Dockville Kunstcamp: Unkraut, Kommunikation und Upcycling

Dockville Kunstcamp: Unkraut, Kommunikation und Upcycling

Eine Bildergalerie vom Kunstcamp, eine Auswahl meiner Fotos von der Eröffnung des MS Dockville Kunstcamp August 2013 auf dem Dockville-Gelände an der Alten Schleuse auf der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg. Wie schon angekündigt, ist die Eröffnung de Kunstcamps immer eine charmante Geschichte. Vor allem weil engagierte Studentinnen die Kommunikation bei den Spaziergängen zu den Künstlern und ihren Kunstwerken unternehmen. Hier lernt man einiges und trifft interessante Leute.

Zum Beispiel Jenni, eine junge Studentin, die was mit Medien macht. Sie ist eine der Kommunikatorinnen, die uns Frage und Antwort stehen und uns zur Eröffnung auf Spaziergänge über das Gelände (Fot: Kunstcamp-Gelände ) und zu den Künstler mitnimmt. Sie ist sehr entzückend und trägt Dermal Anchors im Unterarm (Foto: Dermal Anchor) und im Ohr, was mich überraschte, da ich es noch nicht kannte.

Kommunikation mit den Kommunikatorinnen

Die Kommunikatorinnen habe einen eigenen Verschlag, ein Kommunikationszentrum (Foto!). Dort werden Gespräche (Foto: Gespräch beim Spaziergang) veranstaltet und es dient als Treff- und Anlaufpunkt (Foto: Kommunikatorinnen und Kommunikation). Interessant war auch der gereifte junge Mann, ein Besucher wie ich, der erzählte er wäre in dieser Saison schon auf 12 Festivals gewesen. Oder waren es 8. Jedenfalls einige. Ein mächtiges Hobby würde ich sagen. Dabei hat er die 25 schon deutlich überschritten …

Beim Warten kommt uns ein seltsames Gefährt entgegen. Ein kleiner Transporter (Foto: Künstlerinnen im Bus) mit Freifläche und einem Haufen Künstelerinnen oder Helferinen. Das Fahrzeug ist dem Dockville Kunstcamp angemessen. Sehr schön.

Wir suchen als erstes das Herbarium der Künstlerin Julia Herfurth auf. Sie hat im ersten Stock des Hauptgebäude, dem Eingang zum „Nest“ (Foto: Eingang zum Nest), ein Unkraut!-Austellung eingerichtet (Fotos: Berufkraut im Herbarium, Unkraut auf Stahl, Unkraut!). Das Thema ist Unkraut! und Herbizide (Foto: Unkrautvernichtungsmittel. „Einige Pflanzen haben bereits eine Resistenz gegen diese (Gifte) entwickelt“, wi zum Beispiel ein „Berufkraut“, das auf dem Gelände wächst und das wir hier als Tapete und in Gläsern bestaunen. Wir gerieten in Diskussion darüber, ob die Gentechnik Pestizide in die Pflanzen bringen kann, was ich bestritt. Resistenzen ja, deshalb gibt es sie ja, aber Chemie in die Pflanze bringen?

Elektro-Flow und Heilwässerchen

Slow Flow Grow- Dockville Kunstcamp 2013Slow Flow Grow – Moka Farkas mit Julia Viebranz & DJ Beykin

Slow Flow Grow ist auch so ein Thema auf dem Dockville Kunstcamp 2013. Runterkommen, ja, aber es geht um die Frage nach Zeit und Dauer und darum, was öffentlicher Raum ist. Dies hängt auch mit dem Unkraut!-Thema zusammen, obwohl das etwas weit hergeholt scheint. Doch die Künstler haben sich etwas einfallen lassen, in dem sie aus Un-Kräutern einen Schnaps brennen. Für Heilzwecke natürlich. Man kann mit seinen Symptomen – der Symptomträger – kommen und bekommt ein Wunschgebräu mit auf den Weg. Das Herstellen dieser „Naturmedizin“ ist ein sehr langsamer Vorgang – Slow, Flow, Grow. Und auch die musikalische Begleitung, so ohrenbetäubend sie auch ist, soll „die Thematik der Langsamkeit mit neuen Beats „begleiten. Na, denn.

Wir gingen zu einer seltsamen Holzkonstruktion beim Butterland. Es handelt sich um ein Kunstwerk „New Natural Symbolism“ von Andreco (Foto: Rankpflanzen wuchern). Hier sollen Rankpflanzen die Holzkonstruktion um Laufe der Zeit überwuchern. Die Kletterpflanzen Efeu, Wein und Clematis bilden den „Garten in Bewegung“. Dazu fiel mir ein Artikel ein, der fragte, weshalb es in unseren Innenstädten noch keine vertikalen Gärten gäbe. Als Stadtbegrünung und Nutzflächen wird das die Zukunft in unseren Städten sein, davon bin ich überzeugt. Diese Gärten hätten viele Vorteile und würden das Leben in den Metropolen um einiges angenehmer machen. Warum es sie kaum gibt, weiß ich nicht. Vermutlich eine Kostenfrage. Um die Konstruktion ist übrigens schwarze, glitzernde Erde verteilt. Sie schimmert im Sonnernlicht, weil sie aus Öl besteht. Das Gelände des Dockville Kunstcamps gehörte ehemals dem Ölmulti Shell. Alles klar. Die Erde hier ist verseucht. Übrigens: Greenpeace ist nicht weit von hier.

