Soul Kitchen von Fatih Akin oder Suppe vom Meister der Akupunktur

Ein fantastischer Film so richtig zum Ablachen. Unbedingt empfehlenswert. Der neue Streifen SOUL KITCHEN von Fathi Akin soll „eine Liebeserklärung an Hamburg“ sein. Keine Ahnung. Ich weiß nur: er ist einer der besten Filme des Ottensenser Filmemachers.

Und es ist eine Liebeserklärung an die Liebeserklärung, ans Filmemachen, an Moritz Bleibtreu, an Party, Rock`n Roll, an Exzesse und Überschwang, an die Halbwelt, die Bars, an schräge Vögel, schräges Essens, an Türkische Heiler und … an das Anderssein.

„Suppe vom Meister der Akupunktur“ ist übrigens ein Gericht auf der Speisenkarte der „Soul Kitchen“!

Hommage an die Heimatstadt HamburgVon einer „Hommage an die Heimatstadt Hamburg„, wie sie hier und dort beschrieben wurde, habe ich nicht unbedingt etwas bemerkt. Wir krackselten zwar auf die Dächer der Speicherstadt, besuchten Büros in der Hafencity, sahen die Hamburger S-Bahn auf den Elbbrücken, fuhren auf der gigantischen Köhlbrandbrücke, erlebten Wilhelmsburger Industrie-Romantik, ein paar Szene-Bars, wie die Astra-Stuben und das Frappant mit einer coolen Party. Aber ist das schon eine „Hommage“?

Man könnte auch sagen, dass bei einer „Hommage an die Heimatstadt“ eines Hamburger Künstlers, die Hinweise auf den aktuellen Schlamassel der Stadtentwicklungs-Politik fehlen. Frappant-Party reicht da nicht. Aber wir wollen es nicht zu eng sehen. Klar nicht.

Vielleicht ist Akins erste Komödie eher eine Hommage an das Finanzamt, das man neuerdings bar bezahlen kann, das sehr gut aussieht (Catrin Striebeck) und vom Luden Neumann (Wotan Wilke Möhring) gefickt wird und zurückfickt (Knast).

Der Film macht unglaublich viel Spaß. Moritz Bleibtreu sehen wir in seiner Parade-Rolle als Klein-Ganove und lachen uns schlapp. Pheline Roggan erkennen wir als Hamburger Bürgertochter, die dann doch nicht mit diesen schrägen Lebenskünstlern kann. Die geniale Anna Bederke als glaubwürdigste Kellnerin und eigentlich Künstlerin („Ich möchte frei sein!“) der Filmgeschichte. Ebenso hübsch und zum Verlieben auch die Physiotherapeutin Dorka Gryllus. Das verlebte Gesicht und das subtile Spiel des Birol Ünel als genialer Koch. Der Gastauftritt von Jan Fedder als Herr Meyer vom Gesundsheitsamt.

„Heitmatfilm“ ist auch hier eine Schublade, in die man diesen Film stopfen möchte. Aber Hamburg ist ja viel, viel mehr, als dieser Film überhaupt zeigen könnte … und wollte. Keinen Schimmer, warum das Publikum stets nach diesen handlichen aber untauglichen Begriffen giert. Reicht es nicht, wenn man sagt: Akin. Komödie. Ablachen. Wunderbar! Plus: Geile Mucke!

Ich schließe schließe mich dem Fazit dontpanicitsorganic an: Akin kann nicht nur harte Kost servieren, sondern auch mit Leichtverdaulichem überzeugen. Lecker. Nachschlag, bitte.#soulkitchen

Übrigens: Ab 04.01.10 immer montags um 20.00 Uhr zeigte Zeise Kinos eine Fatih Akin Werkschau, beginnend mit seinem beeindruckenden und intensiven Debüt „Kurz & Schmerzlos“.

Fotos: Kelly Sue, Tobias Mandt

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