste Galosche einen auf moralisch zu machen. Das einzige, was dabei wirklich VERHEEREND ist – bei dem Schaden, den die Stadt in diesem Sparskandal genommen hat – ist, dass weder mit den Bürgern der Stadt noch mit den Fachleuten in der Kultur geredet wird, dass es keinen Dialog gibt, keine Werbung um die Sache, kein Einvernehmen … und keine Vernunft. Das ist ja auch das, was Torkild Hinrichsen zurecht dem Bürgermeister ankreidet – dass es VORHER keinen Dialog, keine Gespräche gab.

Um so widerlicher, wie man nun den sogenannten „Kulturgipfel“ von Fürstens Gnaden vor sich herträgt und sagt: Schaut doch, schaut! Wie seinerzeit die Feudalherren streicht man zusammen, was man gerade zusammenstreichen will – wohlgemerkt: Man redet über 5 Millionen Euro im Jahr, das sind gerade mal 1% der Einsparsumme von 500 Millionen, die man mit dem aktuellen Sparpaket wissentlich sowieso nicht erreicht, weil man auf Besserung spekuliert und eine – noch eine – neue Steuer, die Kulturtaxe einführen will. Ebenfalls gegen erheblichen Widerstand. Aber Feudalherren sind höchsten dem König oder der Pabstin Rechenschaft schuldig, nicht aber dem Volke oder gar den Narren und Musikanten. Das ist der eigentliche Skandal, nicht das gespart werden muss (abgesehen davon, dass eine Schließung des Altonaer Museums auf keinen Fall in Frage kommt.

Und das alles kriegen diese Politiker – wie auch die SPD – nicht mitgeschnitten. Politikverdrossenheit? Wenn ich mir diese Leute ansehe, dann habe ich echt die Schnauze voll von diesen Figuren und ihrem unerträglichen Geschwätz.
Oder, wie Torkild Hinrichsen im folgenden Video sagt: „Spart die Kräfte und setzt sie dort ein, wo sie strategisch vernünftig sind.“


Christine Ebeling und Torkild Hinrichsen eröffnen die Solidaritäts-Ausstellung der Künstler der Initiative Komm in die Gänge am 19. Oktober 2010 im Altonaer Museum

Komm ins Museum! Solidaritätsaktion von Künstlern aus dem Gängeviertel
Einige Gängeviertel-Künstler haben sich spontan im Altonaer Museum getroffen und für den Erhalt des Altonaer Museums eine Solidaritätsaktion gestartet.

Die Künstler haben sich mit ihrer Aktion auf den Weg gemacht und präsentieren eine Auswahl von Arbeiten, die bis Anfang November zu sehen sein werden. Damit wird eine Brücke geschlagen zwischen dem von Schließung bedrohten Museum und dem historischen Gängeviertel, das dem beherzten Eingreifen Hamburger Künstler seine Rettung vor dem Abriss und der Verwertung der betroffenen Grundstücke verdankt.

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