TV-Kritik: Rach tischt auf! in der Fischauktionshalle Hamburg

TV-Kritik: Rach tischt auf! in der Fischauktionshalle Hamburg

Letzten Donnerstag lief im ZDF die neue Show des sympathischen Starkochs und Restauranttester: Rach tischt auf! – Die 50 wichtigsten Fakten über unser Essen. Die Idee ist super, denn man kann in diesen Zeit gar nicht oft genug übers Essen reden. Gerade wir Deutsche. So behandelt Christian Rach denn auch Fragen, wie: Was essen wir? Wie essen wir das? Im Zentrum dabei steht der Nutzen des Verbrauchers. Wie kann man sein Essen richtig genießen, und wobei geht man Werbebotschaften auf dem Leim? Die Sendung will dazu anregen, anders einzukaufen und bewusster zu essen. In der ersten Folge erfuhren wir Interessantes zu den Themen: Wie gehen Kinder einkaufen? Macht Kantinenessen dick? Wie gesund ist Lachs aus der Aquakultur? Und wo sitzt was im halben Schwein. Denn mit diesem, einem echten halben toten Tier kam Rach in die Sendung gestapft. Eine Fernsehkritik.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mir hat die Show, ja, eine Show war es, gut gefallen. Aber. Es gibt einiges zu kritisieren und die Quote schien nicht gut gewesen zu sein. Rach trat ja auch gegen Heidi Klum an. Außerdem war die Sache mit 90 Minuten für meinen Geschmack viel zu lang. Man hätte aus diesem 4-Gänge-Menü kleiner Happen von je 30 Minuten machen können. Das wäre knackig gewesen.

Das Publikum in der Fischauktionshalle am Hamburger Fischmarkt, saß etwas steif in dem riesigen Komplex. Zuweilen deplatziert und irgendwie sehr deutsch mit hanseatischem Understatement. Hier wäre ein kleineres Publikum a la Lanz besser gewesen.

Ob Christan Rach nun wirklich ein Show-Entertainer ist, bleibt zu bezweifeln. Gerade zu Anfang wirkte er etwas ungelenk in der groß angelegten Kulinarik in der Halle. Bei Closeups kommt er besser rüber. Vielleicht liegt es aber auch an dem ungewohnten Format, an das er sich und wir uns erst gewöhnen müssen. Seine beiden Assistenten, Andrea Kiewel und Dirk Steffens wirkten zeitweise auch recht deplatziert. Weiß nicht, ob die beiden hier sein müssen. Der Rat gebende Wissenschaftler dagegen machte seine Sache gut und war auch wichtig für die Sendung. Leider taucht sein Name in keiner Presseverlautbarung auf. Ein Versäumnis. Ich habe aber keine Lust, mir die Sendung nur wegen des Namens des Doktoren noch einmal anschauen.

Wichtige Erkenntnisse aus „Rach tischt auf!“

Ich will die für mich wesentlichen Erkenntnisse aus der Ratgeberschon des Ernährungsexperten Rach hier zusammenfassen. Überrascht war ich, dass die Vorschüler anders, und zwar besser, einkaufen, als die Erstklässler. Und über die Erklärung dafür, die einleuchtet. Außerdem weiß ich nun, was Schweinebacke ist (ich dachte immer, es wäre vom Arsch, aber ich esse es nicht), wo die Schnitzel herkommen, das alles vom Schwein verwertet wird und wie so ein Schweinenacken am Tier aussieht. Obwohl es befremdlich war und für manche auch abstoßend, fand ich die Idee gut, mal echte Schweinehälften ganz im Fernsehen zu zeigen. Wir essen die Tiere, aber schrecken vor den Kadavern, dem Ausweiden und Zerlegen des Tieres zurück. Solche Darstellungen bringen uns endlich wieder auf den Boden der Tatsachen, in die Realität zurück und machen uns ein Stück weit mehr zu „ganzen Menschen“. Für können nicht mehr fliehen in die rosarote Werbewelt, der sehr ansprechenden Verpackungskünste für Fleischprodukte.

  • Kinder-Werbung sollte nach dem Vorbild Schweden verboten werden. In Schweden und Norwegen ist Werbung, die sich direkt an Kinder unter zwölf Jahren wendet, komplett untersagt. Kinder kaufen, was sie kennen und sie kennen die Marken und Produkte aus der Werbung, meist aus dem Fernsehen kennen. Die Produkte sind schon geschickt konzipiert und im Supermarkt arrangiert, dass die Kleinen keine Chance haben. Sie kaufen sich dann das, was nicht gut ist für Kinder. Siehe auch: Süße Spots: Verbraucherschützer fordern Verbot von Kinder-Werbung
  • Lachs ist nicht gleich Lachs. Oft kommt er aus Lachsfarmen in Norwegen. Rach hat sich das angeschaut und erklären lassen. Die Fische sind gesund, sie kriegen keine Antibiotika und fressen nichts mit Pestiziden. Das war früher anders, als diese Lachsfarmen im Meer (Etikett: „Lachs aus Aquakultur“), sehr viel Dreck und Verschmutzungen verursachten. Eine gute Nachricht. Dennoch wird für ein Kilo Lachs ca. vier Kilo anderer Fisch aufgebracht, gefangen und zubereitet werden. Es scheint so zu sein, dass Lachsfarmen in Chile immer noch sehr kritisch zu sehen sind, aber das war hier kein Thema. Die Lachsfarmen in Norwegen scheinen in Ordnung und es ist sicher besser, die Tiere zu züchten, als sie zu fischen und damit die Bestände weiter zu gefährden.
  • Beinahe vergessen: Die Kartoffel war auch Thema in der Sendung. Und die wirklich große Überraschung: Kartoffeln haben mehr Vitamine als Äpfel oder Birnen! . Es stelle sich heraus, dass immer noch 80% der Deutschen Kartoffeln essen. Allerdings nicht mehr täglich, wie vor 150 Jahren, als ein Mensch 1,4 Tonnen Kartoffeln im Jahr verdrückte. Die Nudel hat die Knolle von den Tellern verdrängt. Wegen der einfacheren, schnelleren Zubereitung. Kartoffeln muss man waschen, schälen und mindestens 15 Minuten garen. Das überfordert den modernen Menschen. Rach gab noch einen tollen Tipp, wie man selber leckere Pommes machen kann (nämlich zwei mal frittieren: Einmal bei um die 160°, dann rausnehmen und abkühlen lassen, und beim 2. Mal mit 180° fertigfrittieren). Und erklärte, weshalb Kartoffel-Chips so unwiderstehlich sind und dass sie zu viel Öl, also Fett haben. Nein, ich mag Kartoffeln und esse sie gerne und durch Rach habe ich jetzt die Gewissheit, dass das auch gut so ist.

Nächste Sendung:

Rach tischt auf! Die 50 wichtigsten Fragen und Fakten zum Essen der Deutschen

Donnerstag, den 6.3.2014
Um 20.15 Uhr im ZDF

ZDF-Mediathek: Rach tischt auf!

Foto: Christian Rach © Steven Haberland

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