Vulkan auf der Elbinsel Wilhelmsburg

Auf dem Rückweg kamen wir zu dem Vulkan (Foto: Der Vulkan) von Lana Camajcanin. „Perpektives“ nennt sie die Aktion. Sie erzählt mir, dass man auf dem Gelände nicht in die Tiefe graben darf. Aus Sicherheitsgründen. Das passt zu der Ölerde eben. Sie wollte nämlich zunächst ein Loch graben für das Projekt. Da das nicht ging, hat sie diesen Vulkan aus Erde, Dreck und Krimskrams aufgeschüttet. Er fängt auch abens an zu dampfen und wird toll beleuchtet. Eine solche „Erdenergie“ wie Vulkanismus ist Urkraft, man bekommt in Berühung mit den tiefsten Kräften des Universums. Das durfte ich gerade im Urlaub auf den Kanaren erleben. Denn die Kanaren sind vulkanischen Ursprungs und haben auch noch echte Vulkane. Und deshalb ist das Thema dieser Künstlerin sehr wichtig: Natur und Urkraft und die Menschen und ihr Gestaltungswille. Oft in Konflikt, selten arbeiten sie fruchtbar zusammen. Das könnte andes werden.

Ich kam etwas spät und meine Gruppe war schon vorgegangen und so lief ich schnell zur Galerie des Tages (Foto: Schmutzige Schönheit). Hier wurde es nur sehr intellektuell, was eigentlich ein Grund zur Flucht ist. Aber gut, erst einmal drauf einlassen. In dem Raum, der Galerie des Tages, ein weißer Kasten mit einem Ein- und einem Ausgang hatte das Künstlerkollektiv Krauzungen, das im letzten Jahr dort die Armee Napoleons auferstehen ließ, eine Skulptur errichtet, die einen Adler aus der Griechischen Mythologie darstellen soll. Und zwar jenen Adler, der zur Strafe durch die Götter dem armen Prometheus auf ewig die Leber wegfrisst, da dieser den Menschen das Feuer, die Hoffnung und die Kunst der Weissagung gebracht hatte. Wir besucher sollten nun darstellen, wei es aussähe, wenn dieser Vogel uns die Leber herauspiekt. Dies wurde Fotografiert (Foto: Girl in Alert) und sollte eigentlich täglich auf die Website hochgeladen werden. Doch weder bei Krautzungen.org noch auf deren Facebookseite ist davon etwas zu sehen. Schade. Also schnell raus, Schuhe anziehen (Foto: Gebet oder Kunstschonung?). Das Thema Feuer und Hoffnung ist aktuell vielleicht auch das Thema #PRISM und Datenschutz, das Thema Freiheit. Derjenige, der die Menschen ermächtigt, über sich selbst gebieten zu können und daraus Hoffnung zu schöpfen, wird mit Verfolgung, Haft und Folter bedroht.

Unkraut! und das Upcycling

Zum Schluss – die Zeit ging viel zu schnell vorbei – besuchten wir neben dem Kassenhäuschen (Foto!) die Fläche zum Projekt „The Wheel Machine“ von Sebastian Muhr. Hier liegen Fahrradschrott (Foto: Besucher-Fahrräder), Dosen und Unkraut! wild durcheinander (Foto: Schrott & Unkraut). Oder doch nicht? (Foto: Rotkohldose mit Kraut). Denn andere Bestandteil der Fahrräder verarbeitet der Künstler tatsächlich zu einer Maschine und stellt sie unter den Baum (Foto: The Wheel Machine ). Dreht sich. Warum auch nicht! In mir kam der Gedanke nach … Upcycling auf. Also weder Dinge wegwerfen, noch unbedingt recyceln, sondern etwas ganz anderes, vielleicht sogar besseres darauf machen. Das bedeutet Upcycling. Hier gibt es noch viel zu tun. Was kennt ihr, das upgecycelt wird?

Zum Abschluss noch etwas leckers essen (Foto: Dockville-Restaurants), ein Besuch im charmanten Gartenhäuschen (Foto!), noch schnell ein Passbild vom Kunstcamp Photomat (Foto!), dann über den Steg (Foto: Kunstcamp =>), vorbei am „Silo am Dockville Kunstcamp„, ein letzter Blick zurück (Foto: Unterwegs) und … Tschüss (Foto: Dermal Anchor)!

Übrigens: Das Dockville Festival findet vom 16.08. bis Sonntag, den 18.08.2013 statt und kostet Eintritt.

MS Dockville Kunstcamp

Reiherstieg Hauptdeich / Alte Schleuse
21107 Hamburg

Hinterlasse eine Antwort

*