VHS-Kurs Schweißen von Metall und Altmetallskulpturen

VHS-Kurs Schweißen von Metall und Altmetallskulpturen

Nach meiner Meinung und Erfahrung, sind diejenigen die Glücklicheren, die noch ein Handwerk betreiben, die mit Material arbeiten und mit ihren Händen. Die etwas erschaffen, das sie anfassen können. Dabei ist es ganz egal, mit welchem Material man sich auseinandersetzt und was man daraus herstellt. Um mir die Sache mal genauer anzuschauen, buchte ich jetzt den VHS-Kurs „Schweißen von Metall und Altmetallskulpturen“. Ich will nämlich Künstler werden.

Dieser Werkstattgeruch ist schon etwas eigenes, etwas Besonderes und für mich tatsächlich – auch – irgendwie Heimat, wie ich u.a. 2009 im Hamburger Hafemuseum feststellen konnte. In einer Werkstatt zu sein und an der Werkbank zu stehen um Material zu bearbeitet ist ebenso hart und dick ist wie manch Bauernschädel, während das Radio Mono aus einem Blechregal krächzt das hat schon was. Die Arbeit treibt bald den Schweiß unters Hemd und man weiß, er rinnt in bester Tradition das Hosenbein herab hier im Hamburger Hafen, zwischen den hundert Schlängelarmen der alten Elbe. Metallarbeit und Werkstatt – das ist Industrieromantik pur.

Blechdose

Tja, Männer und Romantik. Aber nichts da. Wir waren zwei Kerle und drei Frauen. Dazu ein Bübchen von 9 Jahren der nun unbedingt Schweißen lernen wollte. Eine der Metallhandwerkerinnen war seine Mutter und ihres Zeichens Lehrering, eine weitere wollte lernen, wie sich ihre Ytong-Skulpturen durch massgeschweißte Stahlgerüstkonstruktionen stabilisieren ließen und eine Studentin der Politikwissenschaft aus dem Bayerischen hatte sich den Kurs von ihrem Freund gewüscht. Wer hätte das nur gedacht? Wir Männer jedenfalls nicht: Ich nicht, Karl-Heinz unser Lehrmeister auch nicht und Renter Horst schon mal gleich gar nicht!

Handwerkerinnenen

Mit 17 Jahren begann ich seiner Zeit meine Schweißerlehre im Hamburger Hafen. Dort, wo nun das Musicalzelt des König der Löwen steht, stand Anno Dazumal unsere Lehrwerkstatt, in der viele junge Menschen aus Hamburg und dem Umland zu Werftarbeitern für Blohm & Voss ausgebildet wurden. Wir lernten das Metallhandwerk von der Pike auf, was mit wochenlangem feilen und sägen, bohren und schleifen begann. An das Schweißerhandwerk wurden wir dann sehr langsam herangeführt. Am Ende lernten wir alle Arten des Schweißens, des Verbindens von Metallen. In Filmen oder den Nachrichten heißt es immer, ein Mann wurde aus den Trümmern seines Autos herausgeschweißt, aber das ist schlichtweg falsch ausgedrückt. Jeder weiß natürlich, was gemeint ist, aber genau genommen, würde solch ein Satz eigentlich bedeuten, das der arme Kerl nun fest verschweißt ist in den Trümmern. Es müsste heißen: brennen, also herausgebrannt. Denn das Trennen von Metallteilen mittels eines Schneidbrenners nennt man nunmal brennen. Es klingt jedoch noch viel beängstigender, wenn es hieße, mann hätte den Verunfallten aus seinem Autowarck herausgebrannt.

Mein Arbeitsplatz im VHS-Schweißkurs

Auf dem Ökologischen Weihnachtsmarkt 2009 bezeichnenderweise im Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek traf ich einen Künstler, der sich intensiv mit der Materie – des Herrichtens von Schrott aus künsterlischem Anlass – beschäftigt. Der Mann, der dies im Nebenberufe tut und der als Lehrer arbeitet und dessen Namen momentan vergessen habe, weil seine Visitenkarte nicht in jeben dafür vorgesehenen Metallregal lagert, das ich noch nicht gebaut habe, war sehr sympathisch und zeigt ganz wundervolle Stücke. Allesamt mit Liebe gearbeitet, wie ich fand. Ein besonders schönes Stück fand sogar die Gunst unseres Hamburger Bürgermeisters, doch ein Kauf kaum bisher nicht zustande.

Jedenfalls dachte ich vor Jahren einmal, dass ich den Beruf des Schweißers doch nicht an den Nagel hätte hängen sollen. Denn mit dem, was ich jetzt weiß, mit meinen vielen, vielen Erfahrungen, könnte ich doch auch als Schweißer etwas anstellen, dass ich spannend finde – in meiner eigenen Werkstatt Kunst oder ähnliches herstellen. Zu spät dachte ich dann, zu spät. Doch wieso eigentlich zu spät? In unserer Jugendwahnwelt ist alles nach 30 zu spät. Doch es niemals für irgendetwas zu spät, solange doch noch laufen und einigermaßen für dich sorgen kannst. Also dachte ich, ok, dann nehm doch einfach mal Kontakt auf mit dem Zeug, mit der Materie, mit Metall, Metallverarbeitung, mit dem Schweißen und dann wirst du sehen, wo du stehst und ob es noch etwas für dich ist. Und dank der wundervollen Einrichtung der Volkshochschule ist das weiter gar kein Problem. Gedacht – getan!

Der Hahn der Hahn

Und nun stehe ich in dieser Werstatt in Wilhelmsburg in meinem Blaumann – nein, es ist ein mit Wandfarbe besprengselter grüner Overall – und feile an einer kleinen Geschichte aus Metall. Und ich schweiße, ich schweiße Elektro. Es riecht wieder wie damals, es fühlt sich an wie damals, es sieht auch aus wie damals und ich erinnere mich an sehr viel von damals aus der Lehrwerkstatt und meinen ersten Scheißversuchen. Schweißen braucht sehr viel Übung, sehr viel Konzentration und Ruhe. Junge Kerle steht davon nicht immer ausreichend zur Verfügung. Aber ich habe die Ausbildung gepackt und sogar noch 2 weitere Jahre in der Reparatur-Abteilung gearbeitet, Dock 11, Elbe 17, das Trockendock. Allerdings in Kurzarbeit. Damals auch schon. Dann habe ich es hin geschmissen.

Schweißgerät und Arbeitsstück

Und jetzt stehe ich hier und versuche da wieder anzusetzen. Es macht Spaß, ja, und Freude. Und ich muss gestehen, dass ich lieber in einer Werkstatt stünde, also vor Rechner zu sitzen und in blöde Strahlung zu grinsen. Und mich mit Leuten unterhalten, die ebenfalls viel vor der Kiste hocken und manchmal kontaktgestört sind, oder völlig verkopft oder sich wie Kreative fühlen, nur das man ein Großkotz ist. In so einer Werkstatt gibt es so etwas nicht. Das ist alles überschaubar. Es ist hart und schmutzig, aber man weiß immer was man hat, es ist ehrlich und verlässlich. Metall schmilzt ab einer bestimmen Temperatur, mit dem Zauberstab, den die Elektrode darstellt, versucht der Schweißer, anstatt drumherum zu quasseln, mit dem im heißen Brei zu rühren, zwei Teile miteinander zu verbinden. So wie ich jetzt wieder. Mal sehen, was draus wird. So einen Kurs kann ich nur empfehlen.

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Meine Skulpturen heißen: Besucher auf der Mole in der Hafencity mit Segelbooten. Und Steve. Künstler müsste man sein.

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