Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt

Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt

Das wäre ein Buch nach dem Geschmack meines in der letzten Woche verstorbenen Freundes und Lieblingskoch Hans Dampf gewesen. Das wunderbar subversive Kochbuch die Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Ein Blick hinein, lässt nicht nur jeden Guerilla Gardener und metropolen Vegetarierer höherschlagen. Gerade jetzt im Frühling wird uns mitten in der Stadt, mitten in Hamburg ein erstaunliches Festmahl bereitet.

Man glaubt ja gar nicht, was man alles essen kann. In dem sehr orginellen und ungewöhnlichen Kochbuch von Maurice Maggi (!), dem Guerilla-Gardening-Pionier aus der Schweiz, findet sich Überraschendes, Lustiges, Schmackhaftes, Traumhaftes, Althergebrachtes und Unbekanntes. Also nicht gerade das, was man heute von einem Kochbuch erwartet. In diesen durchgetackteten, verkehrslärmigen Zeiten erwartet man eher zeitsparende, praktische und sehr gesunde Tipps, die ohne Weiteres zwischen Tür und Angel umzusetzen sind. Dieses Buch ist anders.

Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der StadtMaurice Maggi, Guerillagärtner und Koch, nimmt uns mit auf eine kulinarische Entdeckungsreise zu den essbaren Schätzen in der Stadt. Die Stadt bietet uns eine Fülle an wilden Pflanzen, mit denen man wunderbar kochen kann. Dieses Buch möchte Sie dazu verführen, diese wilden Delikatessen zu sammeln und damit ungezähmt und lustvoll zu kochen. Statt die Wildpflanzen selbst zu sammeln, kann man sie aber problemlos auch durch käufliche Zutaten ersetzen. 72 vegetarische Rezepte eröffnen uns eine vergessene Welt und zeigen, wie viel Geschmack, Würze und Abwechslung buchstäblich vor unserer Haustür liegen.

Originelle Rezepte mit Wildpflanzen aus der Stadt

Beim Betrachten der umfangreichen Bilder und auf jeden Fall nachkochbaren Rezepte dieses Kochbuchs, musste ich an meine Großeltern denken. Wussten sie noch, was sie alles essen konnten. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Pflanzen essbar sind. Und vor allem auch die Bäume, gerade jetzt im Frühling, wo sie ausschlagen. Wie war das nach dem Krieg? Hat man da die Schösslinge gegessen, die jungen Blättchen der Bäumchen in den zerbombten Städten? Ich gehe davon aus, doch ich weiß es nicht. Meine Großeltern leben leider nicht mehr.

Die Rezepte der „essbaren Stadt“ heißen „Duett von Spargeln mit Tannenschössling-Gersten-Pfanne und Weiße-Bohnen-Sauce“ oder „Baumschössling-Risotto. Hmmm. Oder wie wäre es mit einem „Brennnessel-Süppchen“? Davor einen „Salat von jungen Baumblättern und Kohlrabi“? Natürlich sind auch viele bekannte Kräuter und Pflanzen dabei. Bärlauch habe ich kürzlich erst im Garten meiner Mutter gesehen, Löwenzahn wächst überall, Schlüsselblumen, alle möglichen Blüten, Beeren und Wurzeln, die, wenn man sie nicht in der Stadt findet, so doch an seinem Balkon ziehen oder im Gemeinschaftsgarten anpflanzen kann. „Verlorenes Ei auf Linden-Buchen-Schaum mit Lorbeerkartoffeln“. Hmmm.

Bäume spielen eine große Rolle in dem Buch des Herr Maggi. Oder ist Holunder ein Sträuchlein? Da gehts schon mal los. Ich kenne mich mit Botanik nicht aus und bin gerade deshalb von diesem einmaligen Kochbuch fasziniert. „Bodenrübenflan mit Mönchsbart und Farinata du Ceci“. Der Mann hat Humor und es klingt lecker. Ob Vor-, Haupt- oder Nachspeise – wenn ich mich durch das Glossar am Ende des Buches gearbeitet habe, weiß ich auch, was ich da esse oder essen werde. Darauf ein „Frauensüppchen“.

Voll im Trend: Wildrosenblätter-Taboulé mit Vanilletomaten

Das klingt vielleicht nach einer Modewelle, auf der gerne die urbanen Hipster surfen, es klingt nach alternativer Lebenskunst und homöopathischer Überlegenheit. Aber eigentlich macht das nicht, denn für mich ist die Sache wirklich originell und auf jeden Fall etwas, das ich beforschen muss. Dabei erhellt mich in diesem Fall auch die Kochbuchkolumne „Esspapier“ der FAZ. Wir folgen auch Maurice Maggi im Gespräch mit Sandra Hoffmann auf Deutschlandradio. Dort befindet er: “ Ich wollte irgendwie dem Menschen die Stadtnatur: Eine neue Heimat für Tiere und Pflanzen
näher bringen, in einer anderen Art. Wenn die Natur nicht nur schöne Blumen sind, sondern essbar ist, schaut man die Stadt ganz anders an und es gibt einen neuen Blickwinkel auf die Stadt.“

Buch lohnt sich. Buch kaufen. ist auch ein herrliches Geschenk und macht viel Spaß, wenn die Freunde und Familie mithelfen auf den Teller zu bringen, was sonst ohne unsere Aufmerksamkeit in irgendeiner Brache, einem Winkel oder gerade vor unsere Nase wächst und gedeiht. Eine wunderbare Idee diese „essbare Stadt“.

So lasst uns denn ein wenig schwärmen bevor wir die Schwarte bestellen: „Ein großartiges Buch. Lustvoll erzählt, liebevoll gestaltet und wunderschön fotografiert.“, meint Das Kulturmagazin. „Das Buch ist nicht nur eine Liebeserklärung an all die Pflanzen, die zwischen Beton und Steinen sprießen, sondern auch an die Lebendigkeit und Vielseitigkeit des urbanen Lebens“, findet essen & trinken.

Kochbuch

Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller. Vegetarische Rezepte mit Pflanzen aus der Stadt
von Maurice Maggi
AT Verlag, 2014, 319 Seiten, gebunden, 39,90 €

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